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Wer schenken wollte, musste sich sputen

Zettel vom „Wunschbaum“ in Lindern waren schnell weg

Wer sich in St. Katharina Lindern als Geschenkpate an der diesjährigen Aktion „Wunschbaum“ beteiligen wollte, der musste sich sputen. Zwei Tage nach dem Start waren alle Wunschzettel verteilt.

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Ein Junge bei der Hausaufgabenhilfe gab den Anstoß. Genauer: seine Antworten auf eine harmlose Frage: „Na, und was hat Dir das Christkind gebracht?“ Gisela Hamberg-Dierker erinnert sich noch. „Dem einen Betreuer erzählte der Junge die Geschichte von diesem tollen Geschenk, dem anderen eine ganz andere. Bis wir dahinterkamen: Er war leer ausgegangen.“

Eine traurige Geschichte, die die ehrenamtliche Helferin und die anderen im Team der Gemeindecaritas der St.-Katharina-Gemeinde im oldenburgischen Lindern vor zehn Jahren ins Nachdenken brachte. Darüber, dass es auch im ländlichen Kreis Cloppenburg benachteiligte Familien gibt. Und darüber, wie man ihnen wohl zu Weihnachten eine Freude machen könnte.

Am Anfang stand eine traurige Geschichte

Schnell war die Wunschbaum-Idee geboren. Sodass der im Jahr darauf zum ersten Mal am 1. Advent hinten in der Linderner Kirche stand. Behängt mit Sternen, auf die Kinder ihre Herzenswünsche zum Fest geschrieben hatten. Eine Puppe zum Beispiel, ein Feuerwehrauto, ein Fußball.

Gemeindemitglieder können seither nach dem Gottesdienst einen Wunschzettel mitnehmen, ein Geschenk-Päckchen packen und anschließend zum Pfarrbüro bringen. Helfer der Gemeindecaritas bringen sie pünktlich zum Fest in die Familien.

In diesem Jahr 81 Sterne

In diesem Jahr prangten 81 Sterne am Linderner Wunschbaum, allerdings nicht lange. Gisela Hamberg-Dierker rührte es zu Tränen, als sie feststellte, dass sich schon nach zwei Tagen genug Paten für alle Geschenke gefunden hatten.

„Ich musste mich erst einmal in eine Bank setzen, als ich das am Montagmorgen sah“, freut sich die 68-Jährige über die Hilfsbereitschaft der Pfarrgemeinde. Leicht hätte man noch mehr Kinder beschenken können.

Viele kauften gleich zwei Geschenke

Die Hilfsbereitschaft war enorm, so wie auch schon in den vergangenen Jahren. „Eigentlich sollen die Geschenkpaten nur einen der zwei Wünsche auf dem Wunschzettel erfüllen“, sagt sie. Der Richtwert liege bei 30 Euro. Aber manche packten einfach beide Geschenke ein.“ Für Hamberg-Dierker ein Zeichen dafür, wieviel Freude auch das Schenken macht.Dabei müsse man damit rücksichtsvoll und diskret vorgehen. Schließlich solle niemand das Gefühl haben, dass er von anderen als arm oder bedürftig betrachtet werde.

Deshalb laufe die Aktion so anonym wie möglich. Um niemanden bloß zu stellen oder zu beschämen. Die Paten kennen nur Wünsche, Alter und Geschlecht, aber nicht, für wen genau sie ihr Päckchen packen.

Tipps an die Gemeindecaritas

Von Kindern, die für einen Wunschzettel infrage kommen, erfährt die Gemeindecaritas auf unterschiedliche Art und Weise. Mal kennen die Helferinnen und Helfer sie von anderen Aktionen, mal gibt es einen Hinweis aus der Gemeinde, mal sind es Familien, die Gisela Hamberg-Dierker aus ihrer Zeit als Lehrerin kennt.

Es sind Familien, von denen sie weiß: Die haben es nicht leicht. Benachteiligung habe viele Gesichter. Gisela Hamberg-Dierker nennt als Beispiele Kinderreichtum, Flucht oder Arbeitslosigkeit.

Viele Wege ins Abseits

„In den vergangenen Jahren verzeichnet die Gemeindecaritas auch immer mehr allein erziehende Frauen. Die sind uns bei dieser Aktion sehr, sehr wichtig“, sagt sie. Statt sich das Geschenkpäckchen nach Hause bringen zu lassen, können die Familien es auch bei Gisela Hamberg-Dierker abholen. „Manchmal bedanken sie sich mit Plätzchen“, sagt sie.

Das Schöne: Beide Seiten hätten etwas davon. Und es seien oft die Kinder, die ihre Eltern drängen, sich als Pate zu beteiligen. Damit niemand lügen muss, wenn er nach seinem Geschenk gefragt wird.

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