Cosmin Croitoru wollte der Kirche im Bistum Münster etwas zurückgeben

Wie ein Waisenkind aus Rumänien Kaplan in Friesoythe wurde

Ohne Heidi Dartsch wäre er nicht Kaplan in Friesoythe. Ohne die KAB Maria Frieden Vechta, die sein Pate war im Theologiestudium und ihn über Jahre mit 50 Euro im Monat unterstützte.

Was wäre sonst aus Cosmin Croitoru geworden? Aus einem Jungen in einem Dorf in den Karpaten, in einem verlassenen Winkel von Rumänien. Er war arm, die Mutter ist früh gestorben, da war er fünf. Ein Halbwaise in einem Kinderheim. Zunächst ist es ein staatliches Heim, während des kommunistischen Regimes vernachlässigt, verkommen, verfallen. Den Kindern fehlt es an allem.

Hilfe kam aus St. Maria Frieden Vechta

Bis nach dem Sturz der Diktatur Hilfestransporte ins Land kommen. Einer fuhr nach Barati – ein Hilfstransport der Gemeinde Maria Frieden Vechta, vermittelt durch eine Frau mit rumänischen Wurzeln. Die Helfer halfen; sie waren sich sofort einig: Wir müssen auf Dauer helfen.

Kern der Hilfe wurde die KAB, Männer rund um deren Vorsitzenden Jürgen Dartsch – und um Heidi Dartsch. Die begleitete ihren Mann oft, stand einmal auch im Schlafsaal der Kinder. Sie erinnert sich gut: „Da saß so ein kleiner Junge und starrte mich an. Dann kam er auf mich zu.“

Ein Gefühl wie zwischen Mutter und Sohn

Noch heute weiß sie genau: „Es war sofort ein Gefühl wie zwischen Mutter und Sohn, bei mir und auch bei ihm.“ Ein Gefühl, das über Jahre bis heute hielt. Briefe gingen hin und her, der kleine Cosmin schrieb lange Gedichte nach Vechta an Heidi Dartsch.

Die Helfer aus Maria Frieden brachten Jahr für Jahr Hilfsgüter, zunächst ganz klassisch Kleidung und Medikamente zur örtlichen Caritas. Dann auch mal eine komplette Heizungsanlage. Und Geld aus einer Erbschaft: für ein großes Projekt – den Bau eines neuen Kinderheims.

Heute ist das Kinderheim ein Schmuckstück

Cosmin Croitoru und seine Freunde wuchsen anders auf als die vielen Kinder vor ihnen, das neue Heim ist inzwischen ein Schmuckstück, betreut von Ordensschwestern. Daneben haben die Helfer aus Maria Frieden aber auch konkret für einzelne Kinder gesorgt, haben Patenschaften vermittelt, Helfer ermutigt, Kinder mit einem festen Monatsbetrag zu fördern. Patenkind der KAB wurde Cosmin Croitoru.

Der hatte inzwischen Fußballschuhe statt Unterhemden in seinen Paketen, der Junge war zu einem begeisterten Sportler herangewachsen. Mit einem Berufsziel, das Stück für Stück in ihm wuchs: Priester.

Er wollte später etwas Gutes tun für die Kinder

Denn mit zwölf war er Messdiener im Heim geworden, „da lernte ich beten“, erinnert sich Croitoru. Sein großes Vorbild waren die Ordensfrauen im Heim: „Ich wollte wie sie Gutes tun für Kinder, nur eben als Priester.“ Er hatte auch einen anderen, stillen Gedanken: „Ich habe davon geträumt, jeden Tag eine Messe zu lesen für meine Mutter im Himmel.“

Der Junge aus dem Kinderheim ging diesen Weg, studierte Theologie und wurde in seiner Heimat zum Priester geweiht – mit Primiz auch in Vechta, bei den Freunden, die ihm immer geholfen hatten.

