Langjähriger, einflussreicher Erzbischof wurde 85 Jahre alt

Brüsseler Kardinal Godfried Danneels gestorben

Kardinal Godfried Danneels, emeritierter Erzbischof von Mechelen-Brüssel, ist am Donnerstag in Mechelen im Alter von 85 Jahren verstorben. „Viele Jahre lang leitete er die Kirche als wahrer Pastor in einer Zeit, in der sich Kirche und Gesellschaft grundlegend veränderten“, sagte Kardinal Jozef De Kesel, der heutige Erzbischof.

Papst Franziskus bekundete der belgischen Kirche sein „tiefstes Mitgefühl“. In einem Telegramm schreibt der Papst, Danneels habe nicht nur seinem Bistum, sondern der Weltkirche „mit großem Engagement gedient“. Zu den Bischofssynoden über Ehe und Familie 2014 und 2015 hatte Franziskus den damals bereits emeritierten Erzbischof persönlich als Teilnehmer berufen. In seinem Telegramm erinnert der Papst eigens an das Mitwirken von Danneels bei den Synoden.

Stationen des Lebens

Der in Westflandern geborene Danneels wurde 1957 zum Priester geweiht und lehrte später unter anderem an der Katholischen Universität Löwen. 1977 wurde er Bischof von Antwerpen. 1979 folgte Danneels mit nur 46 Jahren Kardinal Leo Suenens als Erzbischof von Mechelen-Brüssel. 1983 erhielt er die Kardinalswürde.

Von 1990 bis 1999 war Danneels Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi International. Der Belgischen Bischofskonferenz stand er von 1980 bis 2010 vor. Auch im ökumenischen Dialog und in der Entwicklung einer Großstadtseelsorge profilierte sich der Kardinal. Mit jährlich zwei Hirtenschreiben und zahlreichen weiteren Veröffentlichungen erreichte er ein breites Publikum.

2005 galt er als möglicher Papst

Der ruhige und vermittelnde Kirchenmann galt vor der Papstwahl 2005 als möglicher Kandidat für die Nachfolge Johannes Pauls II. Nach der Emeritierung fiel ein Schatten auf das positive Image von Danneels, als er versuchte, ein Opfer von der Veröffentlichung seines Missbrauchsfalls abzubringen.