Pastoralreferent Tobias Plien legt 10-Minuten-Gottesdienste neu auf

Beten zuhause: „Do It Yourself“-Andachten aus Rheine stark nachgefragt

Tobias Plien ist Pastoralreferent in der Pfarrei St. Antonius Rheine. Der 46-Jährige ist seit einer Woche im Homeoffice und hat sich überlegt: „Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kommen können, wie kommt dann der Gottesdienst zu ihnen?“ Seine Idee: "Do-it-yourself-Gottesdienste", 10-Minuten-Andachten für Zuhause.

Herr Plien, wie sind die auf die Idee gekommen?

Bundesweit läuten ja bis zum Mittwoch in der Karwoche jeden Abend um 19.30 Uhr alle Kirchenglocken zum Gebet. Da habe ich mich gefragt: Was kann man den Menschen dazu an die Hand geben? Wichtig ist, es muss einfach zu Hause handhabbar sein, deswegen heißt es auch auf dem ersten Merkblatt: „Was ich brauche: eine Kerze, eine Bibel, zehn Minuten Zeit.“

Ihre Gottesdienste gingen dann ja sehr schnell viral. Hätten Sie gedacht, dass Sie mit dieser Idee so eine Resonanz hätten?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Es war aber so, dass Sven Tönnies, der Schulseelsorger aus Greven, und ich gedacht haben, dass wir dieses Angebot möglichst weit streuen wollen. Wir haben eine Layoutvorlage für verschiedene Social-Media-Kanäle gemacht.

Woran orientieren sich die Vorlagen?

Im Prinzip sind sie in reduzierter Form an die Tradition von Ignatius von Loyola (Mitbegründer des Jesuitenordens, 1491-1622) angelehnt. Er empfiehlt, sich abends zu fragen: „Was ist heute schlecht gelaufen? Was ist heute gut gelaufen?“


Tobias Plien. | Foto: privat

Zu Beginn steht immer das Kreuzzeichen, es folgen Gebete, Impulse, Stille, Fürbitten und am Schluss das Vaterunser. Ich feiere solche Gottesdienste relativ häufig, im Zeltlager zum Beispiel. Und jetzt zuhause mit meiner Familie.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch die klassischen Andachten aus dem Gotteslob, die verwendet werden können.

Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

Eigentlich nur positive, auch von Menschen, die man sonst gar nicht im Gottesdienst gesehen hat. Und mich rief eine Frau an, die mit dem Handy in der Hand am Sterbebett ihres Mannes diesen 10-Minuten-Gottesdienst mit ihrem Mann gebetet hat. Das hat ihr geholfen.

Wird diese Form des Gottesdienst auch nach der Corona-Zeit bedeutsam bleiben?

Es gibt immer weniger Priester in der Kirche, und die Corona-Krise bedeutet Einschnitte in allen Lebensbereichen. Allerdings steckt in der Krise auch eine Chance zur Veränderung, gerade in kirchlichen Lebenswelten. Wenn viele Gläubige beginnen, ihre Taufberufung ernst zu nehmen und diese Gottesdienst-Form zum Anlass nehmen, ihren Glauben zuhause zu leben, dann ist schon eine Menge erreicht. 

Haben Sie noch Pläne für andere Vorlagen?

Ich habe kürzlich mein erstes Trauergespräch am Telefon geführt. Die meisten können ja nicht einmal mehr mit auf eine Beerdigung. Daher möchte ich in Kooperation mit den Bestattern in Rheine ein Totengedenken auflegen.

Hier gehts zu der Online-DIY-Gottesdienstvorlage von Tobias Plien, Sankt Antonius Rheine. Außerdem in der Fotostory bei Instagram unter tobi_plien