Die rumänische Kirche schien ihm zu traditionell

Cosmin Croitoru stürzte sich begeistert in die Arbeit als Seelsorger, ging auf in seinen Aufgaben. Wie vielen anderen jungen Kaplänen schien ihm die rumänische Kirche im Alltag bald zu traditionell. Er zweifelte an seiner Aufgabe, wandte sich an seinen Freund Richard Büssing, damals Pfarrer in Maria Frieden Vechta. Der vermittelte einen Kontakt zwischen dem Bischof von Münster und dem in Iasi – beides Partnerbistümer.

Croitoru kam als Priester der Weltkirche nach Münster, nach Sprachkursen und Weiterbildung als Kaplan in die oldenburgische Kleinstadt Friesoythe. Zu 12.000 Katholiken einer Großgemeinde mit fünf kleineren Gemeindeteilen im Umland.
Er lernt Wörter wie Pastoralplan und Tatsachen wie Priestermangel, Berufe wie Ständiger Diakon und Pastoralreferent. Alles kaum bekannt in der rumänischen Kirche. Die deutsche Kirche ist also spannend für den Kaplan. „Sie fordert mich heraus.“

Ein harter Alltag auch bei Kranken und Sterbenden

Durchaus auch der Alltag. Wenn der Kaplan eine Woche lang Bereitschaftsdienst für Kranke und Sterbende hat. „Ich hatte früher immer große Angst vor Tod und Sterben, vielleicht, weil meine Mutter so früh gestorben ist“, sagt er. „Aber als Priester – da muss ich ganz einfach da sein und zu den Menschen gehen! Immer und überall.“ Leise gibt er zu: „Aber es ist nicht einfach.“

Einmal war Croitoru in acht Tagen Seelsorger bei 14 Beerdigungen. „Da ist es schwer, immer wieder die richtigen Worte zu finden für die Trauernden.“ Eine Herausforderung für ihn. Er hat gemerkt: „Als Priester gehst du deinen Weg Schritt für Schritt neu, es ist für mich heute noch ein Abenteuer.“

Seelsorger für mehr als 400 Messdiener

Aber es gibt ja auch die jungen Menschen in der Gemeinde. „400 Messdiener“, berichtet der Kaplan stolz. Junge Leute zwischen Markhausen und Kampe, Neuscharrel und Altenoythe. Junge Leute, mit denen er reihum im Zeltlager war, die ihn durch ihre Offenheit beeindruckten. „Die gehen ganz normal mit mir um, ich bin einfach Cosmin.“ Kein Vergleich mit dem Priesterbild in Rumänien, findet er.

Junge Leute haben ihn auch ganz selbstverständlich in ihre Vereine mitgenommen; beim SV Marka spielt er jetzt in der Kreisliga auf Linksaußen. In den beiden ersten Spielen hat er direkt ein Tor geschossen. Und mit ihnen ein eigenes Projekt verwirklicht: eine Fußballmesse in der Pfarrkirche, für Spieler, Trainer und Fans.

Viele interessieren sich für die Geschichte seiner Kindheit

Für die alten Menschen sei er eher der Kaplan, aber auch dort finde er wieder Messdiener. „Bei den Seniorenmessen kann ich mich auf die immer verlassen.“ Gerade die alten Menschen in Friesoythe seien besonders interessiert an seiner Geschichte, an seiner Heimat und seinem Weg.

Die kann er ihnen bald zeigen. Im Mai des nächsten Jahres wird die Gemeinde St. Marien nach Rumänien fahren. Die Menschen sehen die Hauptstadt Bukarest, sie sehen berühmte Klöster, sie fahren auf dem Schwarzen Meer. Und sie sehen am 17. Mai das Kinderheim in Barati; dort feiert der Kaplan mit ihnen einen Gottesdienst.

An dem Ort, in dem sein Weg begonnen hat. Kann sein, dass die Menschen aus Friesoythe ihn nach diesem Besuch im Kinderheim noch besser verstehen.