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Gespräch mit Norbert Jansen vom Könzgenhaus in Haltern

Wie ein Bildungshaus trotz der Corona-Krise nach vorn blickt

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Nicht nur Restaurants und Hotels, auch die kirchliche Bildungsarbeit wird durch die Corona-Krise hart getroffen. Nur noch unter eingeschränkten Bedingungen können Veranstaltungen angeboten werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zum Teil in Kurzarbeit. Wie der Blick nach vorn gerichtet werden kann und warum sich ein Tagungshaus gerade „neu erfinden“ muss, darüber äußert sich Norbert Jansen, Geschäftsführer des Könzgenhauses in Haltern, einer Bildungseinrichtung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) im Bistum Münster.

Herr Jansen, wie stellt sich die Situation des Könzgenhauses aktuell dar – hinsichtlich der Belegung, der Teilnehmerzahlen, der Angebote von Seminaren und Veranstaltungen?

Alle Veranstaltungen können auch nach den neuesten Corona-Regeln bei uns stattfinden, soweit sie im Rahmen beruflicher Fortbildung zu sehen sind. Wir sind so gesehen von dem Übernachtungsverbot etwa im touristischen Bereich für Hotels nicht betroffen. Es laufen sowohl eigene Seminare als auch Gastveranstaltungen. Unter den Hygienebedingungen sind einige Regeln zu beachten, wie Mundschutz, Abstände, regelmäßiges Lüften, die aber gut akzeptiert und mittlerweile ja auch im Alltag der Menschen trainiert sind. Die Gruppen sind insgesamt kleiner als sonst. Es gibt Stornierungen einzelner besorgter Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zum Beispiel wenn sie zur Risikogruppe gehören. Es gibt auch Absagen ganzer Gruppen. Die sind problematisch, wenn sie kurzfristig erfolgen.

Einige Mitarbeiter sind bis Dezember in Kurzarbeit. Wie ist die weitere Perspektive? Wie ist die Solidarität im Haus?

Woche um Woche, Monat um Monat konnten wir immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen. Mit Informationsstand heute allerdings kommen wieder schwierige Wochen auf uns zu. Wir haben eine tolle Belegschaft und eine engagierte Mitarbeitervertretung. Ein gutes Miteinander und Solidarität sind hier nicht nur Worte, sondern Taten. So lassen sich auch „Saure-Gurken-Zeiten“ überstehen.

Sie haben kritisch angemerkt: Corona geht – Kapitalismus bleibt. Was hat Corona mit Kapitalismus zu tun?

Corona betrifft alle, aber trifft nicht alle gleich! Corona wirkt wie ein Brennglas. Corona und die Folgen führen dazu, dass man an vielen Problemen und deren Ursachen nicht mehr vorbeisehen kann. Vieles ist schon länger klar, wie Pflegenotstand, ungerechte Bezahlung und falsche Bewertung, was systemrelevant ist. Lücken im Sozialsystem vieler Länder werden deutlich. Schon 2013 schrieb Papst Franziskus in „Evangelii Gaudium“: „Die soziale Ungleichheit tritt immer klarer zutage. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche System ist an der Wurzel ungerecht. Diese Wirtschaft tötet.“

Einige Veranstaltungen im Könzgenhaus sind betont kapitalismuskritisch. Am 5. November wird Prälat Peter Kossen in einer Zoom-Veranstaltung über die Zustände in der Fleischindustrie sprechen, am 11. November soll der Kapitalismus-Kritiker Bruno Kern auf Einladung der katholischen Friedensbewegung Pax Christi zum Thema „Das Märchen vom grünen Wachstum“ referieren.  Wird Gesellschaftskritik zum Markenzeichen der Bildungseinrichtung?

Das wird sie nicht, das war sie schon immer schon. Und meines Erachtens sollte das für jede kirchliche Einrichtung so sein, erst recht, wenn wie bei uns im Könzgenhaus und bei der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung die katholische Soziallehre eine wichtige Rolle spielt. Je zugespitzter gesellschaftliche Problemlagen, je zugespitzter Wiedersprüche unseres Wirtschaftssystems zutage treten, umso genauer muss man hinschauen und umso zugespitzter muss die Kritik ausfallen. Das gute, alte Motto nicht nur der katholischen Arbeiterbewegung „Sehen-Urteilen-Handeln“ bewährt sich und bekommt in Corona-Zeiten neue Relevanz.

Was wünschen Sie sich nach Corona für Ihr Haus?

Nach Corona werden wir noch mehr als vorher „lernende Organisation“ sein und uns den Transformationsprozessen stellen. Das Motto wird sein „Das Könzgenhaus packt an!“ Wir initiieren und beteiligen uns an Debatten um Grundrechte, die Balance von Freiheitsrechten und die solidarische Verantwortung. Wie ist anderes Wirtschaften möglich? Wie kann die Krisenlast recht verteilt werden?

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