Olga Adorno aus Paraguay findet Anschluss im Kolping-Familienkreis

Zugezogene in Vechta finden mit der Kirche Heimat

Olga Adorno kommt aus Paraguay. Glücklich in der Hauptstadt Asuncion, ihrer Heimat. Umziehen in die Ferne, die Heimat in Südamerika verlassen? Warum?

Olga Adorno lebt jetzt in Vechta. Sie muss eine neue Heimat finden in der kleinen Stadt in Norddeutschland. Sie spricht zunächst wenig Deutsch, im Herbst und im Winter ist es dort eher kalt und düster. Wird das ihre neue Heimat werden?

Ein kurzer Weg von Paraguay

Der Weg von Paraguay aufs Land nach Norddeutschland war weniger kompliziert, als man sich vorstellen könnte. Ihr Mann Bruno Penayo ist Arzt, suchte nach einer Chance als Facharzt für Geriatrie. Er kennt einen Arzt in Frankfurt, der einen Spezialisten im Emsland, der wieder wusste von einer freien Stelle im Marienhospital Vechta. Wenige Gespräche – die Chance im Beruf ist da.

Bruno Penayo will diese Chance nutzen, also die Heimat verlassen. Olga Adorno kommt mit ihm im August 2009 in Vechta an, im siebten Monat schwanger. Die Stadt feiert gerade den Stoppelmarkt, eines der größten Volksfeste Norddeutschlands. Die Sonne strahlt, die Menschen strahlen. Ein freundliches Land, findet Olga Adorno.

Die neue Heimat ist oft auch dunkel

Der Herbst kommt, Regen, Nebel. Auch ein dunkles Land, findet Olga Adorno. Ihr Mann geht in der Arbeit auf, lernt schnell Deutsch. Sie bleibt mit dem ersten Baby Pablo in der kleinen Stadtwohnung, kommt kaum zurecht in der neuen Sprache, hat Heimweh. Neue Heimat Vechta – ach Gott!

Zugezogen aus Paraguay und Anschluss gefunden bei Kolping: Olga Adorno. | Foto; Franz Josef Scheeben
Zugezogen aus Paraguay und Anschluss gefunden bei Kolping: Olga Adorno. | Foto: Franz Josef Scheeben

Olga Adorno merkt, dass die Menschen anders sind als in Paraguay, ruhiger, eher förmlich. Aber auch herzlich. Im Fitness-Studio lernt Olga Adorno eine Frau kennen, sie reden lange über die alte und die neue Heimat. Dann bietet die Frau den Penayos an, doch mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern, lädt sie zum Sonntagsbraten ein. „Die Deutschen sind eigentlich freundliche und offene Menschen“, sagt Olga Adorno.

Kontakte bei der Kindermesse

Sie sucht auch Kontakt in der Kirche, in der neuen Heimatgemeinde rund um die Propsteikirche St. Georg in Vechta. Lebendig wie in Paraguay sind die Gottesdienste nicht, das merkt sie. Es gibt Blicke, wenn die Kinder bei der Predigt herumkrabbeln.

Sie hört dann von den regelmäßigen Gottesdiensten für Kinder, die in der Gemeinde gefeiert werden. Sie besucht einen und ist begeistert. Viele kleine Kinder, viele junge Mütter. St. Georg gefällt ihr.

Der Hausarzt gibt den entscheidenden Tipp

Wie oft wer den Wohnort wechselt
In Deutschland ziehen pro Jahr nach amtlichen Angaben fünf Millionen Haushalte um; das sind mehr als acht Millionen Menschen. Gut ein Drittel davon wechselt wirklich den Wohnort und zieht in eine völlig andere Gegend. Wer seinen Wohnort wechselt, ist meist unter 40 Jahre alt. Statistiker rechnen zum Vergleich mit einer Umzugsquote, sie liegt in Deutschland bei 9 Prozent. Danach ziehen die Menschen in Nordrhein-Westfalen eher durchschnittlich oft um. Die Niedersachsen wechseln deutlich öfter den Wohnort.

Sie kommt ins Gespräch mit ihrem Hausarzt, Boris Büssing, auch Mitglied im Vorstand der Kolpingsfamilie Vechta Zentral. Er hört von den Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen. Sofort bietet er an: „Kommt doch in unseren Kolping-Familienkreis!“
Da nun finden Olga Adorno und ihr Mann mit den beiden Kindern Pablo und Diego eine Heimat. Unter zehn Ehepaaren mit 22 Kindern, bei Spielplatztreffen oder Ausflügen.

Sie treffen Menschen wie Uwe Kathmann. Er kam vor zehn Jahren mit seiner Familie nach Vechta und suchte Anschluss.

Sie treffen Menschen wie Sascha Steinke. Er kam vor vier Jahren mit seiner Familie nach Vechta und suchte Anschluss.

Sie treffen Menschen wie Tina Thamer. Sie kam vor acht Jahren mit ihrem Mann nach Vechta und suchte Anschluss.

Alle finden bei Kolping Anschluss

Alle fanden ihn im Familienkreis 4 der Kolpingsfamilie. Verschiedene Menschen, verschiedene Berufe und Geschichten. Berufstätig oder bei den Kindern. Aber alle haben sie eins gesucht: Kontakte in der neuen Heimat. Gefunden haben sie die auch über die Kirche, die Propsteigemeinde St. Georg und ihre  Kolpingsfamilie Vechta Zentral.

Wie man es in Wilhelmshaven macht
Lesen Sie dazu auch in der Bistumszeitung „Kirche+Leben“ (Nr. 21 vom 27. Mai 2018) das Interview mit Pfarrer Andreas Bolten aus Wilhelmshaven, wie seine Gemeinde sich in dieser Hafenstadt neu zugezogenen Katholiken zuwendet.