Zentralkomitee der Katholiken weist Spaltungs-Vorwurf von Kardinal Woelki zurück

Wie verbindlich wird der Synodale Weg, Herr Sternberg?

Wie soll der Synodale Weg zur Erneuerung der Kirche in Deutschland konkret aussehen? Am 13. und 14. September wollen Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) darüber sprechen. Unterdessen befürchtet der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki eine Spaltung und einen nationalen Sonderweg in Deutschland. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK weist das im Interview mit „Kirche-und-Leben.de“ deutlich zurück.

Herr Sternberg, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnt vor einer Spaltung der katholischen Kirche in Deutschland durch den Synodalen Weg. Wie begründet ist diese Sorge?

Ich verstehe die Äußerungen von Kardinal Woelki nicht. Es ist nie die Rede davon gewesen, einen deutschen Sonderweg als Nationalkirche zu beschreiten. Wir leben selbstverständlich in einer Weltkirche, und niemand strebt etwas anderes an. Aber: Es gibt durchaus Themen, die wir in und für Deutschland ändern können. Davor sollte man sich nicht dadurch drücken, indem man darauf verweist, weltkirchlich sei da nunmal nichts zu machen. Papst Franziskus selbst will mit seinem Brief an die Gläubigen in Deutschland „zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern“.

An welche Themen denken Sie? Was kann in Deutschland entschieden werden?

Ganz einfaches Beispiel: Die Entscheidung darüber, was mit den Kirchensteuereinnahmen geschieht, liegt beim Bischof jedes einzelnen Bistums. Aber das ist weder gottgegeben noch ein Dogma noch weltkirchlich und nicht einmal in Deutschland immer so gewesen – aber es ist eine Frage der Macht. Darüber hinaus: Ich sehe in Deutschland in der Analyse der Situation eine bislang kaum gekannte Einheit auch unter den Bischöfen. Und ich sehe Verunsicherung und Unzufriedenheit bis in den innersten Kern unserer Gemeinden hinein. Viele fragen sich, warum Reformen in der katholischen Kirche so lange dauern. Die Zeiten sind vorbei, als Konservative und Progressive sich gegenüberstanden und aufeinander einprügelten, die Unruhe ist bei den Treuesten. Der Papst spricht in seinem Brief gar von einer „Zeitenwende“. Das haben auch die Bischöfe gemerkt – und das wird auch Kardinal Woelki bemerken, wenn er in seine Diözese hört.

Die Kirchensteuer ist wohl nicht das brisanteste der Themen. Es steckt weitaus mehr Sprengstoff in den vier Hauptthemen des Synodalen Wegs: Macht, Frauen, Priesterbild, Sexualmoral. Das kann doch gar nicht in Deutschland geregelt werden – oder doch?

Natürlich gibt es eine Menge Themen. Nehmen wir die Frage nach Diensten und Ämtern für Frauen in der Kirche. Dabei geht es ja nicht nur um die Priesterweihe, über die auch endlich offen diskutiert werden muss. Aber niemand wird ernsthaft glauben, dass ab nächstem Jahr Frauen zu Priestern geweiht werden. Das wird ein Prozess sein, und von daher muss das auch beim Synodalen Weg thematisiert werden. Aber damit ist ja nicht alles über die Rolle der Frauen in der Kirche gesagt! Warum können ausgebildete Theologinnen nicht an der Stelle in der Messe predigen, wo die Predigt hingehört? Warum können Krankenhausseelsorgerinnen nicht auch die Krankensalbung spenden? Warum können Frauen nicht Mitglieder in den deutschen Domkapiteln werden? Das sind alles Fragen, die nicht weltkirchlich geregelt sein müssen, und hiervon gäbe es noch sehr viele weitere Beispiele.

Nun fordert aber durchaus nicht nur „Maria 2.0“, sondern auch die KFD, der größte katholische Frauenverband in Deutschland, sehr deutlich die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen – und nicht nur das Recht, dass Theologinnen an der richtigen Stelle predigen dürfen.

Das muss auch in der Tat endlich auf den Tisch, keine Frage. Man muss eine solche Forderung stellen – auch wenn man weiß, dass vermutlich nicht mal der Papst sagen könnte: Wir weihen jetzt Frauen zu Priestern. Dafür wäre sicherlich ein Konzil nötig. Aber wer sagt, dass das nicht irgendwann kommt?

Einfach mal drüber diskutieren – viele befürchten, dass mehr beim Synodalen Weg nicht herauskommt. Wie kann die auch von Ihnen geforderte Verbindlichkeit von Beschlüssen aussehen? Bei welchen Themen kann wie verbindlich entschieden werden?

Beschlüsse des Synodalen Wegs werden rein rechtlich keine unmittelbare Wirksamkeit in den Bistümern haben. Es bedarf einer Umsetzung durch die Ortsbischöfe. Und dann wird es unter Umständen dazu kommen, dass 24 Diözesen einen Beschluss umsetzen – und drei nicht. Ich glaube, man lässt sich besser auf einen Flickenteppich ein, als auf die Einstimmigkeit in allen Fragen zu setzen. Aber Beschlüsse müssen sein, einen reinen Gesprächsprozess werden die Gläubigen als den Versuch einer Verschiebetaktik empfinden.

Dann könnte es also sein, dass es – nach Meldungen der letzten Tage – künftig im Bistum Limburg keine Segnung von homosexuellen Paaren gibt, in den Bistümern Hamburg und Osnabrück aber schon?

Das kann passieren, klar.

Wäre das zufriedenstellend?

Das ist eine ganz andere Frage. Wenn die Rechtsstellung der Bischofskonferenz so bleibt, wie sie ist, ist ein solcher Flickenteppich in Fragen, die keine weltkirchliche oder dogmatische Bedeutung haben, möglich.

Was soll am Ende beim Synodalen Weg herauskommen?

Vorab: Es werden keine Koalitionsverhandlungen mit jeweiligen Forderungskatalogen, die im Kampf abgearbeitet werden müssten. Doch die katholische Kirche in Deutschland zieht Lehren aus dem Missbrauchsskandal und stellt sich reformbereit der schweren Krise. Ich halte den Synodalen Weg für wichtig, aber nicht, damit die Institution Kirche wieder zum Glänzen gebracht wird. Es geht vielmehr darum, „den eigenen Hof in Ordnung zu bringen“, damit wir wieder glaubwürdig und freudig vor den Menschen von dem Zeugnis geben können, der und was unser Leben trägt.