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Advent lädt ein zum Neuanfang

Wie Sehnsucht zum Lebenskompass werden kann

Die Wochen des Wünschens und Schenkens sind auch eine gute Gelegenheit, die wirklich wichtigen Dinge des Lebens in den Blick zu nehmen. Das, was uns eigentlich antreibt. Zum Beispiel unsere Sehnsucht.

Die Wochen des Wünschens und Schenkens geben auch die Gelegenheit, die wirklich wichtigen Dinge des Lebens in den Blick zu nehmen. Zum Beispiel das, was uns eigentlich antreibt: unsere Sehnsucht. Sie kann uns helfen, unser Leben neu auszurichten.

Und Sie? Wunschlos glücklich? Im Job? In der Familie? Gesundheitlich? Alles tipptopp? Oder nur „Läuft!“ Und ist es nur eine dahingesagte Floskel oder höfliche Antwort: das dahergeplapperte „Muss ja“ oder „Alles gut“ auf die Frage nach dem werten Befinden?

Wie sieht es wirklich aus? Hinter den Masken und Fassaden, den leuchtenden Adventssternen im Fenster, dem smarten Facebook-Profil, dem Lächeln auf dem Bewerbungsfoto? Fehlt vielleicht noch etwas? So etwas wie ein größter Wunsch oder ein tiefes Verlangen? Etwas, nach dem Sie sich aus tiefstem Innern sehnen?

Was Amazon und Neflix nicht liefern

Als Kinder haben wir in der Adventszeit Wunschzettel geschrieben. Eine Modelleisenbahn, Kassettenrekorder, Turnschuhe. Wer das als Erwachsener versucht, stößt schnell an diese Frage danach, worum es ihm wirklich geht. Was seine Sehnsucht ist, hinter allen Wünschen.

Sehnsucht ist mehr als der Durst auf ein kühles Bier am Abend. | Foto: Lighthunter (pixelio.de)
Sehnsucht ist mehr als der Durst auf ein kühles Bier am Abend. | Foto: Lighthunter (pixelio.de)

Fragen Sie doch mal in Ihrem Freundeskreis nach: „Gibt es eigentlich etwas, wonach du dich sehnst?“ Die meisten werden ihre Antwort wohl ungefähr so beginnen: „Ich würde so gerne noch mal ...“ „Oh, wenn doch nur ...

So nah und so entfernt

Es klingt paradox. Noch nie zuvor konnten sich Menschen ihre kleinen und großen Wünsche so schnell und einfach erfüllen. Ein paar Klicks, und Amazon bringt das Ersehnte vorbei. Wer wartet heute noch auf den nächsten Teil der Krimiserie? Wo doch bei Neflix alles sofort zu haben ist. Und doch spüren die meisten in sich: Sehnsucht.

Trotz Glück, Erfolg, erfüllter Wünsche – sie  brennt in jedem. Jeder spürt tief in sich ein unbestimmtes Gefühl, für das nur das Deutsche einen eigenen Begriff kennt. Wir sehnen uns zumeist nach dem ganz Anderen, dem Vergangenen, dem Verlorenen. Den Tagen der Jugend zum Beispiel, die nicht wiederzubringen ist, unberührter Natur, einem anderen Leben.

Sehnsucht hängt vom Alter ab

Als Forscher des Max-Planck-Instituts vor einigen Jahren begannen, Sehnsucht in Begriffe zu fassen, gelang ihnen das nur in Annährungen. Aber sie stellten zum Beispiel fest: Sehnsucht ist eine Altersfrage und eine der geistigen Entwicklung. Kleinkindern zum Beispiel ist sie fremd. Erst 15- bis 16-Jährige können konkrete Sehnsüchte benennen.

Außerdem fanden sie heraus: Je älter Menschen werden, desto öfter stellen sie der unvollkommenen Gegenwart voller Sehnsucht eine verklärte Vergangenheit gegenüber. Wunderbar, paradiesisch, aber eben auch unerreichbar und utopisch, unerfüllbar – in diesem Leben jedenfalls.

