Nicole Niemann ermittelt sonst bei der Kripo Tötungsdelikte

Wie eine Polizistin Jugendliche auf die Firmung vorbereitet

Nein, eine typische Christin sei sie nicht, stellt Nicole Niemann aus Wildeshausen gleich eingangs klar. Vielmehr eine moderne Christin: geschieden, allein erziehend, keine regelmäßige Kirchgängerin, aber doch eine, die immer wieder gerne verschiedene Gotteshäuser unabhängig von der Konfession besucht.

Eine Frau, die auch gottesferne Zeiten kennt, sich heute aber ein Leben ohne stärkendes Gebet – egal ob im Büro, wo sie bei der Kripo in Tötungsdelikten ermittelt, oder im Streifenwagen – nicht mehr vorstellen kann. „Gerade negative Erfahrungen haben mich wieder näher zu Gott gebracht und mir gezeigt, dass ich jemanden brauche, der mich stützt.“ So berichtet die sportliche 45-Jährige.

In der Polizeiarbeit Nähe zum Glauben

Das war wichtig, als sie als junge Frau todkranke Angehörige pflegte, und das ist bis heute ein Thema, wenn sie es als Polizistin mit schockierten, trauernden Angehörigen zu tun hat. Die Frage: „Das kann Gott doch nicht so gewollt haben?“ ist da meist nicht weit. Viel gelernt habe sie in diesem Zusammenhang mit den Krisen-Interventionsteams und Seelsorgern, die die Polizeiarbeit unterstützen, da zieht sie eine Verbindung zwischen Kirche und Beruf.

Mit vier weiteren Katecheten betreut Nicole Niemann in der Wildeshauser St.-Peter-Gemeinde derzeit rund 60 Firmlinge.  Seit dem Eröffnungsgottesdienst laufen jetzt wöchentliche Gruppenstunden. Wie baut sie ihren Vorbereitungsunterricht auf? „Wir tasten uns erst einmal vorsichtig an das große Thema Firmung ran, erklären, was es damit auf sich hat, und hinterfragen die Motive“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Sie will das Eigentliche der Firmung vermitteln

Immer wieder komme es vor, dass die Teilnahme am Firmunterricht von den Eltern entweder belohnt oder aufgedrängt werde – etwa so: „Sonst kannst du nicht kirchlich heiraten.“ Das widerstrebt der Katechetin; sie will vielmehr vermitteln, worum es bei der Firmung eigentlich gehe.

Ganz wichtig sind Niemann grundlegende Regeln in ihren Vorbereitungsrunden. Eine davon lautet, dass niemand ausgelacht wird, egal was er oder sie sagt. „Mit der Zeit wachsen die Jugendlichen nicht nur als Gruppe zusammen, sondern auch jeder für sich durch die ganz persönliche Beschäftigung mit dem Glauben“, so ihre Erfahrung als Katechetin.

Buntes Programm beim Firmunterricht

Erstmals hat sie sich 2014 als Katechetin eingesetzt, als ihr Sohn Felix zur Kommunion kam. An den Vorbereitungstreffen schätzt sie das „schöne Miteinander, das mich am Puls der Zeit hält und mir zeigt, wie diese Generation tickt.“ Das inhaltliche Spektrum sei dabei locker und ernsthaft zugleich und reicht vom gemeinsamen Waffelbacken über hitzige Diskussionsrunden bis zur sprichwörtlichen Suche nach dem Heiligen Geist in der Innenstadt.

„Die Jugendlichen sollen erkennen, dass der Glaube an Gott nicht altmodisch, sondern aktueller denn je ist und uns auch durch Krisen führt“, wünscht sich die Polizistin. Erst ganz am Ende der Vorbereitung solle jeder Jugendliche für sich die Frage beantworten, ob er tatsächlich gefirmt  werden möchte – ganz ohne Druck oder gar Prüfung, sondern nach reiflicher Überlegung und aus freien Stücken.