Ökumenische Morgenandacht in Berliner Kathedrale

Vor Bundespräsidenten-Wahl: Kirchen werben für Zusammenhalt

Ökumenische Andacht vor Bunderspräsidentenwahl
Zum Auftakt der Bundesversammlung haben die Kirchen eine ökumenische Andacht gefeiert. Mit dabei: Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender.Foto: KNA

Zum Auftakt der Bundesversammlung haben die beiden großen Kirchen an das Verbindende der Gesellschaft erinnert und zum Zusammenhalt aufgerufen. Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch appellierte bei einer ökumenischen Morgenandacht in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale an jeden Einzelnen, sich vor einer solchen Wahl zu fragen, »was hält uns eigentlich zusammen, wir geben wir einander Halt«. Er wünsche allen Mitgliedern der Bundesversammlung, so Koch weiter, einen »Tag voller Haltung und voller Zusammenhalt«.

Zu der Morgenandacht waren unter anderen der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie der aussichtsreichste Kandidat für Gaucks Nachfolge, Frank-Walter Steinmeier (SPD), und seine Gattin Elke Büdenbender gekommen. Auch zahlreiche Bundesminister und Ministerpräsidenten der Länder, Parlamentarier sowie prominente ernannte Mitglieder der Bundesversammlung waren anwesend.

Jüsten: Christliche Gebote für Zusammenhalt überlebenswichtig

Die Fürbitten hielten der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Linken-Abgeordnete Petra Pau sowie die beiden religionspolitischen Sprecher von SPD und Union, Kerstin Griese (SPD) und Franz Josef Jung (CDU).

Der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Karl Jüsten, erinnerte in der Andacht an die Kraft der christlichen Gebote. Viele Werte seien Teil der Rechtsordnung geworden, aber gerade die, »die nicht zu Gesetzen wurden, sind für den Zusammenhalt einer offenen, pluralen Gesellschaft überlebenswichtig«. Wenn ein Mindestmaß an moralisch verantwortlichem Verhalten nicht von allen gelebt werde, »droht die Basis, auf der unsere Demokratie errichtet ist, zu zerfallen. Dann verlieren wir mehr als nur eine christlich tradierte Kultur«, mahnte Jüsten.

EKD-Bevollmächtigter wünscht Bundespräsidenten Kraft der Liebe

Der Glaube könne zudem in einer immer kompliziert werdenden Welt auch Halt und Gelassenheit schenken, so Jüsten weiter. »Wer glaubt, braucht nicht in innerweltlichen Heilzusagen und Ideologien Halt zu suchen.« Jüsten erinnerte zudem an den Gemeinsinn der Bundesversammlung. Diese dürfe nicht zu gering geschätzt werden.

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Martin Dutzmann, wünschte dem künftigen Bundespräsidenten den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Zugleich erinnerte Dutzmann daran, dass auch ein Staatsoberhaupt ein Mensch mit Stärken und Schwächen bleibe, der Fähigkeiten und Fehler habe und bei dem es gute und schlechte Tage gebe.

Dutzmann nahm dabei Bezug auf das biblische Gleichnis von den »Arbeitern im Weinberg« und den darin beschriebenen guten Hausherrn, der sich von der Nächstenliebe leiten lasse. »Es ist himmlisch, wenn Menschen nach dem Vorbild des guten Hausherrn aufeinander achten und füreinander da sind«, schloss Dutzmann.