„In großen Einrichtungen keine sinnvolle Integrationsarbeit möglich“

Caritas kritisiert Flüchtlings-Unterbringung in NRW

Der Diözesan-Caritasverband Münster kritisiert die Zentralen Unterbringungs-Einrichtungen (ZUE) für Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen. In Einrichtungen mit mehr als 200 Plätzen sei keine sinnvolle Integrationsarbeit möglich, berichtet Maike Krumm vom Migrationsdienst des Diözesan-Caritasverbands Münster nach dessen Angaben.

Nach Krumms Erfahrungen haben Bewohner von kleineren, innerstädtisch liegenden Einrichtungen viel bessere Kontakte zur Bevölkerung als Bewohner großer, abseits liegender Häuser. Flüchtlinge blieben aber bis zu zwei Jahre in den ZUE, bis sie einer Kommune zugewiesen oder abgeschoben werden. Krumm zweifelt, ob nach zwei Jahren „die Motivation zum Besuch eines Sprachkurses noch groß sein kann“.

Kaum Zugang für ehrenamtliche Betreuer

Jede ZUE brauche ein Ehrenamtskonzept zur Bewohner-Betreuung, fordert Krumm und verweist auf das Engagement auch der Caritas in dem Bereich. In der Praxis sei es für Ehrenamtliche aber oft schwierig, in die Einrichtungen zu gelangen.

Ferner nennt die Expertin Stressfaktoren für Flüchtlinge in den ZUE wie die räumliche Enge und das Abholen zu Abschiebungen. Dies erfolge oft nachts und sei „mit viel Lärm“ verbunden. Selbst Feuerschutzübungen könnten Kriegsflüchtlinge traumatisieren – weil dann eine Sirene dröhne.

„Abschiebung statt Ankommen ist das Ziel“

Krumm bemängelt, der Asylstufenplan in NRW habe das Ziel der Erstaufnahme umgekehrt: „Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Abschiebung und Rückführung statt auf Ankommen.“ Das zeige sich auch daran, dass Familien bis zu sechs Monate in einer ZUE verbleiben müssten, ohne dass Kinder Anspruch auf Schulbesuch hätten. Das sei ein Verstoß gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen.