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Themenwoche "Corona und die Eine Welt" (3) - aus Xanten

Wie ein Weltladen dank kreativer Ideen die Pandemie übersteht

  • Der Xantener Weltladen liegt mitten in der Stadt. Die Corona-Lockdowns haben das Team schwer getroffen.
  • Mit Türverkauf und Lieferdienst half sich der Laden durch die Zeit der Schließung.
  • Jetzt steigen die Umsätze in Xanten wieder.
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Von der Decke hängen Holzsterne, auf dem Tisch liegen Kleiderhaken und Dosen, in den Regalen an der Wand sind Tee, Kaffee, Schokolade, Einkaufskörbe und Spielzeug eingeräumt und an der Tür ist eine Vitrine mit Silberschmuck. Ein reichhaltiges Angebot, das jeden Besucher und Besucherin des Xantener Weltladens einlädt zu verweilen. Und das genau ist auch das Ziel der Betreiber des Weltladens: zum Bummeln einladen, die Dinge in die Hand nehmen, Freude an den Verkaufsartikeln aus der „einen Welt“ entwickeln.

Sabine Gralla, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus dem 40-köpfigen Ladenteam, berät zwei Kundinnen, die im Vorbeigehen einen Stopp in dem Ladengeschäft einlegen. Die großen Schaufenster haben sie angelockt, das Angebot näher zu betrachten. Sabine Gralla berät sie. Sie kann anhand der Auszeichnung genau sagen, aus welchem Land der Artikel stammt, wann er produziert wurde und seit wann er in Xanten verkauft wird. Eingehend erkundigen sich die beiden Frauen über die ausgelegten Kleiderhaken, die mit bunten Kacheln verziert sind.

Corona-Projekt wegen Schließung

Mit der Auskunft von Gralla sind sie mehr als zufrieden. Auch wenn sie heute nichts kaufen, ist ihre Neugierde geweckt, und vielleicht kommen sie wieder. Auch Anette Artz, die Geschäftsführerin des Weltladens, kann mit dem Ergebnis des Verkaufsgespräches gut leben. „Hier zeigt sich unsere Stärke“, sagt sie. „Wir sind in der Stadt präsent. Neben der Touristikinformation gelegen, ziehen wir die Besucherinnen und Besucher von Xanten geradezu an. Und in dieser vom Tourismus geprägten Stadt flanieren eine Menge Menschen vorbei. Die Leute lieben es, etwas in die Hand zu nehmen, zu schauen, zu fühlen und dann zu entscheiden, ob sie etwas kaufen.“

Das war nicht immer so. Vom 16. März 2020 an mussten sie für annähernd sieben Wochen das erste Mal schließen, vom 16. Dezember 2020 bis Ende Mai 2021 zum zweiten Mal. Weil kein Publikumsverkehr in dieser Zeit möglich war, sanken die Umsätze deutlich. „Zwei Faktoren haben uns in dieser Zeit über den finanziellen Engpass hinweggeholfen“, erinnert sich Wolfgang Schneider, Vorsitzender der Eine-Welt-Gruppe in Xanten. „Die staatlichen Hilfen und der Einsatz der ehrenamtlichen Frauen und Männer.“ In dieser Zeit hat das Team mit dem Warenverkauf vor der Tür begonnen, einem wichtigen Corona-Projekt.

Großer Einsatz der Ehrenamtler

„Der Winter war gerade im Februar 2021 sehr streng“, erzählt Anette Artz. „Wir mussten Schnee schippen und die Eiszapfen hingen lange an der Regenrinne. Aber das hat die Truppe der Helfer nicht abgehalten, vor der Tür Waren zu verkaufen. Es waren immer Leute da, die an den Markttagen in der Stadt geholfen haben. Denn an diesen Tagen waren die meisten Menschen in der Stadt.“

Artz und ihr Team haben in dieser Zeit darüber hinaus einen Lieferservice entwickelt. Per Mail, telefonisch oder anhand eines Bestellscheins, der in einer Box am Ladeneingang eingeschmissen werden konnte, bestand die Möglichkeit, eine Bestellung aufzugeben. Diese wurden von Anette Artz und ihren Helferinnen bearbeitet und an die jeweilige Haustür geliefert. Sobald der Weltladen wieder öffnen durfte, war der Service nicht mehr so gefragt. „Wir haben den Lieferservice dann runtergefahren“, sagt Artz.

Gegen Online-Handel entschieden

Wolfgang Schneider ist sich sicher: Diesen beiden Aktivitäten haben geholfen, die Kundschaft an den Laden zu binden. „Wir haben auch darüber nachgedacht, einen Online-Handel aufzubauen“, sagt er, „aber diese Überlegungen haben wir schnell wieder verworfen.“

Das ist seiner Meinung nach die Aufgabe der Globalplayer wie Gepa oder Misereor mit ihrem reichhaltigen Angebot und den vielfältigen Katalogen. Der Online-Handel sei für den Xantener Laden zu anonym, meint Schneider. „Unsere Stärke ist es, in der Stadt präsent zu sein.“

Schaufenster werden auf Instagram gepostet

Die wirtschaftliche Lage hat sich wieder deutlich verbessert. „Der Umsatz hat sich im Vergleich zu vor der Pandemie um 30 Prozent gesteigert“, sagt Artz. „Der Umzug in ein größeres Ladenlokal vor der Pandemie mit seinen großen Schaufenstern zeigt jetzt seine ganze Wirkung.“

Den drei großen Schaufenstern wendet vor allem Elke Demuth aus dem Ladenteam große Aufmerksamkeit zu. Jede Woche gestaltet sie eines der Schaufenster in ihrer Mittagspause neu. Sie legt viel Fantasie und Herzblut in diese Arbeit. Weiß sie doch, dass diese Fenster den Laden über die Stadt hinaus bekannt gemacht haben. Auf Instagram postet sie immer wieder das neue Angebot in den Fenstern. „Die Resonanz ist ausgesprochen positiv“, sagt Artz. Das ermutigt sie und ihre Teammitglieder, das Konzept der Präsenz in der Touristenstadt weiterzuverfolgen.

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