Karfreitag in Rom: Polizei sperrte weitläufig ab

Zehntausende beten am Kolosseum Kreuzweg mit dem Papst

In Rom haben sich am Freitagabend Zehntausende Katholiken aus aller Welt am Kolosseum versammelt, um mit Papst Franziskus zu beten. Vor der Kulisse des erleuchteten Amphitheaters begann die traditionelle Kreuzwegandacht, die an das Leiden und Sterben von Jesus Christus vor 2.000 Jahren erinnert.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch. Bereits am Vormittag hatte die italienische Polizei das Gelände weiträumig abgesperrt. Besucher mussten Sicherheitsschleusen passieren.

Schweigen der Kirche sei eine „Schande“

Die Texte zu den 14 Stationen, die den Weg Jesu zum Kreuz nachzeichnen, erinnern in diesem Jahr unter anderem an das Schicksal von Flüchtlingen und die Opfer von Krieg und Gewalt. Das Kolosseum ist Gedenkstätte für die Märtyrer des frühen Christentums, die wegen ihres Glaubens getötet wurden. In seiner Ansprache am Ende der feierlichen Prozession im Fackelschein am römischen Amphitheater beklagte Papst Franziskus das Elend von Flüchtlingen und Kindern weltweit.

Dabei bekundete das Kirchenoberhaupt mit Blick auf Missbrauchsskandale in der Kirche und deren Verschleierung „Scham über all die Male, die wir Bischöfe, Priester und Geweihten die Kirche schockiert und verletzt haben“. Das Schweigen in der Kirche angesichts von Ungerechtigkeit nannte Franziskus eine Schande.

Texte von französischer Theologin

Verfasserin der Meditationen ist in diesem Jahr erstmals eine Frau, die weder einem Orden noch einer geistlichen Gemeinschaft angehört: die französische Theologin Anne-Marie Pelletier, die in Paris Bibelwissenschaft lehrt. 2014 wurde sie als erste Frau mit dem Preis der Vatikan-Stiftung „Joseph Ratzinger - Benedikt XVI.“ ausgezeichnet. Ihre Meditationen stehen unter dem Titel „Die Liebe Gottes erreicht im Kreuz ihr volles Maß“.

Pelletier zitiert unter anderem aus dem Tagebuch der in Auschwitz ermordeten jüdischen niederländischen Lehrerin Etty Hillesum (1914-1943), aus den Berichten des Trappistenmönchs Jean-Pierre, des einzigen Überlebenden des Massakers an den Mönchen des algerischen Klosters Tibherine, sowie aus Texten des deutschen evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), der von den Nazis ermordet wurde.

Papst betet auf dem Boden liegend

Zuvor hatte Papst Franziskus den Karfreitag mit einem Gottesdienst im Petersdom eröffnet. Zu Beginn der Liturgie verharrte das 80 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche wie üblich minutenlang ausgestreckt auf dem Fußboden vor dem Hauptaltar und betete still. Auch zahlreiche Kardinäle und Bischöfe waren zu dem Gottesdienst gekommen. Im Mittelpunkt stand die Leidensgeschichte Jesu nach dem Johannes-Evangelium, die im Sprechgesang vorgetragen wurde.

In seiner Predigt erinnerte der päpstliche Haustheologe, Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa, an die Opfer des jüngsten Chemiewaffeneinsatzes in Syrien und der beiden Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten. Angesichts solcher Ereignisse, die heute die täglichen Nachrichten bestimmten, stelle sich die Frage, warum Christen überhaupt noch an den 2.000 Jahre zurückliegenden Kreuzestod Jesu erinnerten, so Cantalamessa. Der Grund dafür sei, dass Jesu Sterben dem Tod aller Menschen einen neuen Sinn gegeben habe.