Ein Thema seit Urzeiten

Am Wesen des Phänomens Sehnsucht haben sich Denker schon vor Urzeiten abgearbeitet. Für den griechischen Philosophen Platon etwa ist sie  gleichbedeutend mit „anderswo“ und zwar für immer. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Mittelalter Sehnsucht als „Krankheit des schmerzlichen Verlangens“ verstanden – und behandelt – hat.

Wenngleich Sehnsucht auch schon damals wichtige Triebfeder gewesen sein muss. Was sonst hat Seeleute in unbekannte Weiten und Welten jenseits des Horizonts gelockt, dass sie das lebensgefährliche Wagnis dem ruhigen Leben vorzogen?

Mehr als ein Bier oder eine heiße Wanne

Sehnsucht ist eben mehr als  Lust und Verlangen nach einem kühlen Bier am Ende eines anstrengenden Tages, nach einem heißen Bad an einem Wintertag in klirrender Kälte. Beides nur Kinkerlitzchen im Vergleich.

Sehnsucht ist mehr als der Wunsch nach einem Bad in einer heißen Wanne an einem Winterabend. | Petra Bork (pixelio.de)
Sehnsucht ist mehr als der Wunsch nach einem Bad in einer heißen Wanne an einem Winterabend. | Foto: Petra Bork (pixelio.de)

Wer sich sehnt, meint im Innersten etwas Tiefes, Grundsätzliches, Großes. Da steht auch hinter dem Wunsch nach der verlorenen Kindheit eigentlich etwas anderes. Glück, Frieden, Vollkommenheit, diese Kategorie. Auch wenn klar ist, dass sie sich im Diesseits niemals vollends erfüllen lässt. Dass Sehnsucht aus diesem Zwiespalt nicht he­rauskommt, macht sie auch gefährlich. Psychologen wissen: Hinter vielen Suchtkrankheiten steckt unerfüllte Sehnsucht.

Ein unüberbrückbarer Zwiespalt

Manchen macht sie melancholisch, de­pressiv, gelähmt. Andere kann sie zermürben. Menschen zum Beispiel, die ihren Sehnsüchten ein Leben lang vergeblich wie einer Fata Morgana nachrennen, als Jäger und Gehetzte zugleich. Als unermüdliche Jäger, die sich zum Beispiel gerade in diesen Wochen in der Pirsch nach Schnäppchen und Gelegenheiten verlieren. Als Gehetzte, ewig geplagt von der Angst, eine Chance verpasst oder eine Möglichkeit nicht wahrgenommen zu haben.

Angetrieben auch von der Überzeugung, alles hänge von ihnen und ihrem Einsatz ab. Die sich abrackern und plagen. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Im Innersten bewegt auch von der Vorstellung eines verdienten Lohns am Ende aller Mühsal, aller Sehnsucht: Irgendwann erreiche ich es, dass in meinem Leben endlich Ruhe einkehrt, vielleicht sogar Glück.

Jeder hat es schon erlebt

Jeder kennt das auch von sich selbst: diese eine Prüfung noch bestehen, jene letzte Rate abzahlen, das Jahr noch durchstehen. Oder – ganz aktuell – alle Geschenke für die Liebsten gekauft, gebastelt und fein verpackt bereit liegen haben.

Auch Geld kann wahre Sehnsucht nicht befriedigen. | Foto: Andreas Hermsdorf (pixelio.de)
Auch Geld kann wahre Sehnsucht nicht befriedigen. | Foto: Andreas Hermsdorf (pixelio.de)

Alles fertig! Dann aber! Ja, was dann? Dann geht das Ganze wieder von vorne los. Neue Ziele, neue Aufgaben. Alles auf Null. Bis zum nächsten Jahr. Motto: Irgendwas ist immer.

Die Werbung nützt Sehnsucht aus

Die kommerzielle Seite der Adventswochen führt es uns Jahr für Jahr plastisch vor Augen. Glück, Liebe, Frieden – eigentlich weiß jeder, dass man sie nicht mit Geld kaufen kann. Und doch spielen  wir mit. Lassen uns verführen von Reklamesprüchen, die schamlos und offensichtlich Geschäfte mit der Sehnsucht machen.Mit Kreuzfahrten zu Sehnsuchtsorten, mit Filterkaffee namens „Harmonie“ oder mit Autowerbung, die nicht einfach nur Fahrzeuge, sondern Freiheit und Abenteuer verspricht.

