„Wenn wir nicht handeln, verstärken sich Trends – ohne uns“

Woelki: Personelle Krise der Kirche – Gegen ein „Weiter so“

Kardinal Rainer Maria Woelki sieht das Erzbistum Köln in einer personellen Krise. In einem Schreiben an alle pastoralen Mitarbeiter wirbt er um Verständnis dafür, dass er an mehreren Orten Priester gebeten hat, bis zu vier Seelsorgebereiche zu leiten. Das sei ein „Ausdruck der Krise, in der wir uns befinden“.

Der Erzbischof wies Spekulationen zurück, mit den Entscheidungen seien Pläne für eine neue Struktur verbunden. Im Juli hatte das Erzbistum nach Abschluss eines Pilotprojekts angekündigt, zur Entlastung der Pfarrer in allen 180 Seelsorgebereichen Verwaltungskräfte einzusetzen.

Man könne „die Art und Weise unseres bisherigen Kirche-Seins nicht festhalten“, schreibt der Kardinal. Diese „Dynamik“ bewege ihn seit Beginn seiner Kölner Amtszeit vor zwei Jahren. Es gehe um einen „pastoralen Zukunftsweg“ hin zu einem „Anders-Kirche-Sein“, der Zeit brauche.

Kardinal: Rolle der Seelsorger verändert sich

Engagierte Gemeindemitglieder könnten nicht als Ersatz für fehlendes hauptberufliches Personal gesehen werden, doch sollte neu über die „Taufberufung aller Christen“ nachgedacht werden. Woelki wirbt dafür, die aktuelle Situation als „Chance für Umkehr und Neuaufbruch“ zu begreifen.

Die Kirche in Deutschland stehe vor einer „Generationenaufgabe“, so der Kardinal. Dabei veränderten sich die Rollen von Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten. Das sei verständlicherweise mit „Unsicherheit und Ängsten verbunden – auch für mich als Bischof“. Woelki betont aber: „Wenn wir nicht aktiv handeln, werden sich die großen Trends der Veränderung ohne uns fortsetzen und verstärken – auch in der Kirche.“