Boot aus Malta nun in Dauerausstellung

Woelki übergibt Flüchtlingsboot dem Haus der Geschichte

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Flüchtlingsboot-Aktion des Erzbistums beendet und das Gefährt dem Haus der Geschichte in Bonn übergeben. Das sieben Meter lange Boot werde dort im Zentrum der aktualisierten Dauerausstellung stehen, teilte der Kardinal in Bonn mit. Als Ausstellungsobjekt versinnbildliche es eines der Dramen unserer Zeit.

Er habe vorher nicht gedacht, dass das Boot eine solche Wirkungsgeschichte entfalten könne, sagte Woelki. Er hatte das Boot, das von der maltesischen Armee bei einem Rettungseinsatz beschlagnahmt worden war, im Mai 2016 von Malta nach Köln bringen lassen. Bei der Fronleichnamsmesse in Köln diente es als Altar. Ein Bild, dass um die Welt ging, so der Kardinal. Anschließend reiste das Gefährt ein Jahr lang durch verschiedene Gemeinden des Erzbistums und warb für Solidarität mit Flüchtlingen.

Woelki: Zehntausende werden sterben, wenn wir nichts tun

„Christus sitzt mit im Flüchtlingsboot“, betonte Woelki. Gott identifiziere sich zudem mit jedem Menschen. Er sei mitten unter den Bootsflüchtigen. „Zehntausende weitere werden sterben, wenn wir nicht jetzt etwas tun“, mahnte der Kardinal. Er kritisierte fehlende gesellschaftliche Empörung angesichts der Menschen, die weiterhin auf der Flucht ertrinken. Es herrsche eine „Normalität des Grauens“. Kritik für sein Engagement habe er zur Kenntnis genommen, sagte Woelki. Er werde sich davon nicht aufhalten lassen. Das sei für ihn eine Frage der Überzeugung und der Glaubwürdigkeit der Kirche.

Deutschland und Europa wolle sich abschotten und die Situation „totschweigen“. Es werde signalisiert, „wir haben alles fest im Griff“, so Woelki. Dabei sei zu befürchten, dass die aktuelle Flüchtlingssituation nur „die Spitze des Eisbergs“ darstelle.

Kardinal fordert Einwanderungsgesetz

Woelki appellierte an die Bundesregierung, legale Wege der Einreise zu schaffen, damit Asylsuchende nicht weiter auf die lebensgefährliche Flucht angewiesen seien. Darüber hinaus sei ein Einwanderungsgesetz notwendig, das Menschen auf der Suche nach Arbeit und Zukunft Chancen eröffne.

Der Direktor des Hauses der Geschichte, Hans-Walter Hütter, nahm das Boot in Empfang. Es wird demnach ab 11. Dezember in der neu gestalteten Dauerausstellung zu sehen sein, die verstärkt internationale Themen berücksichtigt. Im Kontext Flucht und Migration stelle das Boot einen Bezug von der Vergangenheit zur Gegenwart bis in die Zukunft her, sagte Hütter.