Dabei ist die Sehnsucht an sich gar nicht das Problem. Nur: Für uns Christen ist Gott der Einzige, der sie wirklich und ganz erfüllen kann. „Es dürstet nach Gott meine Seele, nach dem lebendigen Gott“, heißt es in Psalm 42.

In der Sehnsucht steckt auch eine Chance

Darin steckt auch die Chance der Sehnsucht. Sie kann uns Menschen helfen und motivieren. Zum Beispiel, indem sie uns Mut und Vertrauen schenkt, das Wagnis des Lebens einzugehen. Und indem sie als Kompass und Messlatte dient, an denen wir uns auf- und ausrichten können. Uns ausstrecken, statt ewig gekrümmt im Hamsterrad im Kreis zu rennen.

Der Advent als Zeit des Wartens, der Hoffnung und des Neu­anfangs fordert geradezu  dazu heraus. Weil wir uns entscheiden müssen: Was bedeutet die Ankunft Gottes eigentlich für mich? Wo­rauf lebe ich in diesen Wochen zu? Welche Sehnsucht steckt dahinter? Ist es mehr als das, was uns in Prospekten und Werbespots vermittelt wird? Und wenn ja: Wie gehe ich damit um? Gebe ich der Sehnsucht in meinem Leben eine Chance?

In kleinen Schritten dem großen Ziel nähern

Das geht! Wer in sich zum Beispiel eine Sehnsucht nach Ruhe, intensiver Gottesbeziehung oder bewussterem Leben verspürt, kann sich in kleinen Schritten bewusst auf den Weg machen und sich dem Ziel annähern. Warum nicht jetzt mit so einer Neuausrichtung beginnen? Der Advent lädt ausdrücklich dazu ein!

Etwa, indem er der Illusion von fix erfüllten Wünschen und Begehrlichkeiten bewusst eine Übung im geduldigen Warten und Erwarten entgegensetzt. Zeit, in der Menschen lernen, ihre Sehnsucht zu spüren und auszuhalten. Warten als gezielt erlebte und durchlebte Phase. In der wir unsere Sinne dafür schärfen können, wo sich Erfüllung im Alltag doch schon heute zeigt. Wo das „Schon jetzt“ erlebbar wird.

In seltenen Momenten lässt sich Erfüllung erleben

In besonderen Momenten zum Beispiel, die die Augen öffnen für das wahre Wesen des Glücks hinter dem Glitzern der Fassade. Wo ehrliche Vergebung geschieht zum Beispiel oder echte Nächstenliebe. Kurze Augenblicke des gelungenen Miteinanders, die etwas vom Himmlischen aufscheinen lassen.

Es gehört zu den großen Lebensaufgaben: dass es immer weiter geht, dass Menschen zeitlebens gefordert sind, das wahre Ziel ihrer Sehnsucht zu erkennen. Wer das begriffen hat, der darf durchaus auch mal für einen Moment wunschlos glücklich sein.

Was bedeutet Sehnsucht für Sie?
Fragen Sie sich selbst ganz bewusst: Was treibt mich eigentlich an? Welche Sehnsucht steckt hinter meinen kleinen Wünschen und großen Zielen? Und wo renne ich Illusionen hinterher?

Sprechen Sie mit anderen darüber: Wie ist das eigentlich bei dir? Was treibt dich an? Welche Sehnsucht bewegt dich? So ein Austausch hilft, sich selbst besser zu verstehen, und kann Nähe zueinander wachsen lassen.

Geben Sie Ihrer Sehnsucht eine Chance: Wer weiß, welche Sehnsucht ihn wirklich bewegt und antreibt, der kann sie auch nutzen, um seine Ziele neu zu sortieren und auszurichten. Was führt mich ab vom Weg und welche Richtung tut mir gut?

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