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Palmzweige, Osterkerzen und Blumensamen to go

Wie die Kirche sich auf das zweite Corona-Osterfest vorbereitet

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Der Corona-Lockdown an Ostern 2020 hat die Kirchen eiskalt erwischt. Nun bereiten sie sich auf ein weiteres Osterfest in Corona-Zeiten vor - und haben dazugelernt.

Noch mindestens bis zum 28. März erwartet die Deutschen ein moderater Lockdown, bei Anstieg der Corona-Infektionen vielleicht auch bis nach Ostern. Ob vorsichtige öffentliche Gottesdienste mit strengen Hygienekonzepten in Kirchen oder im Freien oder "nur" Übertragung der Karfreitags- und Osterfeiern via Fernsehen oder Streaming: Die Kirchen und Gemeinden sind, anders als im Vorjahr, auf mögliche Eventualitäten vorbereitet. Ein Jahr Corona habt sie eine gewisse Routine und kreative Ideen wie Handreichungen entwickeln lassen: Palmzweige und Osterkerzen to go, Anleitungen für Hausgottesdienste mit Familie und Freunden.

Die Deutsche Bischofskonferenz geht mit gutem Beispiel voran und bietet auf ihrer Internetseite eine umfangreiche Themensammlung für die Heilige Woche 2021 an. Dort finden sich unter anderem laufend aktualisierte Anregungen aus den (Erz-)Bistümern und von Orden.

WhatsApp-Kreuzweg und blühende Osterbotschaft

Im Emsland wurde beispielsweise ein Ökumenischer WhatsApp-Jugendkreuzweg entwickelt, das Erzbistum Köln ermuntert Familien zum Osterwichteln mit Briefen, in Hamburg sind Kinder eingeladen, mit Malkreide die Osterfreude auf die Straße zu bringen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ruft unter #Osterblühen zu Aktionen auf, die "das Leben zum Blühen" bringen - ob am Fenster, im Garten oder bei anderen Menschen.

Auch das Erzbistum Freiburg lädt ein, "Teil der Osterbotschaft zu werden". Bereits Ende Februar konnten 75.000 kleine Saattüten bestellt werden, um die Botschaft vom neuen Leben zu verdeutlichen. Bereits nach 36 Stunden seien alle vergriffen gewesen, freut sich Tobias Aldinger vom Seelsorgeamt Freiburg.

Vielfalt in Liturgie und Seelsorge durch Pandemie

Aldinger hatte bereits im vergangenen Frühjahr kurzfristig Online-Veranstaltungen mit findigen Ideen für das erste Osterfest in der Pandemie angeboten, die weit über das Erzbistum auf große Resonanz gestoßen sind. Schließlich waren viele Gemeinden und Pastoralteams vom vorösterlichen Lockdown kalt erwischt worden.

In diesem Frühjahr gibt es keine entsprechenden Online-Angebote, sagt Aldinger. "Viele haben sich freigeschwommen und sind erfinderisch geworden." Aldinger hofft indes, dass die durch die Pandemie entstandene Vielfalt in Liturgie und Seelsorge erhalten bleibt "und nicht wieder eingedampft wird".

Freude über kleine symbolträchtige Dinge

An ihre guten Erfahrungen aus dem Vorjahr möchte auch eine pfarreiübergreifende Initiative in Bonn anknüpfen. Für die Heilige Woche bietet sie Gläubigen eine Ostertasche mit Impulsen für die Osterfeier zu Hause, erläutert Pastoralassistentin Christina Wagner. Darin enthalten sind unter anderem ein Buchszweig für Palmsonntag, eine Anleitung zum Brotbacken an Gründonnerstag, eine Osterkerze mit Weihwasser für die Tauferneuerung in der Osternacht und für den Ostermontag ein Papier mit Wildblumensamen, das man einpflanzen und zum Blühen bringen kann. Ein willkommenes Angebot auch für Gläubige, die sich in Pandemiezeiten noch unwohl in einem Ostergottesdienst fühlten, beobachtet die Bonnerin.

Die Resonanz 2020 sei enorm gewesen, erinnert sich Wagner. Eine ältere Dame habe erklärt, "noch nie etwas von der Kirche geschenkt bekommen" zu haben. Die meisten Menschen freuten sich über kleine symbolträchtige Dinge, die sie mit nach Hause nehmen können. "Die Leute waren einfach überrascht, dass wir etwas vorbereitet hatten und nicht einfach die Kirche zugemacht haben", blickt die Pastoralassistentin auf das vergangene Jahr zurück. Damals blieben viele Kirchen aus Sorge vor Ansteckung über Ostern ganz geschlossen.

Osterfreude statt Pandemie-Sorgen

Schon im Vorfeld sei sie nun von Menschen angesprochen worden, ob es dieses Jahr "wieder was Nettes für Zuhause" gebe. "Ich kann nur jedes pastorale Team ermutigen, ähnliche Wege zu beschreiten - die Leute freuen sich unheimlich, es gibt viele Ideen, das sollten viel mehr Gemeinden machen."

Corona werde auch in diesem Jahr nicht spurlos an der Kar- und Osterliturgie vorbei gehen, meint Wagner. Die Pandemie komme in ihrer Gemeinde in den Fürbitten zwar vor, "aber wir wollen den Fokus nicht weiter darauf legen". Schließlich seien die Menschen derzeit in ihrem Alltag ständig mit der Pandemie konfrontiert. Die Osterfreude über die Auferstehung und das neue Leben soll überwiegen.

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