Interview mit Annette Höing, Leiterin Referat Katechese im Generalvikariat in Münster

Wie sich die Vorbereitung auf die Erstkommunion verändert hat

Viele Kinder werden gerade in den Gemeinden im Bistum Münster auf ihre erste heilige Kommunion vorbereitet. Gruppenstunden, Ausflüge und Familientage gehören dazu. Wie hat sich die Katechese auf das große Glaubensfest verändert? Kirche+Leben hat darüber mit Annette Höing, Leiterin Referat Katechese im Bischöflichen Generalvikariat Münster, gesprochen.

Was hat sich in der Erstkommunion-Katechese geändert?

An der Attraktivität der Erstkommunion als kirchliches Angebot für Kinder im Alter von acht, neun Jahren hat sich in den Jahren nichts geändert. Es gibt kein vergleichbares Fest für Kinder in diesem Alter. Hier hat die katholische Kirche ein Alleinstellungsmerkmal. Die Zahlen der Erstkommunionen sinken dennoch von Jahr zu Jahr, weil weniger Kinder geboren und getauft werden.

Geht man ganz grob davon aus, dass Kinder im Alter von neun Jahren zur Erstkommunion gehen und setzt man die Erstkommunionzahlen aus dem Bistum Münster von 2017 (circa 15 400) entsprechend in Beziehung zu den Taufen aus dem Jahr 2008 (circa 16 000), sieht man, dass die Vorbereitung auf die Erstkommunion bei uns im Bistum noch nahezu selbstverständlich ist.

Wie wird mittlerweile mit dem Thema Beichte umgegangen?

Das Sakrament der Versöhnung ist in den allermeisten Pfarreien nicht mehr nachgefragt. Insofern können Kinder, Eltern und Katechetinnen und Katecheten nicht erleben, dass es lebendig ist und für Gläubige eine Relevanz hat. Es gibt viele Pfarreien, die im Rahmen der Erstkommunion-Vorbereitung auf die Beichte verzichten, das Thema Versöhnung aber gleichwohl behandeln Manche Pfarreien bieten eine Beichtvorbereitung nach der Erstkommunion an und haben so ein Angebot für die Kinder oder Jugendlichen, die an einer weiteren Vertiefung im Glauben interessiert sind.

Annette HöingAnnette Höing leitet das Referat Katechese im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: pbm

Welche Konzepte wünschen Sie sich für die Zukunft?

Eine große wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit der Erstkommunion-Katechese hat vor ein paar Jahren bestätigt, dass die Vorbereitung auf die Erstkommunion nachhaltig ist – und das umso stärker, je mehr die Eltern inhaltlich einbezogen werden. Sie hat allerdings auch offengelegt, dass es bei Kindern und Erwachsenen eine große Sprachlosigkeit gibt, wenn die Rede vom „Eigentlichen“ und vom Kern der Erstkommunion ist.

Ich wünsche mir daher Konzepte, die Eltern zu Akteuren machen und sie, Katecheten und Kinder einladen, in einfachen Worten von dem zu sprechen, was sie in der Vorbereitung auf dieses Fest erleben.

Eine Reportage über eine Kirchenrallye beim Familientag der Pfarrei St. Peter in Recklinghausen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Kirche+Leben. Hier bestellen.