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Leben nach Vergewaltigung: „37 Grad“ berichtet über Fälle im Bistum Münster

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Den Film „Kein Kind der Liebe“ sendet das ZDF am 9. Juni. Ein Betroffener offenbarte seine Geschichte zum ersten Mal gegenüber Kirche+Leben.

Von ZDF, vd

In seiner Reportage-Reihe „37 Grad“ sendet das ZDF am Dienstag, 9. Juni, um 22.15 Uhr den Film „Kein Kind der Liebe“. Darin erzählt die Journalistin Antje Diller-Wolff die Geschichten zweier Menschen, die nach Vergewaltigungen geboren wurden. Einer von ihnen ist Winfried Behlau.

„Ich bin ein Kriegsschadensfall.“ 13 Jahre und einen Tag ist Winfried Behlau alt, als er es erfährt. Sein Vater fällt 1942 im Krieg. 1946 wird er geboren. Fragen in der Schule, wie das sein könne und wer sein Vater sei, kann er nicht beantworten. Die Lehrer nennen ihn daraufhin „Bastard“. Als er 13 ist, bricht es aus Mutter Martha heraus: „Weißt du, wie die kleinen Kinder entstehen? Damals kamen Russen, die haben mich vergewaltigt.“ Danach spricht seine Mutter nie wieder darüber.

Behlau wendet sich an Kirche+Leben

Die aktuelle „37 Grad“-Folge ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Winfrieds Versuche blockt sie alle ab, er gibt auf. Bis zu ihrem Tod, sie wird 102, gibt es keine Klärung für ihn, der unter jahrelangen Depressionen und Suizidgedanken leidet. Bis die damalige Kirche+Leben-Redakteurin Karin Weglage über einen Leserbrief auf seine Geschichte aufmerksam wird, hält Behlau seine Herkunft geheim. Er nimmt an einer Studie der Universität Leipzig teil, gründet den Verein Distelblüten Russenkinder und hilft heute anderen Betroffenen mit Kontakten und Informationen.

Mindestens 200.000 Kinder von alliierten Soldaten und deutschen Müttern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zur Welt. Sie entstanden oft durch Vergewaltigungen oder weil ihre Mütter Sex gegen die knappen Lebensmittel tauschen mussten. Auf der Straße und in der Schule waren sie damals nur die Russenkinder, die Amikinder, die Mongolenkinder. Das Thema ihrer Herkunft war für viele Betroffene lange ein Tabu, zu groß die Scham.

Vater vergewaltigte eigene Tochter

Der zweite Fall in der ZDF-Reportage erzählt die Geschichte von Ulrike M. Dierkes aus Ostbevern im Kreis Warendorf. Es geht um inzestuösen sexuellen Missbrauch. Betroffene Kinder wissen oft nicht, wer ihr Vater ist. Das hat Folgen für ihr ganzes Leben. „Meine Schwester ist meine Mutter.“ Dierkes wurde 1957 geboren, weil ihr Vater seine älteste Tochter ab dem siebten Lebensjahr vergewaltigte. Mit 13 wurde das Mädchen vom Vater schwanger. „Ein Kind der Blutschande“, wie es damals hieß. Ein Bluttest gleich nach der Geburt überführt den Vater, er kommt in Haft. Nach der Entlassung kehrt er in die Familie zurück, der Missbrauch geht weiter.

Verurteilung und Gefängnis

Es folgt eine erneute Verurteilung und Gefängnis. Ulrike wird erzählt, der Vater sei im Krankenhaus. 1996 gründet sie den Verein M.E.L.I.N.A. Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e. V. Vier Hilfesuchende im Monat wenden sich an den einzigen deutschen Verein für Inzestkinder. 2008 bekommt Ulrike M. Dierkes das Bundesverdienstkreuz für ihre Arbeit.

Die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen in Deutschland ist seit 2018 um 72 Prozent gestiegen. 2025 waren es 14.454. Betroffene scheuen sich, Anzeige zu erstatten, besonders wenn der Täter aus dem engsten Umfeld kommt. Daher bleiben viele Fälle im Verborgenen. Die Kinder als Betroffene von Vergewaltigung ringen um Identität und gesellschaftliche Anerkennung.

Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für das Bistum Münster erreichen Sie über die Seite https://uak-muenster.de/.

Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/

Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0

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