Sänger und Schriftsteller musiziert und spricht über Europa

Wolf Biermann kommt zu „Domgedanken“ nach Münster

„Warum ich Europäer bin“ – darauf gibt der Sänger und Schriftsteller Wolf Biermann am Mittwoch, 11. September, um 18.30 Uhr im münsterischen St.-Paulus-Dom eine Antwort – auch musikalisch. Biermann beschließt die Vortragsreihe „Domgedanken“, die in diesem Jahr unter dem Thema Europa standen.

1936 in Hamburg geboren, siedelte Biermann 1953 in die DDR über. 1960 veröffentlichte er erste Lieder und Gedichte, gründete in Ost-Berlin das Berliner Arbeiter-Theater und gab 1965 den Lyrikband „Die Drahtharfe“ heraus. 1976 wurde ihm nach einer Konzerttour in die Bundesrepublik die Wiedereinreise in die DDR verweigert, und er wurde ausgebürgert.

„Der singende DDR-Drachentöter“

„Danach wurde ich, der singende DDR-Drachentöter mit dem klingenden Holzschwert, endlich auch ein echter Europäer“, sagt Biermann heute. Was ihn in Sachen Europa beschäftigt: „Ausgerechnet drei Länder, die sich im totalitären Ostblock besonders rebellisch und tapfer verhielten – Ungarn, Tschechien und Polen – gehören jetzt zu den nationalistischen Widersachern der Demokratie im Vereinten Europa. Dabei sind es die drei, die ökonomisch von der EU wohl am allermeisten profitieren.“

Auch auf die neusten Entwicklungen geht der Sänger in seinen Chansons ein: „Das Brexit-Chaos zeigt den Ländern der EU, auch den Italienern hoffentlich, wie gefährlich es ist, wenn man die Nerven verliert und von diesem schwer zu reitenden EU-Tiger abspringt.“ Ihm graue es vor einer „gelenkten Demokratie à la Putin“ oder einer „illiberalen Demokratie à la Viktor Orbán“. Dabei spielt auch seine eigene Geschichte eine Rolle: „Gebrannte Kinder wie ich finden eine unvollkommene Demokratie besser als jede Diktatur.“

Biermann live auf „Kirche-und-Leben.de“

Der Eintritt zu den „DomGedanken“ ist frei. Um Spenden für die „Europabrücke.Münster.“, die zugewanderte EU-Bürger in Problemlagen unterstützt, wird gebeten. Im Anschluss an die Vorträge sind die Besucher zum Austausch mit den Referenten auf dem Domplatz eingeladen. „Kirche-und-Leben.de“ überträgt live.