Erzbischof von Huancayo in Peru als Gast von Adveniat im Bistum

Kardinal Barreto fordert in Münster Opfer zur Rettung der Erde

„Unser Planet ist zu retten, aber nur, wenn wir uns alle zusammenschließen und bereit sind, Opfer zu bringen. Damit alle gut leben können, müssen manche mit weniger leben, als sie es heute tun.“ Kardinal Pedro Ricardo Barreto Jimeno, Erzbischof von Huancayo in Peru, fand in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster deutliche Worte. Mit Bischof Felix Genn diskutierte er über die Umweltbelastungen in Amazonien und über aktuelle Herausforderungen für die Kirche. Im Rahmen der Weihnachtsaktion des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks „Adveniat“ ist er derzeit im Bistum Münster zu Gast.

In Peru kämpft Kardinal Barreto gegen die Umweltzerstörung und Gesundheitsgefährdung durch den Bergbau. Insbesondere setzt er sich für die Rechte der Indigenen und die Bewahrung der Schöpfung im Amazonasgebiet ein. Er schilderte besonders die Situation in der Bergbaustadt La Oroya. Bis die Kirche die Schließung der Bleihütte erreichte, sei die Stadt eine der fünf am stärksten verschmutzten Städte der Welt gewesen. Vor allem Kinder hätten so viel Blei im Blut, dass ihre Gesundheit massiv gefährdet sei.

Morddrohungen gegen Kardinal Barreto

Gegen ihn selbst gebe es wegen seines Einsatzes für die Bevölkerung Morddrohungen. „Ich habe aber mit meinem Kampf auch nicht aufgehört, als vor meinem Haus ein Sarg mit meinem Namen und einer Mitra stand. Denn ich sehe meine Aufgabe darin, das Leben der Menschen zu schützen.“
Barreto dankte den Jugendlichen der weltweiten Bewegung „Fridays for Future“:  „Die jungen Leute rufen uns ins Gedächtnis: Unsere Welt brennt.“

Der Brand könne nur gelöscht werden, wenn gerade die Menschen in wohlhabenden Ländern bereit seien, ihr Konsumverhalten zu verändern: „Wir wollen keine Produkte mehr, die auf Kosten anderer hergestellt werden. Das muss die Botschaft sein“, sagte der Kardinal und betonte: „Mit dem Kapitalismus können wir nicht überleben. Wir brauchen ein neues Wirtschaftssystem.“

Genn hofft auf Offenheit beim Synodalen Weg

Diese kulturelle Umkehr habe auch die Amazons-Synode geprägt, die im Oktober auf Einladung von Papst Franziskus in Rom stattgefunden habe. Dort seien die Indigenen zum ersten Mal als selbstbewusste Personen in der Kirche aufgetreten, betonte Barreto. Zugleich beklagte er Angriffe auch von Kardinälen gegen Papst Franziskus und die Indigenen. Diese seien von einem doktrinären Ungeist und von Unkenntnis geprägt: „Niemand kann etwas lieben, das er nicht kennt.“

Bischof Genn griff die Aussagen von Kardinal Barreto zur Amazonas-Synode für den gerade begonnen Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland auf: „Wir müssen bereit sein, uns während dieses Prozesses auch überraschen zu lassen.“ Genn, der im März dieses Jahres selbst Peru und die Amazonasregion in Brasilien bereist hatte, sagte, dass die Amazonas-Synode bei ihm zu einer weiteren Sensibilisierung geführt habe. Es bleibe ein „ständiger Stachel im Fleisch“, dass die Kirche in Deutschland eine reiche Kirche sei, auch, wenn sie so in der Lage sei, anderen zu helfen.

„Es bleibt aber die Herausforderung, dass wir nicht länger auf Kosten der Armen leben dürfen“, sagte Genn. Umso wichtiger sei es, den Menschen aus Amazonien mit Respekt zu begegnen, sich mit Ratschlägen an sie zurückzuhalten und sich selbst und sein eigenes Konsumverhalten immer neu zu überprüfen.