Förderverein will eine Million Euro durch Spenden und Sponsoren aufbringen

Xantener Dom soll wieder eine Schwalbennest-Orgel erhalten

Der Xantener Dom soll wieder eine Schwalbennest-Orgel bekommen. Das ist jedenfalls der Wunsch von Matthias Zangerle, Regionalkantor in Xanten und Orgelsachverständiger im Bistum Münster. Die Orgel soll da wieder errichtet werden, wo sie viele Jahrhunderte vorher hing. „Schon 1530 wird die Schwalbennestorgel zum ersten Mal erwähnt“, berichtet Zangerle.

Bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs habe sie im Obergarden des Doms gehangen. Viele Menschen in Xanten hätten ihn immer wieder gefragt, ob es denn nicht möglich sei, diese Schwalbennest-Orgel wieder aufzubauen und so den Dom wieder vollständig zu restaurieren.

Hohe Kosten für stabilen Erhalt

Der Orgelsachverständige Matthias ZangerleDer Orgelsachverständige Matthias Zangerle wünscht sich eine Schwalbennest-Orgel für den Xantener Dom. | Foto: Jürgen Kappel

Zwei Beweggründe leiten Zangerle. Die bisherige Orgel sei stark verschmutzt und müsste aufwändig gereinigt werden, erläutert er. Die Reinigung koste nach ersten Schätzungen sicher 45.000 Euro. Um das Instrument langfristig stabil zu sichern, würden zusätzliche hohe Kosten auf die Pfarre zukommen, ohne dass jedoch die Substanz der Orgel verbessert würde.

Die jetzige Orgel ist Mitte der 1970er Jahre gebaut worden. „Damals musste es preislich günstig sein“, sagt er. Das Gehäuse sei aus Spanplatten gebaut und klinge nicht wie ein Resonanzkörper aus Vollholz. „Viele Register sind auf engstem Raum verbaut. Ihre Qualität lässt außerdem sehr zu wünschen übrig.“

Was ist eine Schwalbennest-Orgel?
Die meisten Orgeln stehen auf einer eigenen Orgelbühne, häufig über dem Hauptportal oder im Querschiff. Schwalbennest-Orgeln hingegen hängen wie ein Nest hoch oben an der Kirchenwand - häufig in oder in der Nähe der Vierung von Kirchen mit kreuzartigem Grundriss, so zum Beispiel im Kölner Dom (Foto). Die dortige Schwalbennest-Orgel von 1998 im Langhaus wiegt 30 Tonnen. | mn, Foto: Wikipedia

Schlechter Standort

Die jetzige Orgel habe einen schlanken Orgelton, aber keinen weichen, warmen volltönenden Klang, der seiner Ansicht nach für ein solches Kirchengebäude nötig sei. Zangerle bringt es auf den Punkt: „Die jetzige Orgel ist kein angemessenes Instrument für den Xantener Dom.“ Derzeit verbaue die Orgel das Hauptportal „brutal“, fährt der Kirchenmusiker fort. Sie stehe zu tief, um den Chor- und Gemeindegesang zu begleiten und verdecke darüber hinaus das monumentale Fenster von Anton Wendling, das durch seine lodernde Feuersbrunst an die Vernichtung durch den letzten Weltkrieg erinnere.

„In der Folge dieser Überlegungen ist in der Kirchenleitung diskutiert worden, an der Nordseite des Obergardens im Dom wieder eine Schwalbennestorgel zu bauen, um so im Dom ein angemessenes Instrument zu haben.“ Dieser Standort garantiert für Zangerle eine optimale Akustik. Deshalb reiche auch ein Instrument mit 40 Registern.

Keine Förderung durch das Bistum

Um das Projekt in der Gemeinde zu verankern und Freunde und Förderer zu gewinnen, ist ein Orgelbauverein gegründet worden. Dieser wird auf seine Pläne bereits am ersten Adventssonntag nach den Gottesdiensten im Dom aufmerksam machen. Eine Gemeindeversammlung, in der die Pläne ausführlich vorstellt werden, gibt es Anfang Januar. Den Beteiligten ist klar: Ohne Sponsoren geht es nicht. Die Schwalbennestorgel kostet etwa eine Million Euro.

Das Bistum fördert den Bau von Orgeln in der Regel nicht. Die Pfarre muss das Geld also durch Spenden und Sponsoren aufbringen.