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Der heute 91-Jährige war einer der ersten Ständigen Diakone

Wilhelm Brockmann hat seine Söhne getraut und die Enkel getauft

Er hat geheiratet, ist Vater geworden und empfing die Weihe: Wilhelm Brockmann war einer der ersten Weihekandidaten, als vor 50 Jahren der Ständige Diakonat eingeführt wurde. Das prägt ihn auch als 91-Jähriger tief.

Wilhelm Brockmann erinnert sich gern. Ihm fallen viele Geschichten ein, wenn er an früher denkt. In diesem Jahr blickt er besonders gern zurück. Denn am 27. Juni jährt sich seine Weihe zum ständigen Diakon durch Bischof Heinrich Tenhumberg zum 50. Mal. „Wir waren die ersten fünf verheirateten Männer im Bistum Münster, die geweiht wurden“, berichtet der 91-Jährige.

Die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten es möglich gemacht. „In Köln wurden die ersten ständigen Diakone 1968 geweiht. Da bin ich natürlich hingefahren.“ Denn auch in Münster gab es 1967 unter Bischof Joseph Höffner zu diesem Thema bereits erste Gespräche. In Freiburg trafen sich ebenso Männer und bereiteten sich auf dieses Amt vor.

Der Bischof bestellte ihn zu sich

Brockmann wollte sich ebenfalls ehrenamtlich als Diakon neben seiner Berufstätigkeit in den Dienst der Kirche stellen. Gern wäre er als junger Mann Priester geworden, doch die Kriegswirren und die unsichere Nachkriegszeit hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. So absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann, heiratete, wurde Vater von zwei Söhnen. Sein Abitur holte er über einen Fernkurs nach und studierte in Aachen neben seiner Arbeit noch Theologie und Philosophie.

Bei einem Gesprächsabend mit einem Vertreter aus Freiburg diskutierte er im Beisein von Bischof Tenhumberg über die Frage des Diakonats. „Nicht alle konnten sich mit dem Gedanken anfreunden“, hat er an diesem Abend erfahren. Doch nur zwei Wochen später bestellte der Bischof ihn zu sich. „Ich hatte keine Ahnung, was passieren würde. Er hat meine Unterlagen durchgeschaut und mich anschließend gebeten, mich hinzuknien. Dann hat er mich gesegnet und gesagt: ‚Wir sehen uns am 27. Juni zur Weihe wieder‘“, weiß Brockmann noch wie heute.

Diakon im Paulusdom von Münster

Nach der Weihe war Brockmann, der zu dem Zeitpunkt in Münster wohnte, zunächst von 1970 bis 1972 in der Pfarrei St. Marien in Sprakel tätig. Als er seine Stelle bei einer Bank in Münster verließ und in die Verwaltung des Stiftes Tilbeck wechselte, zog er mit seiner Familie anfangs nach Schapdetten und war von 1972 bis 1974 in der Pfarrei St. Bonifatius in Schapdetten aktiv. Mit dem Wohnortwechsel nach Nottuln war er von Oktober 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 in der dortigen Pfarrei St. Martinus eingesetzt.

In der ganzen Zeit ist er als Diakon aber auch dem St.-Paulus-Dom treu geblieben. Er feierte dort gern die Eucharistie mit und begleitete Prozessionen. „Die feierlichen Gottesdienste im Dom haben mich immer angesprochen. Das hat mir viel Freude bereitet“, berichtet er mit einem Strahlen in den Augen.

Er selber wurde von einem Seligen getauft

In Schapdetten und Nottuln hat er viele Kinder getauft, Paare getraut, Beerdigungen geleitet und gepredigt. „Ich habe auch meine beiden Söhne selbst getraut und die Enkelkinder getauft“, berichtet er und fügt hinzu: „Während meiner aktiven Zeit, die ich 2004 mit 75 Jahren beendet habe, habe ich bestimmt 150 Kindern das Sakrament der Taufe gespendet und ebenso viele Beerdigungen geleitet. Ich habe alle Dienste getan, die ich tun konnte.“

Dabei fällt ihm eine Geschichte zu seiner eigenen Taufe ein. „Wir wohnten mit der Familie auf der Kirchherrengasse in Münster in der Nähe des Pfarrhauses von St. Lamberti. Ich bin von Clemens August Graf von Galen getauft worden, als er Pfarrer in St. Lamberti war.“ Das sei 1929 gewesen, kurz nachdem der spätere Kardinal aus Berlin nach Münster gewechselt hatte.

Warum er jeden Tag auf Latein betet

Als Höhepunkte in seiner Zeit als Diakon zählt Brockmann unter anderem eine Eucharistiefeier im Petersdom am Grab des heiligen Petrus  und einen großen Gottesdienst 1980 in Fatima mit dem Ortsbischof Alberto Cosme do Amaral auf. „Auch auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land mit den Orten des Lebens und Wirkens Jesu, insbesondere der Besuch der Grabeskirche in Jerusalem, der Ort des Todes und der Auferstehung Jesu, hat mich tief ergriffen. Dafür bin ich heute noch dankbar.“

Auch wenn Brockmann schon lange emeritiert ist, betet er jeden Tag die Laudes und die Vesper in seiner Wohnung. Das ist ihm besonders wichtig. „Auf Latein“, sagt der 91-Jährige. Er liebt diese Sprache und sie immer weiter zu pflegen, ist sein Hobby. „Latein ist eine lebendige Sprache, wenn man überlegt, für wie viele Sprachen sie die Grundlage ist“, ist er überzeugt. Glücklich ist er, dass er sich noch selbst versorgen kann.

Sein Sohn bringt ihm die Kommunion

Seine anderen Kollegen aus dem Weihekurs von 1970 sind bereits verstorben. „Ein paar gesundheitliche Einschränkungen habe ich. Deshalb verfolge ich den Gottesdienst sonntags inzwischen am Fernsehen. Und mein Sohn Michael bringt mir dann die Kommunion“, berichtet er.

Besonders freut er sich nun auf Sonntag, 27. Juni. An dem Tag ist geplant, dass er sein 50jähriges Weihejubiläum an dem Ort feiert, an dem er immer besonders gern seinen Dienst als ständiger Diakon getan hat: im hohen Dom zu Münster.

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