Kommentar von Kirche+Leben-Chefredakteur Christof Haverkamp

Wieviel Zeit bleibt diesem Papst noch?

Papst Franziskus wird am Samstag 80 Jahre alt. Seit drei Jahren und neun Monaten ist er im Amt. Was hat er erreicht, was nicht? Was hat er verändert? Und wie könnte es weitergehen? Eine Zwischenbilanz.

Im Vatikan werden Namenstage intensiver gefeiert als Geburtstage. Dennoch ist der Achtzigste des Papstes selbstverständlich ein Ereignis. Für sein Alter ist er ungewöhnlich fit, trotz eines enormen Arbeitspensums. Freundlich lachend grüßt Franziskus bei den Generalaudienzen vor dem Petersdom die Besucher, beharrlich treibt er die Reform der verkrusteten Kurie voran, und innerhalb der Stadt Rom ist er ebenso unterwegs wie weltweit. Kaum ein Politiker, kaum ein Unternehmer, kaum ein Wissenschaftler ist mit 80 Jahren noch so aktiv wie der Argentinier Jorge Mario Bergoglio.

Doch die entscheidende Frage, die sich viele schon 2013 gestellt haben, ist nach wie vor aktuell: Wie viel Zeit bleibt Franziskus noch, um die dringend nötige Erneuerung seiner Kirche voranzubringen?

Einfaches Auto – schlichte Schuhe

Es ist ein Papst, der Bettler zum Frühstück einlädt und sich um Gefangene kümmert, der mit einem einfachen Auto fährt und schlichte Schuhe trägt. Seine Zeichen der Demut wirken glaubwürdig – glaubwürdiger, als dies einer PR-Abteilung mit dem Ziel der Imagepflege gelingen könnte.

Das Amt des katholischen Kirchenoberhaupts scheint Franziskus Freude zu bereiten und nicht eine große Last zu sein. Er hat es innerhalb von dreieinhalb Jahren verändert, durch seinen Auftritt, seine Sprache, seine Gesten. Und Jorge Mario Bergoglio hat sich zugleich selbst verändert – vom autoritären, streitbaren Jesuitenprovinzial zum barmherzigen, fröhlichen Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft der Erde.

Nicht unumstritten

Unumstritten agiert er nicht. Immer offener zeigt sich der Widerstand konservativer Kardinäle. Das ist beschämend, gerade wenn er von jenen kommt, die früher stets die besondere Treue zum Papst eingefordert haben.

Die katholische Lehre hat Franziskus jedenfalls keineswegs umgestoßen, auch wenn dies manche erwartet oder sogar erhofft hatten und es ihm mitunter sogar unterstellen. Was der Papst vorgenommen hat, ist jedoch ein Perspektivwechsel: Barmherzigkeit hält er für wichtiger als die Einhaltung moralischer Prinzipien, den menschlichen und bescheidenen Umgang für entscheidender als die Würde des Amtes. Auch deshalb sind ihm noch viele Jahre zu wünschen.