Video: Ruhe. Jetzt! – Zweiter Teil

Wie Regenwolken den Advent verstehen lassen

Adventsserie Ruhe!Jetzt.
"Die Englein backen" - Wolken im Sonnenaufgang über der Kreuzkirche in Münster.Video: Michael Bönte
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Lange nicht mehr wussten wir so klar, dass Regenwolken mit echter Sehnsucht zu tun haben können. Ein beliebtes Adventslied singt davon – und doch nicht nur vom Wetter.

Alles Gute kommt von oben. Sollte man meinen. Natürlich rechnet diese Redensart damit, dass das Gute von Gott stammt und dass Gott eben über uns, konkret: im Himmel wohnt. Daher die Annahme, dass das Gute von oben kommt. 

So steht es – wen wundert's – auch in der Bibel, im Jakobusbrief: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt.“ Wieder einmal ein Beispiel dafür, das Vieles von dem, was wir so gedankenlos im Alltag sagen, einen durchaus heiligen Hintergrund hat.

Von oben kam nichts Gutes

Allerdings bleibt  das Gute  von oben – wie die Erfahrung zeigt – mitunter einfach aus. Und mitunter dauert „mitunter“ auch deutlich länger, als es gut ist und zu ertragen wäre. In diesem Jahr zum Beispiel können die Landwirte und Bauern ganze Litaneien davon singen – und zwar täglich seit dem Frühjahr. Seitdem kam von oben nichts, das ansatzweise das Zeug gehabt hätte, „gut“ genannt zu werden. Stattdessen: trockene Äcker, trockene Felder, beinahe leere Seen und Flüsse. Daran haben die paar Herbstplästereien nichts Wesentliches geändert.

Wenn diese Trockenheit denn irgend­etwas Positives außer mehr Bewusstsein für den Klimawandel und die Verantwortung des Menschen daran bewirkt haben könnte, dann vielleicht dies: Advents-Sehnsucht. Denn dass doch bitte endlich da oben am Himmel dringend die Wende der Not aufziehen möge – und zwar in Form von reichlich Wolkenwasser, das gehört seit altersher zum inbrünstig gesungenen Repertoire des Advents.

"...ihr Wolken, regnet ihn herab..."

Schon ganz früh, als in der Kirche vor allem Mönchs- und auf jeden Fall lateinische Gesänge zu hören waren, hallte die sehnsüchtige Bitte vor Weihnachten durch die Gewölbe: „Rorate caeli desuper, et nubes pluant justum.“ Im heutigen Gotteslob steht dieser Vers des Propheten Jesaja noch immer, auf Latein und in deutscher Übersetzung: „Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Wolken, regnet ihn herab“ (Nr. 234). Und weil dazu auch ein richtiges Lied existiert, allerdings mit regionalen Text- oder Musikvarianten, steht es außerdem in jedem der 27 verschiedenen Eigenteile der Bistümer. Im münsterschen Anhang heißt es unter Nr. 753: „Tauet, Himmel, den Gerechten: Wolken regnet ihn herab.“

Zwar kann es natürlich nicht schaden, Gott oder vertretungsweise Petrus um eine möglichst baldige und  nachhaltige Bewässerung der Äcker zu bitten. Aber ein bisschen hätte das etwas von Regentanz vor dem großen Manitu. Im Advent geht es definitiv um mehr als Meteorologie, so schön  auch weiße Weihnachten sein mögen.

Advent ist Sehnsuchtszeit

Nein, der Advent ist eine große Sehnsuchtszeit. Und das Lied „Tauet, Himmel, den Gerechten“ sagt deutlich, was da ersehnt wird: Gerechtigkeit! Dazu wird jedem bei jeder Nachrichtensendung auch jenseits des Wetterberichts einiges einfallen. Und beim Blick in die ganz persönliche Lebensumgebung wohl auch der eine oder andere Schritt, wie es gerechter zugehen kann. Bei mir und nebenan.