Zeiger war am Sonntag nach unten gefallen

Xanten: Minutenzeiger wieder am St. Viktor-Dom

Die Turmuhr des Xantener St.-Viktor-Domes ist saniert, der am Sonntag heruntergefallene Minutenzeiger hängt wieder. Dombauhütten-Leiter Johannes Schubert inspizierte die schadhafte Stelle und entschied zusammen mit dem Dorstener Kirchturmuhren-Fachmann Martin Wieschus, welche Schritte zur Reparatur des Uhrwerks unternommen werden sollten.

Zuvor gab es am Mittwoch eine Inspektionsfahrt in 43 Meter Höhe mit Hilfe eines Spezialkrans aus Duisburg. Zunächst ging es um die Frage, ob Mörtel, Steine, die Fassung der Uhr und das Uhrwerk grundsätzlich noch in Ordnung sind. „Die Konstruktion ist nach wie vor tragfähig. Es geht keine Gefahr von der Uhr aus“, sagte Schubert nach der Inspektion. Er erklärte, man werde künftig die Wartungsintervalle verkürzen und neuwertige Materialien verwenden.

Sieben Kilo schwerer Zeiger

In einer zweiten Fahrt nahmen Schubert und Wieschus den sieben Kilo schweren und fast zwei Meter langen  Minutenzeiger mit in die Höhe zum Uhrwerk. Dort wurde der Zeiger angepasst und seine Schraube durch eine Konterschraube gesichert.

An der Turmuhr des Xantener Doms.
Johannes Schubert (vorn) und Martin Wieschus befestigten den Zeiger. | Foto: Jürgen Kappel

Am 16. Dezember war der Minutenzeiger heruntergefallen. Kaplan Christoph Potowski ist heilfroh, dass niemandem etwas passiert ist. Passanten hatten den Zeiger vor dem Turm des Xantener Domes auf der Erde liegen sehen und Küster Bruno Müller informiert. Er hatte die Unfallstätte vorsichthalber absperren lassen.

Mit Spezialfernrohr beobachtet – Befestigungsmutter fehlt

Schubert hatte die Uhr mit einem speziellen Fernrohr beobachtet. Er versicherte, dass vom Stundenzeiger keine Gefahr ausging. Er sei mit einem eigenen Bolzen befestigt. Warum der Minutenzeiger heruntergefallen ist, konnte der Leiter der Dombau-Hütte zu diesem Zeitpunkt noch nicht erklären. Das sollte die Besichtigung vor Ort ergeben.

Der Bolzen sei vorhanden, es fehle jedoch die Befestigungsmutter, erklärte er. Auch nach der sorgfältigen Inspektionsfahrt in die Höhe ergaben sich aber keine neuen Anhaltspunkte, warum der Zeiger herunterfiel. Es gibt nach Schubert wohl einige Theorien: „Zum einen herrschen oben deutlich stärkere Windverhältnisse als unten am Boden.“ Man müsse auch die Ermüdung des Materials in Erwägung ziehen.

Die Turmuhr des Xantener Doms
Die erste Turmuhr wurde 1376 angebracht. Xanten besaß also vor Wien (1380) und Köln (1385) eine Turmuhr, schreibt Josef Schroer in seinem Buch über die Turmwerke und Zifferblätter. Die Turmuhr scheint Anfang des 15. Jahrhunderts ersetzt worden zu sein. Die jetzt reparierte Uhr ist demnach die dritte am Xantener Dom.
Zifferblätter gibt es nur an einem der beiden Türme – bis 1927 sogar nur ein einziges, an der Südseite. 1927 wurde die vorherige Ein-Zeiger-Uhr durch die jetzige Turmuhr ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg, als der Dom 1945 schwer beschädigt wurde, kam das südliche Zifferblatt mit leichten Blessuren davon, das nördliche Zifferblatt wurde zerstört. 1958 wurden Zifferblätter und Zeiger  restauriert. 2015 wurden die Ziffern vergoldet und die Ringe mit einem Eisenglimmeranstrich versehen.