Frontmann der Rockband „BAP“ über Gott, das Beten und seine Biografie

Wolfgang Niedecken: Mit dem Herrgott einen trinken gehen

Wolfgang Niedecken (68), Gründer und Frontmann der Rockband „BAP“, würde „mit dem Herrgott gern mal einen trinken“ gehen. „Ich halte ihn für sehr sympathisch“, sagte er dem Magazin „Chrismon“. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass er sagt: Bleib in der Spur, zweifle nicht zu viel“, sagte Niedecken, der ab 27. Juni wieder mit BAP auf Tour ist.

Mit seinem Beruf, seiner Familie und seinen vier Kindern habe er „unglaublich viel Glück“ im Leben. „Und dass bei meinem Schlaganfall alles gut gegangen ist“, so Niedecken über die Erkrankung 2011, „da hat schon einer die Hand über mich gehalten“.

Wie Niedecken betet

Er hab eine Art „agnostisches Beten“ für sich entwickelt, „dann rede ich mit Gott wie unter Kumpels, wie der Priester in den alten Don-Camillo-Filmen“, so der Künstler: „Es gibt auch Zeiten, wo ich denke: Du hast dich zu lange nicht mehr mit ihm unterhalten. Dann kriege ich ein schlechtes Gewissen.“

Niedecken besuchte von 1962 bis 1970 ein katholisches Internat. „Rachegefühle“ habe er nicht, obwohl er als Kind von einem Priester missbraucht worden sei. Sein Vater habe zufällig die Striemen auf seinem Körper gesehen. „Am nächsten Tag fuhr er zum Internat und der Kerl wurde versetzt“, berichtete Niedecken.

Kritik am Umgang der Kirche mit Missbrauchstätern

„Das Schlimmste ist die eigene Gerichtsbarkeit, die sich die Kirche aufsetzt“, kritisierte er: „Man hat den Pater nur unter Beobachtung gehalten und zugesehen, dass er nichts mit Jugendlichen zu tun hatte.“ Er habe lange überlegt, ob er den Priester noch einmal treffen wolle, sagte Niedecken. „Aber ich bin nicht wirklich zu einem Ergebnis gekommen. Er ist alt und blind, er wird schon gebüßt haben.“