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Ein evangelischer Dekan und studierter Architekt betreibt die Seite ehrenamtlich. Warum er Kirchen so wichtig findet, wer ihm hilft, was noch fehlt.
Es ist die wohl größte Datensammlung christlicher Sakralbauten im deutschsprachigen Raum: Auf www.kirchbau.de sind derzeir rund 26.000 Kirchen verzeichnet - viele mit Bildern, rund 1.000 sogar mit einem Grundriss als Zeichnung. Initiator und Motor des Projekts ist Gunther Seibold, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen nahe Stuttgart.
Vor fast einem Vierteljahrhundert programmierte Seibold die Seite - ohne zu ahnen, welche Dimensionen sie erreichen würde. Der heute 59-Jährige hatte vor seiner Ausbildung zum Pfarrer ein Architekturstudium abgeschlossen. Nach dem Vikariat stellte er sich die Frage, wie sich seine Leidenschaft für Baukunst und sein Glaube verbinden ließen. Die Antwort: Kirchenbauten.
Ähnlich wie bei Wikipedia
Das Alter der Internetseite sieht man ihr an. Kein Schnickschnack, keine Videos. Stattdessen sachliche Informationen, die sich nach Postleitzahl, Ort oder Architekt filtern lassen. Vor vier Jahren dann doch ein Technologiesprung: Seibold stellte auf responsives Design um, damit die Datenbank auch auf dem Smartphone gut lesbar ist.
Inhalte liefert eine Gemeinschaft von Freiwilligen, ähnlich wie bei Wikipedia. Zwar hat Seibold nach eigener Schätzung selbst tausende Kirchen besucht, doch für die Fülle seiner Datenbank reicht das nicht. Bis heute legen Ehrenamtliche neue Einträge an und laden Bilder hoch.
"Kein wissenschaftliches Werk"
Diese Offenheit ist zugleich die Achillesferse des Projekts. Zwar prüft Seibold neue Einträge, doch nicht immer kann er deren Richtigkeit bestätigen. "Das ist kein wissenschaftliches Werk, hier gibt es keine Quellenbelege", räumt er ein. Falschinformationen habe er jedoch nur in wenigen Ausnahmefällen gefunden und diese, wenn möglich, korrigiert.
Die Kirchbau-Datenbank ist für den Theologen ein Freizeitprojekt. Sie kostet ihn nur die Gebühren für den Provider der Seite, nicht mehr.
Datenbank weiter unvollständig
Doch ein Ein-Mann-Ehrenamtsbetrieb arbeitet oft langsam: Seibold leitet ein Dekanat mit 14 Gemeinden und rund 37.000 evangelischen Christen und bekleidet weitere Kirchenämter.
Trotz ihrer Größe bleibt die Datenbank unvollständig. In Deutschland gibt es schätzungsweise mehr als 44.000 Kirchen, Dome, Kapellen und andere Sakralbauten der großen Konfessionen, dazu eine Fülle freikirchlicher Gotteshäuser.
Kuriose Kirchen
Registriert sind auf der Internetseite bislang knapp 23.000. Weitere Einträge stammen von ausländischen Kirchen. Umso mehr freut sich Seibold über Helfer wie den Berliner Pensionär Gunnar Staack, der vor Jahren nahezu alle Kirchengebäude der Hauptstadt besuchte und dokumentierte.
Auch Kurioses findet sich auf der Internetseite: eine aufblasbare Kirche als Werbegag, in Lappland wurde ein Gotteshaus komplett aus Eis errichtet. Den schiefsten Kirchturm der Welt hat die evangelische Dorfkirche von Suurhusen im Kreis Aurich. Im fränkischen Kreis Weißenburg-Gunzenhausen diente sogar ein Schäferwagen als Kirche.
Warum Gunther Seibold Kirchen so wichtig findet
Trotz Säkularisierung haben Kirchen nach Seibolds Ansicht bis heute eine "enorme Funktion, das Christentum in der Gesellschaft zu repräsentieren". Fast jeder Tourist schaue sich vor Ort die Kirche an - unabhängig vom eigenen Glauben. Architektur und Gestaltung sprächen Menschen unmittelbar an. Sein Fazit: "Kirchen sind heute die meistgehörte Predigt."