Bericht bisher nicht bestätigt, Jesuiten äußern sich nicht

Zeitschrift: Mögliche Lösung im Streit um Rektor Wucherpfennig

Im Konflikt um eine ausstehende vatikanische Bestätigung für den gewählten Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Pater Ansgar Wucherpfennig, zeichnet sich eine Lösung ab. Laut einem unbestätigten Bericht der „Herder Korrespondenz“ (November-Ausgabe), die sich auf „hochrangige Quellen in der römischen Kurie“ beruft, erwägt man derzeit im Vatikan einen Kompromiss.

Demzufolge wäre der Vatikan bereit, grünes Licht für Wucherpfennig zu geben, wenn der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, die Verantwortung für die „Rechtgläubigkeit“ von Wucherpfennig übernimmt. Sosa fungiert als Großkanzler der Frankfurter Hochschule. Als solcher ernennt er den gewählten Rektor, sobald die vatikanische Kongregation für das katholische Bildungswesen ihre Zustimmung gegeben hat.

Gibt Rom den Widerstand auf?

De facto würde dies bedeuten, dass die römische Kurie ihren Widerstand gegen Wucherpfennig aufgibt und die Lösung der Personalie der Leitung des Jesuitenordens überlässt, schreibt die „Herder Korrespondenz“.

Römische Quellen sehen demzufolge die Affäre als unglückliche Verkettung von Umständen an, die zu einer ungewollten Eskalation geführt habe. Man sei in den zuständigen Vatikanbehörden indes der Auffassung, nichts anderes getan zu haben, als sich an das vorgeschriebene Prozedere zu halten, wie es in den „Normen zur Erteilung des ,Nihil obstat'“ festgelegt sei. Verzögerungen aufgrund der Sommerferien hätten ihr Übriges getan, sodass die Unbedenklichkeitserklärung für Wucherpfennig bei Semesterbeginn am 1. Oktober nicht vorlag.

Jesuitenorden will sich erst nach Entscheidung äußern

Der Jesuit hatte sich in Interviews kritisch zum Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen geäußert. Das Ausbleiben der vatikanischen Bestätigung für eine weitere Amtszeit des Hochschulrektors hatte beim Jesuitenorden, dem Limburger Bischof Georg Bätzing und zahlreichen Theologie-Professoren für Unverständnis gesorgt und eine Welle der Solidarität für Wucherpfennig ausgelöst.

Die Pressesprecherin der deutschen Jesuitenprovinz in München, Pia Dyckmans, lehnte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine Stellungnahme zu dem Medienbericht ab. „Das Verfahren ist nach wie vor offen, und wir werden uns erst äußern, sobald es abgeschlossen ist“, sagte sie.

Wucherpfennig kritisiert Kirche erneut

Wucherpfennig selbst äußerte sich unterdessen kritisch zum Verständnis von Wissenschaftsfreiheit in der Kirche. Die Theologie könne nicht „nur Papstpredigten nachbuchstabieren“, sagte er der „Zeit“. Auf die Frage, ob die katholische Kirche die Wissenschaftsfreiheit unterminiere, sagte Wucherpfennig: „Ja.“ Wissenschaft müsse verschiedene Positionen darstellen, die Lehre der Kirche also würdigen, aber auch kritikwürdige Punkte aufzeigen.

Er hoffe, dass die Diskussionen um seinen Fall „Positionen in der Kirche verändern“ könnten, so der Jesuit. „Den römischen Kongregationen muss das jetzt doch klar werden. Ich bin ja nicht der Einzige, der die römische Lehre kritisiert.“