Wie die Dombauhütte helfen könnte

Wiederaufbau von Notre Dame: Hilfe auch aus Xanten?

„Mich hat es erschüttert, ein Kunstwerk wie die Notre Dame in Paris lichterloh brennen zu sehen.“ Noch Tage später tut sich Johannes Schubert, Leiter der Dombauhütte in Xanten, schwer, seine Empfindungen in Worte zu fassen. Es habe ihn als Dombauleiter bis ins Mark getroffen, „das Werk der Vorfahren dahinschwinden zu sehen“. Schubert befand sich in Urlaub und verfolgte das Feuer über das Handy und seinen Tablet-Computer.

Noch am Abend des Großbrands war er mit seinen Kollegen vernetzt und diskutierte über Ursachen und mögliche Hilfen der Dombauhütten aus Deutschland und dem benachbarten Ausland. So wie Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, es vor laufenden Kameras angeboten hatte.

Gründliche Untersuchung abwarten

Schubert rät, das Fachwissen auf internationaler Ebene zusammenzubringen. Es gebe gute Fachleute und Ingenieure an den Dombauhütten in Xanten, Aachen, Köln und Soest – doch auch die französischen Hütten besäßen hervorragende Spezialisten.

Helmut Maintz sieht das ähnlich. Der Aachener Dombaumeister ist Mitglied im Vorstand der Europäischen Vereinigung der Dombau- und Hüttenmeister. Der 60-jährige Bauingenieur empfiehlt, zunächst eine gründliche Untersuchung abzuwarten.

Steine mit Hilfe von Schablonen?

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner wird Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am 30. April nach Paris begleiten, um sich selbst ein Bild der Schäden zu machen. „Sicherung ist jetzt die erste und wichtigste Pflicht für die Kollegen in Frankreich“, sagt Maintz. Er lässt keinen Zweifel, dass die französischen Dombaumeister gut aufgestellt seien.

Wie ausländische Dombauhütten helfen könnten, müsse gut überlegt sein. Maintz formuliert zentrale Fragen: Braucht es Personal? Welche Steine werden benötigt? Kann man diese mit Hilfe einer Schablone in den einzelnen Hütten herstellen, sodass sie später in Paris verwendet werden können? Mögliche Hilfen würden sicher im Oktober auch auf der internationalen Tagung der Dombaumeister in Basel beraten, erwartet Maintz.

Brandschutz am Xantener Dom

Und am Xantener Dom – wie sieht dort der Brandschutz aus? „Wir haben zahlreiche Lehrgänge mitgemacht“, sagt Dombaumeister Schubert. Mit der Feuerwehr würden regelmäßig Brandschutzübungen abgehalten. Auch das Personal im Dom sei in die Lehrgänge einbezogen.

Es habe keine großen technischen Veränderungen gegeben, sagt er. Der Aufwand sei auch nicht unumstritten. Kritisch sieht er den Einsatz von Brandmeldesensoren gepaart mit Sprinkleranlagen. Oft gebe es Fehlalarme, und wenn die Sprinkleranlage Wasser auf den historischen Baukörper sprühe, entstünde mitunter ein großer Schaden.

Neuartige Sensoren

Hoffnungen setzt Schubert in neuartige Sensoren, die ständig miteinander kommunizieren und Änderungen wie beispielsweise Rauch, Temperatur und Feuer anzeigen könnten. Erst vor vier Wochen hatte der Dombaumeister in Xanten ein Symposium über die Möglichkeiten dieser Sensoren abgehalten.