Münsteraner an der Spitze der katholischen Laien in Deutschland

ZdK-Präsident Thomas Sternberg wird 65 Jahre alt

Thomas Sternberg.
Thomas Sternberg.Foto: Michael Bönte

Da kann sich Thomas Sternberg richtig in Rage reden. »Es ist schlichtweg zum Heulen«, sagt er auf einem Podium zu Kirchenschließungen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) findet es gar nicht gut, dass St. Peter in Mönchengladbach-Waldhausen als Kletterkirche genutzt wird. Handelt es sich doch um einen Bau von Clemens Holzmeister.

Mit dem Architekten kann der Theologe und Kulturexperte Sternberg einiges anfangen. Wenn er über den Verlust des Sakralbaus spricht, blitzt Leidenschaft auf. Aber das ist nur eine Facette Sternbergs. Das Multitalent ist seit eineinhalb Jahren oberster Vertreter der katholischen Laien in Deutschland. Am Donnerstag wird er 65 Jahre alt.

Akademiedirektor in Münster

Sternberg stammt aus einer Bäckerfamilie im Sauerland und wollte den elterlichen Betrieb übernehmen. 1969 machte er die Gesellenprüfung. Doch aus Gesundheitsgründen musste er sich neu orientieren. Sternberg holte am Abendgymnasium das Abitur nach, um Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie zu studieren. Mit einer Arbeit über die Lyrik Achim von Arnims wurde er in Germanistik und mit einer Studie über die Sozialeinrichtungen des vierten bis siebten Jahrhunderts im Fach Kirchengeschichte promoviert. 1988 wurde er Direktor des Franz-Hitze-Hauses in Münster. Die Bistumsakademie leitete er bis zum Wechsel ins Ehrenamt an der ZdK-Spitze.

Zugleich haben den Vater von fünf Kindern politische Ambitionen angetrieben. Über die Junge Union stieß er 1974 zur CDU. Zuerst als sachkundiges Mitglied, ab 1999 als Ratsherr engagierte er sich in Münsters Kulturausschuss. Dieses Politikfeld beackert er auch im nordrhein-westfälischen Landtag, dem er seit 2005 angehört. Bei der Wahl im Mai tritt er nicht erneut an.

Überraschende Wahl

Seine Wahl zum ZdK-Präsidenten im November 2015 kam überraschend. Er setzte sich gegen die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth durch, die mit dem Bonus Frau in die Wahl gegangen war. Die Laienvertreter aus Diözesen und katholischen Verbänden überzeugten offenbar Sternbergs Ansätze, der einen Rückgang volkskirchlicher Strukturen beobachtet, aber vom ungebrochenen Stellenwert der Katholiken in der Gesellschaft überzeugt ist: »Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt.«

Im neuen Amt lässt Sternberg keine Gelegenheit aus, sich in kirchliche und politische Debatten einzumischen. Reizthemen spart er nicht aus. Angesichts des Priestermangels fordert er, den Pflichtzölibat aufzugeben. »Verheiratete Priester müssen zur Normalität werden«, sagt der Katholiken-Präsident. Ebenso wünscht er sich eine Öffnung des Diakonats für Frauen und eine stärkere Einbeziehung der Laien in die Leitung von Gemeinden – auch als letztverantwortliche Entscheider.

Verhältnis zu den Bischöfen

Mit seiner Kritik am Zölibat oder dem Ruf nach einem Segen für homosexuelle Paare rennt Sternberg bei den Bischöfen nicht gerade offene Türen ein. Dennoch sieht er eine neue Basis der Zusammenarbeit. Früher hätten sich nicht wenige Laien »daran wund gerieben«, auch noch den letzten Bischof für Reformen zu gewinnen. Heute gebe es diese Frontstellung – hier die Laien, dort die Bischöfe – so nicht mehr. »Wir haben es heute mit einer pluralen Bischofskonferenz und auch mit einem pluralen Laienkatholizismus zu tun«, betont Sternberg. »Hier sind Dialog und gemeinsame Aktionen angesagt.«

Auf politischer Ebene lässt Sternberg vor allem mit distanzierenden Äußerungen zur AfD aufhorchen. Er verteidigte den Beschluss, keine AfD-Vertreter zum Katholikentag 2016 einzuladen. »Menschenverachtende Positionen haben da keinen Platz.« Wenige Monate später ließ er sich auf ein Streitgespräch mit AfD-Vize Alexander Gauland ein. Zu einer Annäherung kam es nicht.