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Johannes Gröger arbeitet am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael Ahlen

Wie hat sich Schulseelsorge in 25 Jahren verändert, Herr Gröger?

  • Johannes Gröger ist seit 25 Jahren Schulseelsorger in Ahlen.
  • Er hält die Schule für einen wichtigen Kirchort für die jungen Menschen.
  • Gröger hat seine Erfahrungen in einem Buch im Dialogverlag zusammengefasst.
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„Schulseelsorge ist mehr als Klangschale und Gottesdienst“ - davon ist Johannes Gröger überzeugt. Seit 25 Jahren unterrichtet er katholische Religion, Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaftslehre am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael in Ahlen und ist dort auch Schulseelsorger. „Ich bin froh und dankbar, dass das Bistum Münster damals so mutig war und für berufsbildende Schulen in kirchlicher Trägerschaft bewusst Lehrkräfte für die Schulseelsorge qualifiziert hat“, sagt der 61-Jährige, der zudem als Ständiger Diakon in der Pfarrei St. Nikolaus Münster tätig ist.

Im zurückliegenden Vierteljahrhundert hat Gröger manchen Wandel miterlebt: „Die Rolle der Kirche in der Gesellschaft hat sich verändert, das System Schule ist ein anderes und auch die Jugendlichen treiben heute andere Fragen um als damals.“

 

„Schule ist in dieser Lebensphase für die Schüler ein Kirchort“

 

Waren Schülerinnen und Schüler vor 25 Jahren noch recht präsent in den Ortsgemeinden, sind diese für die meisten heute keine Bezugsgröße mehr. „Sie erkennen keine Verbindung zu ihrer Lebenswelt, ihren Fragen, Ängsten, Leidenschaften und Lebensentwürfen“, beschreibt Gröger.

So sehr er diese Entwicklung bedauert, so sehr sieht er darin eine Chance für die Schulseelsorge. „Schule ist in dieser Lebensphase für die Schüler ein Kirchort, wo sie religiöse Erfahrungen machen können“, sagt er. „Hier können sie sich mit ihren Glaubens- und Lebensfragen auseinandersetzen“ – nicht zuletzt, weil sie zunehmend mehr Lebenszeit in der Schule verbringen.

 

Projekte im Religionsunterricht

 

Gerne erinnert sich Gröger an Projekte wie die Friedensbrief-Aktion anlässlich des Katholikentages 2018 in Münster. Damals hatten sich 1.500 Schülerinnen und Schüler der acht bischöflichen Berufskollegs in selbstverfassten Briefen – adressiert an Gott, an Politiker, an den Papst oder an die Gesellschaft – für den Frieden stark gemacht und dazu aufgerufen, als friedensstiftende Menschen zu wirken. „Das war ein beeindruckendes Zeugnis der tiefen Sehnsucht heutiger junger Menschen nach Frieden“, so Gröger.

Immer wieder komme es vor, dass aus dem Religionsunterricht heraus schulseelsorgliche Projekte erwachsen, sagt der Lehrer und nennt als Beispiel das „Seelen-Wellness-Projekt“ in der Autobahnkapelle Münsterland-Ost bei Münster. Aus der theoretischen Auseinandersetzung mit Autobahnkapellen heraus hatten die Schüler für einen Tag eine „Oase der Ruhe“ für Reisende mit meditativer Musik, Gebeten und Stille entwickelt und angeboten.

 

Die meiste Seelsorge geschieht im Verborgenen

 

Der Großteil der Schulseelsorge aber, da ist sich Gröger sicher, geschieht im Verborgenen. Die Begleitung einer suizidgefährdeten Schülerin, Gespräche mit einem Schüler, in dessen Familie es einen schweren Krankheitsfall gab, der Tod eines Familienmitglieds – der Schulseelsorger könnte unzählige weitere Beispiele aus den vergangenen 25 Jahren nennen.

„Solche persönlichen Krisensituationen im Umfeld der Schüler und ihrer Familien nehmen zu, die Herausforderungen werden größer.“ Gröger spricht sich für eine Stärkung der Schulseelsorge aus. „In diesen Situationen für die Menschen da zu sein, gehört zu unserem Markenkern. Dafür stehen wir.“

 

„Seelsorge lässt sich nicht in Zahlen erfassen“

 

Johannes Gröger erinnert sich gerne an Projekte wie die Friedensbrief-Aktion anlässlich des Katholikentages 2018 in Münster, bei der sich 1500 Schülerinnen und Schüler der acht bischöflichen Berufskollegs in selbstverfassten Briefen für den Frieden stark gemacht haben. | Foto: Annika Gedig (pd)
Johannes Gröger erinnert sich gern an Projekte wie die Friedensbrief-Aktion zum Katholikentag 2018 in Münster. | Foto: Annika Gedig (pd)

Wichtig ist dem 61-Jährigen, dass die Schulseelsorge ein freiwilliges Angebot bleibt. „Niemand soll missioniert werden“, sagt Gröger und beobachtet mit zunehmender Sorge, im Rahmen der Profilentwicklung katholischer Schulen die Effektivität der Schulseelsorge nur an messbaren Parametern festzumachen. „Im Bereich der Seelsorge lassen sich nicht alle Parameter in Zahlen erfassen.“

Vielmehr komme es auf die innere Haltung an. „Wenn wir Schule aus einer christlichen Motivation heraus gestalten, bekommen die Schülerinnen und Schüler eine Ahnung davon, was es heißt, als Christ in der heutigen Zeit zu leben“, verdeutlicht Gröger. Erfahrungen mit sozialen Projekten können dabei ebenso hilfreich sein wie die kleinen respektvollen und achtsamen Begegnungen im Schulalltag.

 

Kontakte über die Schülzeit hinaus

 

Mit Freude erfüllen Gröger die vielen Kontakte aus den zurückliegenden Jahren, die teils weit über die Schulzeit hinaus bestehen bleiben. „Wenn ich ehemalige Schülerinnen oder Schüler trauen oder deren Kinder taufen darf, ist das etwas ganz Besonderes für mich“, betont der Schulseelsorger.

Diese Erfahrungen verdeutlichten aus seiner Sicht die einzigartige Chance von Schulen in kirchlicher Trägerschaft: „Hier wird die Schule als ‚Kirche im Kleinen‘ erfahrbar, die über ihren Bildungsauftrag hinaus erkennbar werden lässt, was es heißt, Kirche in der Welt dieser Zeit zu sein.“

Gröger hat seine Erfahrungen aus 25 Jahren Schulseelsorge aufgeschrieben: Sein Buch „Es würde der Schule etwas fehlen. Hörende Schulseelsorge im Wandel der Zeit“ erscheint Anfang des kommenden Jahres im Dialogverlag.

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