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Der erste Sonntag im neuen Jahr führt nach Weihnachten zurück – auf sehr mystische Weise, wie Chefredakteur Markus Nolte in seiner Auslegung zeigt.
„Was Gott tut, das sitzt!“ Diesen Satz aus der Weihnachtspredigt meines Heimatpfarrers habe ich auch gut 40 Jahre später noch genau so im Kopf. Auch seine Handbewegung dazu: ein schwungvoller Dreh des erhobenen Zeigefingers, der aus einem imaginären Kreis schlussendlich nach oben wies.
„Was Gott tut, das sitzt!“ – da sitzt auch alles: starker Anfangssatz, kurz und knackig, unterstützt durch eine prägnante Geste und gesprochen aus voller Überzeugung. Das hatte seine Wirkung, ganz offenbar: Wie gesagt, den Satz kriege ich nicht aus dem Kopf – er fällt mir jedes Jahr zu Weihnachten wieder ein.
Zwischen Anstrengung und Zauber
Die Lesungen vom 2. Sonntag nach Weihnachten / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Ein Satz, der sitzt – das ist das Geheimnis und zugleich die größte Herausforderung jedes guten Textes, Romans, Artikels, jeder guten Predigt und Schriftauslegung. Das umso mehr, als aller Anfang als schwer gilt – da mag ihm, um mit einem populären Zitat aus Hermann Hesses „Stufen“-Gedicht zu kommen, noch so sehr „ein Zauber inne“ wohnen. So vermächtnishaft bleibend zudem berühmte letzte Worte sind – wo ein Anfang „gemacht ist“, wie wir sagen, da fließt alles weitere nur so aus der Feder.
Auf den Anfang also kommt es an. Darum umweht auch jeden Jahresanfang so etwas Bedeutungsschwangeres – bei aller Unberührtheit des Neuen. Wer weiß, vielleicht ist (eher unbewusst) auch darum der Neujahrstag der Jungfrau Maria geweiht. Eine Woche nach Weihnachten jedenfalls steht an Neujahr wieder und doch ganz anders die Frage: Was da zur Welt kommen will in diesem Jahr – sei es als Schweres zu befürchten, sei es als Lebenbejahendes erfreut willkommen zu heißen?
Der Anfang von allem
Damit nicht genug: An diesem Zweiten Sonntag nach Weihnachten, dem ersten im neuen Jahr, setzt die Leseordnung wie ein mahnender Zeigefinger wie schon am Weihnachtsag noch einmal den großen Johannes-Prolog als Evangelium: „Im Anfang war das Wort ...“ Dazu freilich hat Pater Daniel Hörnemann in seiner Schriftauslegung zum Christfest alles Wichtige gesagt.
Darum sei hier ein eher intuitiver Blick auf die Bibelstellen dieses Sonntags gelenkt. Denn der populäre Evangeliumstext verbindet etwas Eigentümliches mit der Ersten Lesung aus dem alttestamentlichen Weisheitsbuch des Jesus Sirach. Gemeint sind weniger die Aussagen beider Texte, auch nicht die poetisch-dichte, philosophische Sprache. Vielmehr rühren beide Lesungen an nichts Geringeres als den Anfang von allem. Jenen Anfang, von dem – nicht im Griechischen des Neuen Testaments, sondern im Hebräischen des Ersten – der Anfang der gesamten Bibel spricht: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (Gen 1,1-2).