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Neues Buch über den Mann, der Münster belagerte – dabei brannte 1121 der Dom nieder

Wo kann Gottfried von Cappenberg heute noch Vorbild sein, Abt Albert?

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Gottfried von Cappenberg gründete vor 900 Jahren das erste Prämonstratenser-Kloster in Deutschland. Prämonstratenser-Abt Albert Dölken sagt, was der Heilige für ihn und die heutige Zeit bedeutet.

Sie sind Abt der Abtei Hamborn und Herausgeber des neuen Buchs „Gottfried von Cappenberg“ (siehe Kasten). Welche Bedeutung hat der Heilige für Sie persönlich?

Mit dem heiligen Gottfried verbinde ich meine Liebe zu Cappenberg und auch Ilbenstadt. Beide Klöster hat er gegründet. Zu den heutigen Pfarrgemeinden an beiden Orten haben sich freundschaftliche Kontakte entwickelt, vor allem mit den Cappenbergern, bei denen ich vier Jahre als Pfarrer leben durfte. Ohne Gottfried hätte es in Deutschland nicht so schnell so viele Prämonstratenser-Klöster gegeben. Und Gottfried war ein Mann, der eine neue Zukunft vor sich sah, die sich vielen seiner Zeitgenossen längst nicht erschloss. Er vermochte Burgen und Militäranlagen in Orte des Friedens, des Miteinanders, des Gebetes und der Verehrung Gottes zu verwandeln, inspiriert vom Evangelium Jesu Christi.

Ist Gottfried in Ihren Augen ein Saulus, der zum Paulus wurde? 1121 zog er mit papsttreuen Fürsten in Münster ein – ein Feldzug gegen den örtlichen Adel, bei dem sogar der Dom in Flammen aufging.

Vom Saulus zum Paulus – das setzt eine rasche, spontane Verwandlung voraus. Ich glaube eher, dass es sich um einen lebenslangen Prozess gehandelt hat. Sicherlich wollte er zeitlebens für das Gute kämpfen, nur hat er es am Ende nicht mehr mit Waffen getan, was das neue Buch sehr schön nachzeichnet. Begegnungen mit anderen nachdenklichen Menschen werden bedeutend gewesen sein – wie bei uns.

Nach diesem Feldzug lernte Gottfried auf einer Pilgerreise Norbert von Xanten kennen. Welche Rolle spielen beide Heiligen für Ihren Orden?

Buch-Tipp
Buchcover
Prämonstratenser-Abtei Hamborn (Hg.) / Markus Trautmann / Bärbel Stangenberg: "Gottfried von Cappenberg", Broschüre mit Klammerheftung, 44 Seiten, Dialogverlag Münster 2022, ISBN 978-3-944974-65-1, Preis 2,50 Euro.

Bezug ausschließlich über: Abtei Hamborn, An der Abtei 4, 47166 Duisburg

Beide wollen eine geeinte, befriedete und neue Welt. Beide lassen sich vom Evangelium Jesu inspirieren. Beide denken über Grenzen und Widerstände hinweg, vermögen das Neue, die neue Welt Gottes im Blick zu haben. Mutig gründen sie neue Gemeinschaften, lassen sich von negativen Entwicklungen und skandalösen Verhältnissen in Kirche und Gesellschaft ihrer Zeit nicht aufhalten. Sie sind herausragende Vorbilder für unseren Orden, für jeden von uns, für jeden Christen.

Welche Bedeutung hat der Prämonstratenser-Orden für das Bistum Münster?

Ich sehe keine Gefahr mehr, dass wir den Dom anzünden könnten. Wir sind dankbar und froh, an einzelnen Stellen mitarbeiten zu dürfen, in Cappenberg und Xanten-Marienbaum, in der theologischen Lehre und bei Firmaushilfen. Es ist einfach ein sehr gutes Miteinander in allen Bereichen und Sparten. Die Verehrung des heiligen Norbert in Xanten und Vreden und des heiligen Gottfried unter anderem in Cappenberg, Lü­nen und Münster spielt natürlich zumindest lokal eine große Rolle. Das neue Buch wird sicherlich noch deutlich dazu beitragen. In derselben Reihe gibt es ja auch schon vom selben Autor Markus Trautmann ein Buch über Norbert.

Ist Gottfrieds Lebenswandel – von Macht und Besitz hin zum Klosterleben – Ihrer Meinung nach noch zeitgemäß? Wie beurteilen Sie die Zukunftschancen des Klosterlebens?

Es geht nicht einfach nur um eine Lebensweise oder Lebenswandel. Es geht um unsere Zukunft, unsere persönliche und unsere gemeinsame. Wer nach vorne blickt und das Evangelium Jesu zu Rate zieht, der weiß sofort, wieviel Handlungsbedarf besteht. Es geht auch nicht einfach nur um ein Leben im Kloster. Es geht vielmehr um gemeinsames Leben und Arbeiten, in Gütergemeinschaft und mit gemeinsamen Zielen. Es geht darum, dass Gott und die Menschen an jedem Tag den Platz in diesem Leben erhalten, der ihnen nach Jesu Vorbild zukommen sollte. Fragen wir also besser, welche Zukunftschancen uns aus diesem Lebensmodell heraus für uns und für alle anderen erwachsen, für die Christenheit und alle Menschen. Dann kommen wir schnell darauf, dass das Klosterleben große Aufgaben hat und für das 21. Jahrhundert eine große Chance ist.

Wodurch kann Gottfried für unsere heutige Gesellschaft Vorbild sein?

In der Freiheit des Denkens, in seinem Mut, sich nicht auf das Vertraute, Herkömmliche, Traditionelle reduzieren zu lassen. Er vermochte eine neue Welt zu sehen und sein ganzes Leben darauf auszurichten. Er hat begriffen, was das Evangelium Jesu mit uns noch alles vorhat und in welche Weite es uns führen will. Sein Leben war kein Rückzug ins Kloster und in die Beschaulichkeit. Er gründete Gemeinschaften, die diese Welt verändern und verbessern wollen. Und er wollte diese frohe Botschaft von der neuen Welt Gottes zu allen Menschen bringen.

Gottfried von Cappenberg wurde 1097 geboren und wuchs auf dem väterlichen Schloss in Cappenberg auf. In jungen Jahren lebte er als Graf gemeinsam mit seiner Frau, Jutta von Arnsberg, auf dem Familienschloss nahe Selm. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Otto beteiligte sich Gottfried an der Belagerung Münsters durch Herzog Heinrich von Sachsen 1121. Müns­ter wurde dabei erheblich zerstört. Die Cappenberger galten als Hauptschuldige daran, dass die Domkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde und niederbrannte.

Im Angesicht von Krieg und Zerstörung traf Gottfried auf Norbert von Xanten, der kurz zuvor den Prämonstratenser-Orden gegründet hatte. Gottfried ließ sich von den Grundsätzen des Ordensmannes überzeugen und beschloss, das Familienschloss und den Rest seines Besitzes an Norbert abzugeben, um daraus das erste Prämonstratenserkloster Deutschlands entstehen zu lassen.

In der Folge war Gottfried an weiteren Klostergründungen beteiligt, ohne jedoch selbst dem Orden anzugehören. Seine Gelübde legte er erst 1125 im Urkloster Prémontré ab. In der Nähe des Klosters Cappenberg gründete er ein Chorfrauenstift, weitere Abteien in Verlar und Ilbenstadt. Gottfried starb am 13. Januar 1127 in seiner Klostergründung Ilbenstadt. Dort werden bis heute Reliquien des Heiligen aufbewahrt. Weitere Reliquien des Heiligen finden sich in Cappenberg.

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