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Kommentar von Martin Schmitz zu authentischen Glaubensvorbildern

Wir brauchen einen gewissen Personenkult

In der katholischen Kirche braucht es einen gewissen Personenkult, meint "Kirche+Leben"-Redakteur Martin Schmitz. Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn was passiert mit mir, wenn mein Glaubensvorbild zu wackeln beginnt?

In der katholischen Kirche braucht es einen gewissen Personenkult, meint "Kirche+Leben"-Redakteur Martin Schmitz. Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn was passiert mit mir, wenn mein Glaubensvorbild zu wackeln beginnt?

Heute vor genau 15 Jahren ging der Weltjugendtag in Köln zu Ende. Mit 1,1 Millionen Besuchern feierte Papst Benedikt XVI. die Abschlussmesse auf dem Marienfeld. Sie gilt als die bis dahin größte je zelebrierte Messe in Deutschland. Das Motto: „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“. Und das passte.

Mit 18 Jahren war ich in Köln zum ersten Mal auf einem Weltjugendtag. Die Bilder, die mir im Kopf geblieben sind, wurden von Fernsehkameras eingefangen: Benedikt fährt auf einem Schiff den Rhein entlang, die Arme weit ausgestreckt, das Ufer gesäumt von tausenden begeisterten Jugendlichen. Begleitet von „Benedetto“-Rufen und rhythmischem Klatschen wird der neue Papst bei seinem ersten Besuch des Heimatlandes empfangen – kein Popstar hätte das besser inszenieren können.

Seltsam: Katholische Kirche bekommt positive Öffentlichkeit

Da ließen die Kritiker natürlich nicht lange auf sich warten: Oberflächlicher Personenkult wird den Jugendlichen und dem Papst vorgeworfen, der diesen Benedetto-Hype in den Augen der kritischen Betrachter offenbar zu sehr genoss. Vielleicht war das so.

Es waren in meinen Augen seltsame Szenen da am Rhein. Die katholische Kirche bekam durch den deutschen Papst auf Deutschlandbesuch eine positive Öffentlichkeit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Allerdings, so die Kritik, wurde dabei zu selten auf Inhalte geschaut. Vielleicht war auch das so.

Was, wenn mein Glaubensvorbild zu wackeln beginnt?

Dabei brauchen wir einen gewissen Personenkult in der Kirche. Wir brauchen Charakterköpfe. Wir brauchen Vorbilder im Glauben, die uns ganz persönlich ansprechen. Mit denen wir uns identifizieren können. Das müssen keine Heiligen sein. Vielmehr Menschen wie du und ich, mit Ecken und Kanten. Dabei authentische Christen, die es aushalten, im Mittelpunkt zu stehen, aber gleichzeitig durch ihr Leben und Wirken auf Christus verweisen. Sicher keine einfache Aufgabe.

Auch nicht für die, die Vorbilder brauchen. Denn was mache ich, wenn mein Glaubensvorbild zu wackeln beginnt? Wenn zum Beispiel mein „geistlicher Vater“ andere Gläubige manipuliert haben soll? Oder etwa die Missbrauchsaufarbeitung der (Erz-)Bistümer meinem religiösen Popstar Vertuschung nachweist? Dann kann ich froh sein, wenn ich mich nicht in einem Personenkult verrannt, sondern Halt in Jesus Christus gefunden habe.

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