Ewige Profess der Kapuziner am Samstag in Münster

Zwei Männer sagen „Ja“ zum Ordensleben

„Es ist fast wie eine Hochzeit“, sagt Bruder Thomas Schied lachend, „aber doch etwas ganz anderes“. Thomas Schied wird am Samstag gemeinsam mit Bruder Christian Albert die ewige Profess bei den Kapuzinern in Münster ablegen.

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„Es ist fast wie eine Hochzeit“, sagt Bruder Thomas Schied lachend, „aber doch etwas ganz anderes“. Thomas Schied wird am Samstag gemeinsam mit Bruder Christian Albert die ewige Profess bei den Kapuzinern in Münster ablegen. Die Aufregung ist groß und „es muss noch viel vorbereitet werden“, sagt Bruder Thomas.

Bis zum Ablegen der ewigen Gelübde haben die beiden eine lange Vorbereitungszeit hinter sich gebracht: Postulat, Noviziat und Juniorat heißen die Stationen im Kapuziner-Orden, bevor man sich mit dem Ablegen der ewigen Profess für den Rest seines Lebens für das Ordensleben entscheidet. Aber wer geht heute noch ins Kloster?

Ein Bankkaufmann und ein Krankenpfleger

Die Kapuziner übertragen die Profess am Samstag, 27.05.2017 ab 10 Uhr live auf Youtube. Hier geht es zum Livestream.

Bruder Christian kommt aus Rinteln an der Weser. Er machte eine Ausbildung bei der Bank, wollte ein Wirtschaftsstudium beginnen. „Da kam ich an einen Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob das wirklich das Richtige für mich ist“, erinnert sich der 30-Jährige. Er hörte von einem Angebot der Kapuziner in Dieburg: „Treffpunkt Entscheidung“. Dort bekam er erstmals Einblick in das Leben der Kapuziner. Das fand er spannend. Dennoch dachte Christian: „Für mich ist das nichts.“

Bruder Thomas kam durch sein Interesse an der Spiritualität des Heiligen Franziskus mit den Kapuzinern in Kontakt. Er war Krankenpfleger in der Chirurgie und Notaufnahme eines großen Krankenhauses. Doch er verspürte eine „Sehnsucht nach geistlichem Leben“, erzählt er. Doch ob er sich ein Leben im Kapuziner-Orden vorstellen könnte – sicher war er sich anfangs nicht.

Erstaunen, Entsetzen und Tränen

Beide rangen mit der Überlegung, ob das Ordensleben etwas für sie sein könnte. Und dann war klar: „Wenn ich es jetzt nicht probiere, wird diese Frage für immer bleiben“, erinnert sich Thomas. Damals war er 33. Christian kam mit 22 Jahren an diesen Punkt und trat ins Postulat ein.

„Meine Mutter war absolut dagegen“, erinnert sich Bruder Christian. Sie habe sich nichts darunter vorstellen können, wie das Leben im Kloster abläuft. Auch in Familie und Freundeskreis von Bruder Thomas gab es Erstaunen, Entsetzen und Tränen, als er von seinem Entschluss, dem Orden beizutreten, erzählte. „Einige sagten aber auch: ›Eigentlich passt das genau zu dir‹“, berichtet Bruder Thomas.

„Mit einem Bein im Kloster, mit einem Bein in der Welt“

Mittlerweile fühlen sich die beiden in der Ordensprovinz der Kapuziner zuhause. Bei Besuchen im Kloster konnten sich ihre Familien von ihren Klischees und Ängsten befreien. „Es hat geholfen, dass sie gesehen haben, dass ich hier nicht zurückgezogen hinter mittelalterlichen Klostermauern lebe“, berichtet Thomas. Die Kapuziner leben zwar zusammen in ihrer Gemeinschaft, gehen aber Berufen in der jeweiligen Stadt ihres Klosters nach, zumeist in seelsorglichen Bereichen. „Wir leben mit einem Bein im Kloster, mit einem Bein in der Welt“, beschreibt es Bruder Thomas.

Wenn die zwei am Samstag ihre ewigen Gelübde ablegen, gehen sie eine Bindung auf Lebenszeit ein. „Wir sagen ›Ja‹ zu unserer Gemeinschaft und dem Leben mit Gott“, erklärt Thomas. „Wir leben hier Beziehung, natürlich ganz anders als es in einer Ehe der Fall ist“, ergänzt Christian.

Und wie ist das mit dem Gelübde der Ehelosigkeit? „Ich sage nicht ›Nein‹ zur Lebensform der Ehe“, bekräftigt Thomas, „sondern ich sage Gott zu, dass ich diese Offenheit, die ich dadurch habe für ihn freihalte“.

Die Kapuziner sind ein weltweiter katholischer Männerorden. 1528 gegründet zählen die Kapuziner zu den Franziskanischen Orden. In der Deutschen Kapuzinerprovinz leben zurzeit rund 120 Männer unterschiedlicher Herkunft und Ausbildung. Die Kapuziner haben in Deutschland Standorte in Altötting, Clemenswerth, Deggingen, Frankfurt a. M., Ingolstadt, München, Münster, Reute, Rosenheim, Stühlingen, Werne und Zell a. H.
Der Grundsatz der „vita mixta“ ist ein besonderer Lebenszug der Kapuziner: Auf der einen Seite das Leben im Kloster, auf der anderen Seite das Hinausgehen zu den Menschen prägen den Orden. Beim Eintritt in den Orden legen die Kapuziner die Gelübte von Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit ab. | kapuziner.de, ms

 

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