Berufe in der Kirche – Teil 1: Der Computer-Fachmann

Wie ein IT-Techniker verzweifelten Pfarrsekretärinnen hilft

Alles Mögliche hat er aufgeschraubt, schon mit acht Jahren. „Das erste war mein Super-Nintendo.“ Seine Spielkonsole war kaputt, und Oliver Wayne Riesenbeck wollte einfach wissen, wie das alles darin funktioniert: Knöpfe, Controller, Kabel. Den ersten Computer besaß er mit dreizehn. „Wir haben darauf ganz viel gespielt, zum Beispiel Rollenspiele, mit Freunden auf Lan-Partys.“

Das war noch vor der Zeit des schnellen Internets. Die Jungs schalteten damals mit Kabeln ihre Rechner zusammen. Danach saß jeder an seinem Bildschirm – aber alle zusammen bewegten sich in einer gemeinsamen Fantasie-Welt.

Verzweifelte Anwender

Seine allererste LAN-Party fiel allerdings noch ins Wasser. Der junge Mann mit der schwarzen Brille muss heute noch lachen, wenn er sich daran erinnert. „Unsere Computer waren fertig aufgebaut, aber wir haben das mit der Verbindung nicht hinbekommen.“

Auch deshalb kann er die Verzweiflung der Anwender gut nachvollziehen, wenn die Technik nicht mitspielt. Genau die gehört zum Berufsalltag des 27-jährigen, der als IT-Fachmann beim Bischöflichen Offizialat in Vechta arbeitet.

Seine Arbeit ist Unterstützung

Verzweiflung von Pfarrsekretärinnen, die anrufen, weil der Bürodrucker streikt oder von Pfarrern, die nicht mit der Kalenderfunktion auf ihrem Diensthandy klarkommen. Oder die Rechnungsführerin einer Pfarrei meldet, dass das Lesegerät für die Überweisung mal wieder spinnt.

Ihnen dann zu helfen – das ist das, was er meint, wenn er seine Arbeit mit dem Begriff „Support“ beschreibt, das englische Wort für Hilfe oder Unterstützung. Unter anderem dafür ist er im achtköpfigen IT-Team der bischöflichen Behörde für das Oldenburger Land mit zuständig.

Mit seinen Kollegen kümmert sich Riesenbeck zum Beispiel darum, dass die zentrale Banking-Software funktioniert. Damit Gemeinden Rechnungen überweisen können, mit Lesegerät und Pin. „Und wenn da etwas nicht klappt, können wir helfen.“

Hilfe per Fernwartung

Computer-Experten des Bischöflichen Offizialats in Vechta.
Computer-Experten des Offizialats: Jonas Kamphake (links), Oliver Wayne Riesenbeck (rechts) und Markus Hellwig (vorne). | Foto: Michael Rottmann

Per Fernwartung schaltet er sich dann auf den Pfarrbüro-Rechner und sucht nach Fehlern. „Zum Beispiel, wenn der Kartenleser defekt ist oder ein Kabel.“

Oder der neue Drucker ist in der Gemeinde eingetroffen und soll ins Netzwerk eines Pfarrbüros eingebunden werden.  „Auch für solche Aufgaben ist unser Team zuständig“, sagt Oliver Wayne Riesenbeck. Und auch das läuft meist per Fernwartung. Geduldiges Zuhören und Erklären gehören zu seinem Job. So ähnlich wie damals auf dem technischen Gymnasium in seiner Heimatstadt Lohne.

Ausbildung noch nicht bei der Kirche

In den Informatik-Kursen spürte er schnell: Arbeit mit Computern ist genau das Richtige für mich. Er hatte Freude daran. Und er merkte, dass ihm auch das andere lag: „Den Mitschülern zu helfen, die die Dinge noch nicht richtig verstanden hatten.“

Gelegenheiten dazu bietet der Job im Computer-Service  reichlich. Das war schon so in seinem Ausbildungsbetrieb, einem kleineren Handelsunternehmen. Aber dort hatte er es gerade mal mit gut zwei Dutzend Nutzern zu tun. Jetzt bei der Kirche sind es Hunderte im gesamten Oldenburger Land. Irgendwo hakt es immer mal.

Stecker raus - aber was, wenn das nicht reicht?

Über die telefonische Hotline können sie im Falle des Falles ihr Problem anmelden. Manchmal reicht zur als Lösung der Standard-Tipp der Branche: Ziehen Sie doch mal den Stecker raus und schalten das Gerät dann wieder an. Die Fehlersuche kann aber auch mal Stunden dauern.

Der Lohn für den IT-Experten sind dann meist erleichterte Gesichter, wenn alles wieder funktioniert. Genervte Kunden erlebt er selten. „Die meisten freuen sich ja, wenn Hilfe kommt.“

Kontakt mit vielen Menschen

Deshalb gefällt ihm der Job. „Und auch, weil ich soviel Kontakt mit Leuten habe. Ab und zu auch persönlich, wenn wir in Pfarrhäusern oder Kindergärten arbeiten.“ Dabei hat er über die Kirche einiges ganz neu gelernt. Er weiß zum Beispiel, wie wichtig Technik für die Arbeit von Seelsorgern ist.

Egal, ob zur Terminabsprache oder zum Predigten Schreiben. „Verstaubt ist da ja heute nichts mehr.Fast alle nutzen da die neuen technischen Möglichkeiten. Und wir sorgen dafür, dass alles läuft.“

Damit alles läuft

Er habe durch den Job zudem einen engeren Kontakt zur Kirche bekommen. Die war für ihn lange Zeit ziemlich weit weg. „Ich bin wohl in die Schulmesse gegangen, und dazu an Weihnachten oder zu Ostern“, sagt er. Aber sonst?

Seit er dienstlich damit zu tun hat, ist das anders. „Ich verstehe die Zusammenhänge besser und sehe, wie wichtig Kirche ist. Ich wusste ja früher gar nicht, dass Kindergärten oder Büchereien von ihr gefördert werden. Das war mir alles nicht klar.“

Gottesdienste im Offizialat

Das trägt dazu bei, dass Riesenbeck sich wohl fühlt an seinem Platz. Nicht nur im Dienst mit Maus und Tastaturen. „Auch, wenn wir mit Kollegen an den Gottesdiensten teilnehmen, zu denen Weihbischof Theising die Dienstgemeinschaft des Offizialates regelmäßig einlädt.“