Das schräge „Maria Eetcafe“ in Köln

Maria im Paradies des belgischen Biers und der Pommes

Wer am Kölner Westbahnhof ankommt, findet gleich am Ausgang das Haus der Gewerkschaft Verdi. Wer jetzt nicht genauer hinsieht, verpasst das Beste: Im Erdgeschoss gibt es nämlich 40 Sorten belgischer und niederländischer Biere, davon fünf vom Fass. Ebenso schön: das Ambiente - und die Schutzpatronin des Ganzen. Die Gottesmutter ist im „Maria Eetcafe“ allgegenwärtig. Sie empfängt die Gäste und macht es ihnen so gemütlich wie in einem belgischen Wohnzimmer der Sechzigerjahre.

Miriam und Sebastian Dick sind gar nicht sonderlich religiös. „Das Bedürfnis war in der Jugend einfach nicht mehr so groß“, sagt Sebastian, der Wirt. Aber die vielen historischen Darstellungsformen Marias in Belgien und den Niederlanden war ihnen so sympathisch, dass sie 2012 ihr Lokal zwischen dem Belgischen Viertel und Köln-Ehrenfeld nach ihr benannten.

Maria statt Klischee

„Wir wollten keinen kitschigen oder klischeehaften Namen wie 'Frau Antje' oder sowas“, meint Sebastian Dick. „Und Maria kann man in allen Sprachen sagen.“

Im Eingang steht eine große Madonna, vielleicht 90 Zentimeter hoch, mit Bierflasche in der einen und einer kleinen Pommes-Schüssel in der anderen Hand. Darf man Maria auf solche Art einspannen? „Erst hatten wir Bedenken hier im katholischen Köln“, gibt der Wirt zu. „Aber man muss es auch nicht katholischer machen, als es ist. Das ist eine bunte Szene hier - eine Großstadt eben mit vielen unterschiedlichen Interessen.“

Maria trinkt nicht

Vielleicht vier Leute hätten sich in den sechs Jahren beschwert, ob das denn sein müsse. „Aber das war alles eher harmlos“, meint Dick. Er plädiert für ein Augenzwinkern: „Sie zeigt doch nur, was es hier gibt, und isst und trinkt gar nicht mit.“ Im Gegenteil: Einmal hätten sogar Priesteramtskandidaten vor ihrer Weihe im „Maria“ ihren „Junggesellenabschied“ gefeiert.

Aber warum überhaupt Belgien, die Niederlande? Miriam Dick (34) stammt aus Dortmund, Sebastian (37) aus dem Oberbergischen. „Das ist keine sehr große Geschichte“, meint der Wirt. Die Liebe rührt aus der Jugend her, von Familienurlauben am Meer. Pommes, Frikandel, Sate-Soße, später kam Interesse am Bier dazu.

Belgische Biervielfalt

Die Kreativität und Vielfalt der Bierlandschaft Belgiens ist schier unendlich. Rund 1.000 Varianten sind verzeichnet. Ende 2016 wurde die nationale Bierkultur ins immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen.

Schon die Namen auf der Karte des Maria-Cafes verheißen Genuss und Gaudi: „Malheur 10“, ein blondes Starkbier; „Delirium Tremens“, ein Triple aus Melle, nach dem man rosa Elefanten sieht; „Pauwels Quak“, ein malziges Bernsteinfarbenes aus Buggenhout.

Das beste Bier überhaupt steht auf der Karte

Am besten läuft im „Maria“ das süffige Abteibier „Leffe blonde“. Der Favorit des Wirtes derzeit: „La Trappe“, ein würziges Trappistenbier aus dem niederländischen Koenigshoeven mit kräftig goldener Farbe.

Die Königin der Karte - und die ultimative Königin der belgischen Biere: Westvleteren. Das Trappistenbier gehört zu den begehrtesten der Welt. Wiederholt zum besten Bier überhaupt gekürt, werden im „Maria-Cafe“ - wie in Belgien selbst - 15 Euro pro Flasche aufgerufen.

Besser nicht wild probieren

Aber Vorsicht: Belgisches Bier hat kein deutsches Reinheitssiegel. Wildes Kreuz- und Querprobieren kann ein ungutes Nachspiel haben. Zudem ist der Alkoholgehalt meist höher als bei Durchschnittsbieren - einem Gesetz sei Dank, das zwischen 1919 und 1983 Spirituosen in Belgien verbot. Dafür bieten die Belgier eine Vielfalt von Aromen und Nuancen, von dem der reine Einheitsbräu der Großkonzerne nur träumen kann.

Die Gäste sind nach Worten Dicks zwischen sechs und 96 Jahre alt, „die meisten Stammkundschaft“. Die einen kämen wegen der doppelt frittierten Pommes, die anderen wegen des Bieres, die nächsten wegen der Lage oder wegen der wunderbar schrägen Innenausstattung.

Madonnen und Hirschgeweihe

Marienfiguren, Hirschgeweihe, Lampenschirme stammen vom Sonntagsflohmarkt in Tongeren, dem größten und bestsortierten in ganz Belgien. Dazu eine wunderbare pseudobarocke Himmelsmalerei und über der Bar zwei schwere Kristalllüster.

„Der Toni“ aus Vogelsang kommt nicht wegen der Ausstattung und auch nicht wegen des Biers. Der ältere Herr, gut in den 70ern und mit Gehstützen unterwegs, erzählt leutselig: „Das Lokal kenn' ich schon seit 55 Jahren. Das war ja hier das Gewerkschaftshaus, und die Kneipe im Erdgeschoss war unser Treffpunkt. Später war hier drin ein Tanzlokal.“

Na klar gefällt ihm, was die Dicks aus dem Laden gemacht haben. „Ich erzähle immer meinen Bekannten von den Madonnen hier.“ Auf dass sich das Motto auf der Speisekarte des „Maria Eetcafe“ erfülle: „Kommet zuhauf!“