Anregungen für Familiengottesdienste

Zu Erntedank ein Korb voller Ideen

In vielen Gemeinden werden momentan die Familiengottesdienste zu Erntedank geplant. Wir geben Anregungen, wie man kreativ mit dem Thema umgehen kann.

Während auf dem Land in diesen Wochen die Obst- oder Getreideernte eingefahren wird, haben Stadtkinder oft keine Vorstellung mehr, woher ihr Brot, Kuchen oder Pausenapfel kommen – wenn nicht aus dem Supermarkt. So findet Erntedank, etwa im Familiengottesdienst, im 21. Jahrhundert unter deutlich veränderten Vorzeichen statt als noch vor einigen Generationen.

Umso mehr gilt es, mit pfiffigen Ideen das Bewusstsein zu schärfen für das große Geschenk, das uns der Schöpfergott in jedem Jahr macht. Vielleicht muss auch noch einmal neu gefragt werden: Was heißt das überhaupt: „ernten“? Und was genau meint „danken“?

Aus Sicht eines Apfels

Wenn sich der Gottesdienst eher an kleinere Kinder richtet, könnte man – etwa aus Sicht eines Apfels – erzählen, wer und was alles nötig ist, damit wir ihn im Herbst vom Baum pflücken können. Dabei wird entweder das „Fotoalbum“ des Apfels aufgeschlagen (Bilder auf eine Leinwand projizieren) oder die Beteiligten treten, mit kleinen Accessoires verkleidet, selbst auf: Angefangen vom Bauer, der pflanzt, über den Apfelzweig, der gepflanzt wird, die Erde, die aufnimmt, den Regen, der wässert, die Sonne, die wärmt, die Biene, die bestäubt, Gott, der seinen Segen gibt, bis zur Zeit, die vergeht. Alle treten nacheinander in einer Reihe vor, wobei deutlich wird: Wenn auch nur einer von ihnen fehlt, gibt es keinen Apfel. Alles Wachsen und Werden unterliegt vielerlei Faktoren und ihrem Zusammenspiel.

Sind die Kinder schon etwas älter, ist es ein eindrucksvolles Erlebnis, wenn eine (verkleidete) Vogelscheuche von ihren Erfahrungen erzählt, von der Aussaat auf kahlem Feld bis zur Ernte mit ihren Strapazen und Freuden. Dabei kann die Vogelscheuche zum Mittler zwischen Mensch und Natur werden. Während der Mensch oft auf das bloße „Ergebnis“ wartet, übersieht er, welch buntes Leben sich im Lauf des Sommers auf dem Feld abspielt, wie viele Geschöpfe dort zusammenkommen und von den Gaben der Erde leben. Aber auch von der Sorge, dass ein einziger Hagelschauer die gesamte Ernte zerstören kann, wird erzählt.

Soll der Schwerpunkt des Gottesdienstes eher beim „Danken“ liegen, lohnt es sich, zu Beginn des Gottesdienstes kurz auf die Geschichte und Ursprünge des Erntedankfestes einzugehen, die weit zurückreichen. In vergangenen Zeiten waren die Menschen noch viel mehr als heute vom jährlichen Ertrag ihrer Felder abhängig, die Güter der Erde waren ihre „Lebensmittel“ schlechthin.

Im 21. Jahrhundert macht es Sinn, diesen Begriff etwas weiter zu fassen: Was lässt uns heute leben? Was ist keine Selbstverständlichkeit, wofür sollten wir immer neu „Danke“ sagen? Dazu legen Kinder entsprechende Symbole auf den Gabenaltar in der festlich geschmückten Kirche, etwa einen Kopfhörer als Dank für die Musik, eine Uhr für die Zeit mit Freunden und Familien oder ein Schulbuch als Zeichen für die Möglichkeit, sich zu bilden.

Alternativ bietet es sich an, einige hölzerne Steigen in die Dekoration zu integrieren, in denen keine echten Früchte lagern, sondern aus bunter Pappe ausgeschnittene Äpfel, Birnen und Kürbisse. In einer stillen oder mit Musik unterlegten Phase schreibt und malt jeder Mitfeiernde auf, wofür er dankbar ist. Anschließend werden die Früchte eingesammelt und zum Altar getragen.

Ungerechte Verteilung

Eindrucksvoll ist es auch, zwei Erntekörbe nebeneinander zu stellen: den gut gefüllten Korb der westlichen Welt und eine nur mit wenigen Körnern gefüllte Kiepe aus Afrika. Da die ungerechte Verteilung längst auch in unserer Heimat immer mehr voranschreitet, kann am Ende der Feier der Appell stehen, Güter umzuschichten und den leeren Korb in der nächsten Woche mit Lebensmitteln zu füllen: für all jene, die bei uns unter der Armutsgrenze leben müssen. So bleibt es zum Erntedank nicht nur bei schönen Worten.