Bekannte TV-Moderatorin und Katholikin im Interview

Yvonne Willicks: Verbraucher sind genervt vom Überangebot

Das Erntedankfest ist Anlass, über Nachhaltigkeit und Überfluss nachzudenken. Yvonne Willicks äußert sich im Interview dazu. Sie moderiert im WDR-Fernsehen unter anderem die "Servicezeit“. Die 47-Jährige stammt aus Kamp-Lintfort und ist Kolping-Mitglied.

In Ihren Sendungen und in Ihren Büchern spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Warum?

Schon in meiner Jugendzeit haben wir Aktionen gestartet zu Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Es ist für mich ganz wichtig, dass wir mit den Ressourcen so umgehen, dass auch die nachfolgenden Generationen die Chance auf ein gutes Leben haben. Gerade in diesem Jahr wird sich der Klimawandel von niemandem – außer von Donald Trump – leugnen lassen.

Es ist sicher eher fünf nach zwölf als fünf vor zwölf. Ich versuche aber, das Thema Nachhaltigkeit ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Wir sollten nicht resignieren, sondern uns darüber klar werden, dass jeder in seinem Bereich etwas bewirken kann.

Was bewegt Sie eigentlich dazu, sich so engagiert für die Interessen der Verbraucher einzusetzen?

Das ist mein natürlicher Pragmatismus. Ich bin ja von Beruf Hauswirtschaftsmeisterin, das ist meine Grundausbildung. Als ich mit meiner Familie angefangen habe, saß das Geld absolut nicht locker. Ich habe dann Dinge gekauft und ausprobiert – um festzustellen: Die funktionieren nicht, ich habe sie umsonst gekauft. Deshalb habe ich immer geschaut: Was steckt dahinter, wie funktioniert etwas, wie kriege ich etwas sauber, welche Mittel brauche ich tatsächlich? Einfach, weil ich Geld sparen und auch besser informiert sein wollte.

Und ich habe bald festgestellt, dass der Einkauf im Supermarkt oft ein Irrlauf für Verbraucher ist. Dann habe ich begonnen, mich zu engagieren: für bessere Kennzeichnung, für einfacher lesbare Etiketten und so weiter. Das habe ich in vielen Verbraucherverbänden getan, und jetzt mache ich es im Fernsehen.

Gibt es in den Supermärkten Ihrer Ansicht nach ein Überangebot an Waren? Oder sind Vielfalt und Auswahl-Möglichkeiten wichtiger?

Ich stelle zunehmend fest, dass die Menschen überfordert sind vom Angebot. Es versteht langsam ja wirklich keiner mehr, warum es 27 unterschiedliche Erdbeerjoghurts geben muss. Ich habe Verständnis für die Lebensmittelindustrie, die dauernd neue Produkte auf den Markt bringen muss. Denn Fakt ist: Wir alle kaufen immer wieder die gleichen 30 bis 35 Produkte. Für die Industrie ist es deshalb schwierig, neue Sachen zu platzieren. Das führt zu letztlich zu dem Überangebot. Die Verbraucher sind davon zunehmend genervt, sie finden es schwierig und fühlen sich überfordert.