Heße: Wahrscheinlichkeit für Taufe aus taktischen Gründen gering

Zeitung: Nur wenige Flüchtlinge katholisch getauft

Laut einer Umfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ lassen sich offenbar nur wenige Flüchtlinge in Deutschland katholisch taufen. Dabei betonen die Verantwortlichen auch, dass der Aufnahme in die katholische Kirche immer eine intensive Vorbereitungsphase vorausgehe. „Deshalb besteht keine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand aus rein taktischen Gründen taufen lässt, um seine Asylchancen zu verbessern“, sagte der in der katholischen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen zuständige Hamburger Erzbischof Stefan Heße.

Genaue Zahlen sind nicht zu ermitteln, da sie in der Regel nicht gesondert erfasst werden. Von den 27 katholischen Bistümern konnten 14 der Zeitung Zahlen nennen. Diese belegen, dass dort seit 2015 mindestens 400 Menschen zum katholischen Glauben konvertiert sind. Dazu gehören aber nicht nur Flüchtlinge verschiedener Glaubensrichtungen, sondern auch Muslime, die schon länger in Deutschland leben und keine Asylbewerber sind.

Bischofskonferenz: 2016 weniger als 300 Flüchtlinge getauft

Ähnliche Angaben hatte die Deutsche Bischofskonferenz vor kurzem mit Blick nur auf das Jahr 2016 gemacht: Die Zahl der Muslime, die im vergangenen Jahr zur katholischen Kirche in Deutschland konvertiert seien, belaufe sich auf „unter 300“. Auch dabei seien Flüchtlinge nicht gesondert gezählt worden.

Laut Zeitungsbericht bewegen sich die bekannten Zahlen der konvertierten Flüchtlinge pro Jahr und Bistum in der Regel im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Dies gelte etwa für Fulda, Osnabrück, Magdeburg und Würzburg. In Trier seien im vergangenen Jahr 51 erwachsene Muslime getauft worden, vier mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr waren es dort demnach bisher 34.

„Keine Garantie für schnelle Integration oder sozialen Aufstieg“

Unabhängig von Zahlen warnen Vertreter der katholischen Kirche immer wieder davor, Flüchtlinge übereilt zu taufen. So weist die Deutsche Bischofskonferenz etwa in einer Arbeitshilfe darauf hin, „dass Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen - und das kann u. U. auf Geflüchtete zutreffen - nicht zur Taufe geführt werden dürfen“.

Weiter heißt es dort, Interessenten müssten auf die Konsequenzen ihrer Entscheidung hingewiesen werden, etwa „indem deutlich gemacht wird, dass die Zugehörigkeit zum Christentum keine Garantie für eine schnelle Integration oder sozialen Aufstieg bedeutet“. Auch auf die Tatsache, dass mit der Konversion zum Christentum nur in wenigen Fällen ein gesicherter Aufenthaltsstatus verbunden sei und „dass im Gegenteil die Taufe im Falle der Abschiebung die Rückkehr ins Herkunftsland lebensgefährlich machen kann, muss unbedingt hingewiesen werden“, heißt es in der Arbeitshilfe.