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Themenwoche „Büchereien“ (4): Ortstermin in Rheine

Wie Martina Börgel und ihr Team die Bücherei in Mesum „jung“ halten

  • Seit mehr als zehn Jahren leitet Martina Börgel die Katholischen Öffentlichen Büchereien im Verbund Rheine-Mesum.
  • Um Besucher muss sie werben, denn „wir sind zwar katholisch, aber für es können alle Besucher kommen, egal, welchen Alters oder Religionszugehörigkeit.“
  • Dass die Büchereien ein Ort für jedermann sind, verdankt sie ihrem großen Team und tollen Aktionen wie „Read and Eat“, oder Anschaffungen wie mobilen Hörbücher.
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„Das möchte ich.“ Kea, fast drei Jahre alt, greift entschlossen in die Kiste nach dem Bilderbuch mit dem witzigen Titel „Der kleine grüne Esel“. „Du darfst dir noch ein Buch aussuchen“, sagt ihre Mutter, die bereits eines in der Hand hält. Zügig werden die beiden fündig. „Wir waren Corona-bedingt selten da im vergangenen Jahr“, sagt Julia Wentker. Sie sei ein Fan der Bücherei, „wegen der breiten Auswahl für Familien, vor allem an Gesellschaftsspielen.“

Für Kea gibt es im Anschluss sogar noch ein kleines Geschenk – wieder mal eine tolle Aktion in der örtlichen Katholischen Öffentlichen Bücherei St. Johannes Baptist Rheine-Mesum und Elte: Sie beteiligt sich am Projekt „Lesestart 1-2-3“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Stiftung Lesen. Familien und ihre dreijährigen Kinder erhalten ein kostenloses Set mit einem Bilderbuch und weiterem Informationsmaterial für die Eltern.

Bücherei will im Gespräch bleiben

Solche Aktionen sind Martina Börgel, seit mehr als zehn Jahren Sprecherin der Bücherei, wichtig: „Man muss etwas tun, um sich im Gespräch zu halten“, sagt sie. Dafür lässt sie sich immer eine Menge einfallen: „Wir sind hier ein tolles Team“, betont die 51-Jährige. Der Gemeinschaftsgedanke ist ihr ein großes Anliegen. Regelmäßig schreibt sie ihren 20 Mitstreiterinnen einen Newsletter, außerdem bereitet sie die Jahresberichte vor, kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und hält im Gemeindeausschuss den Draht zu anderen kirchlichen Gremien. „Mir macht mein Ehrenamt einfach Freude“, sagt Martina Börgel.

Zu ihrem Engagement in der Mesumer Bücherei in dem alt-ehrwürdigen Pastorat, einem schmucken Klinkerbau hinter dem Josef-Kamp-Haus im Klosterhook, kam sie durch ihre Mutter: „Meine beiden Geschwister und ich sind hier bereits ein und aus gegangen“, sagt sie. Christa Kellers ist erst kürzlich aus dem Team ausgeschieden, aber Martina Börgel ist sich sicher, diese familiäre Prägung hat sie nachhaltig beeinflusst.

Team um Neuheiten bemüht

Da, wo die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus neben einem Trauerratgeber der evangelischen Theologin Margot Käßmann im Regal steht, wo 6.000 Medien, vom Bestseller bis zum Jugendbuch den Mesumern, sowie den Gemeindemitgliedern aus Elte und Hauenhorst zur Ausleihe zur Verfügung stehen, kümmert sich Martina Börgel mit ihrem Team um Neuheiten.

„Wir haben seit kurzem Mobi-Sticks im Programm, das sind Hörbücher auf einem USB-Stick.“ Der Vorteil gegenüber anderen Hörmedien, wie zum Beispiel Toni-Figuren, liegt auf der Hand: „Die Anschaffung teurer Abspielgeräte entfällt und man braucht kein Internet. Die Sticks sind haltbar und jeder kann sie einfach nutzen und in den USB-Anschluss seines PCs, zum Beispiel, stecken“, beschreibt Martine Börgel. Auch junge Kinder können die Sticks über die Anschlüsse ihrer Kinderradios aktivieren.

Lese-Event mit Schauspielern und gutem Essen

Buchtipps im Video:
Krimi und Jugendbuch: Meike Becker und Martina Börgel geben Lesetipps auf unseren Kanälen bei Facebook und Instagram.

Trotzdem, die Bücherei kann sich noch so gut aufstellen: „Man muss halt auch wissen, dass es uns gibt“, stellt Martina Börgel fest. „Wir haben zwar einen katholischen Träger, aber es können alle Besucher kommen, egal, welchen Alters oder Religionszugehörigkeit. Die Bücherei ist ein Treffpunkt für jedermann.“ Das müsste sie immer deutlich betonen: „Wir gehören auch zur Kirche – nur in einen anderen Bereich. Wir sind für die Menschen da und sind somit ein pastoraler Ort.“

Dem Klischee der einsamen Leseratte möchte Martina Börgel dabei nicht folgen. Kommunikation ist ihr wichtig, ob bei Führungen für Kindergarten- und Schulkinder durch die Einrichtung oder der Aktion „Read and eat – lese und esse“. „Das war ein toller Abend“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit der Frauengemeinschaft und in Kooperation mit der Literarischen Bühne Rheine waren verschiedene Lese-Stationen vorbereitet worden, in der Bibliothek, aber auch in einem Modehaus im Ort und in der Pfarrkirche: „Es wurden ausgewählte Abschnitte vorgelesen, dann zogen die 60 Teilnehmer, aufgeteilt in Gruppen zum nächsten Lese-Ort.“ Die Karten für das Kulturevent mit Speis und Trank waren damals sofort vergriffen. „Ich bekomme Anfragen, wann es denn nochmal stattfinden kann, da ist natürlich im Moment leider noch nicht daran zu denken“, sagt sie.

Die Sprecherin der Bücherei liest auch privat natürlich gerne, neben langen Spaziergängen oder Sport. „Ich lese tatsächlich zu Hause vor dem Fernseher, dabei kann ich gut abschalten, auch wenn mein Mann gerade eine Sendung schaut“, sagt sie mit einem Lächeln. Ein gutes Buch und die Bücherei Mesum – das gehört bei Martina Börgel einfach dazu.

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