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Der frühere Küster Helmut Sommer erinnert sich an den Bombenangriff vom 10. Februar 1945

Xanten gedenkt der Zerstörung des Viktor-Doms vor 75 Jahren

Als 1945 nur wenige Wochen vor Kriegsende Bomben der Alliierten Xanten und seinen Dom in Schutt und Asche legten, war Helmut Sommer als kleiner Junge mittendrin. Er erinnert sich - und Fotos zeigen den Dom damals und heute.

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„Helmut, lauf schon vor!“ Dem 84-jährigen Helmut Sommer klingen die Rufe seiner Mutter kurz vor dem Bombenangriff bis heute im Ohr. Auch die folgenden Szenen im Keller des früheren Agnetenklosters in Xanten spielen sich wie ein Film immer wieder vor seinen Augen ab: das Brummen der herannahenden Bomber, der Heulton der fallenden Bomben, die folgenden Explosionsgeräusche und das weinende Beten der Frauen und Männer im Bunker.

Diese Ereignisse am 10. Februar 1945 kann Sommer nicht vergessen. „Es war ja der erste große Bombenangriff der Alliierten, der auch den Dom stark getroffen hat“, erinnert er sich – jenes Gotteshaus, in dem er erst wenige Tage vorher zur ersten Heiligen Kommunion gegangen war und dem er später über lange Jahre als Küster verbunden war. Der Angriff durchschlug unter anderem an der Ostseite des Domes das Gewölbe in den Seitenschiffen neben dem Hochchor.

Druckwelle schleuderte ihn durchs Fenster

Der damals zehnjährige Junge hatte trotz eines Treffers, dessen Druckwelle ihn durch ein Fenster im Kohlenkeller geschleudert hatte, noch Glück im Unglück. Er und seine Eltern hatten überlebt. Nach der Entwarnung fand ihn die Mutter, wenn auch verschüttet, körperlich so gut wie unversehrt vor. Draußen erkannte er seine Heimatstadt kaum noch wieder. „Auf dem Marktplatz brannten viele Häuser, und es lag ein totes Pferd auf dem Pflaster, förmlich aufgerissen.“

Den zweiten verheerenden Angriff beschreibt der damalige Propst Friedrich Kösters in seinen Tagebuchnotizen. Unter dem 22. Februar steht: „Gestern … fand nachmittags der bisher schwerste Angriff statt gegen 2.00 … Das Zerstörungswerk am Dom war weiter fortgeschritten. Der Helm des Nordturms wurde getroffen und stürzte in die Tiefe. Im Dom wurde nun das Gewölbe des Langhauses und des Hochchores zerstört.“

Auch in Xanten haben die Nazis gewütet

An diese Zerstörung des Domes und der Stadt Xanten vor 75 Jahren erinnern die Kommune und die beiden Kirchengemeinden am 29. März in einem ökumenischen Friedensgebet im Viktor-Dom. Man wisse wohl, dass der letzte Angriff bereits am 25. Februar und die Eroberung Xantens durch die Alliierten am 8. März 1945 gewesen seien, erläuterte Bürgermeister Thomas Görtz (CDU) das Datum während eines Pressegesprächs. Doch man habe mit dem Gedenken warten wollen, bis Stefan Notz als Propst in Xanten eingeführt sei. Am 10. Februar, dem Tag der Zerstörung des Doms, habe man bereits die Totenglocke in Xanten geläutet, ergänzte Propst Stefan Notz.

Die Zerstörung des Domes ist nach Ansicht des Bürgermeisters ein gehöriger Einschnitt in die Stadtgeschichte gewesen. Lange sei nicht klar gewesen, ob der Dom wieder aufgebaut werden sollte, so Görtz. Umso größer sei die Aufbauleistung von Walter Bader zu bewerten. Man müsse auch an die Gräueltaten des Naziregimes und seiner unermesslichen Schuld erinnern, die auch im idyllischen Xanten unsagbares Leid, Tod und Zerstörung am Dom, der evangelischen Kirche und der ganzen Stadt hinterlassen habe, mahnte der Bürgermeister. Das Inferno sei Anlass, der Schuld der Nazis und der Leistung des Wiederaufbaus und der Werte für die gemeinschaftliche Gestaltung der Zukunft zu gedenken.

Kriegsschäden sind bis heute ein Problem

Propst Stefan Notz wie sein evangelischer Kollege Pfarrer Wolfgang Willnauer-Rosseck lenkten den Blick in die Gegenwart. Die augenblickliche Entwicklung müsse man aufmerksam beobachten. Auch wenn zurzeit kein Krieg herrsche, sei unbedingt darauf zu achten, dass Werte wie Demokratie, Meinungsvielfalt und Pluralität die Gesellschaft zusammenhalten, sagte Notz. Willnauer-Rosseck betonte die Bedeutung des Themas für die Jugend. Je konkreter und näher man an die jungen Menschen herankomme, desto mehr erreiche man ihr Interesse. Hans-Wilhelm Barking, Vorsitzender des Dombauvereins, erinnerte daran, dass die Bauhütte bis heute mit den Kriegsschäden zu kämpfen hätte. Denn das Mauerwerk sei damals oft mit Schutt aufgefüllt worden.

Nach dem ökumenischen Gebet am 29. März wird Helmut Sommer in einem Vortrag von seinen Erlebnissen im Februar 1945 berichten. Anschließend wird im Dom eine Ausstellung eröffnet. Elf Bilder zeigen perspektivgleich den zerstörten und wiederaufgebauten Dom auf einem Bildschirm. Die historischen Bilder stammen von Otto Drese, Fotograf der Landesbildstelle in Düsseldorf. Die moderne, multimediale Darstellung ist vom Dombauverein in Auftrag gegeben worden.

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