Unterwegs mit Monika und Hinrich Pape

Was dem Pilger beim Wandern fehlt

Da fehlte etwas. Auch wenn die Tour vor vier Jahren eigentlich alles hatte, was man sich unter einer richtigen Pilgertour vorstellt. Vor allen Dingen: Format.

3.200 Kilometer zu Fuß sind Monika und Hinrich Pape 2013 nach Santiago de Compostela gelaufen, die gesamte Strecke. Vom Mai bis November. Von ihrer Haustür in Oldenburg bis ans Grab des heiligen Jakobus und weiter bis ans Kap Finesterre an die spanische Atlantikküste. Mit Rucksack und Blasen an den Füßen und mit all den Glücksgefühlen, die die Menschen verbinden, die irgendwann das Ziel des Jakobswegs erreichen.

Ein Jahr auf dem Jakobsweg

Das Paar hatte sich dazu eigens ein Sabbatjahr genommen. Monika Pape von ihren Aufgaben als Pädagogin an der Hochschule Wilhelmshaven, Hinrich Pape, der ausgebildete Kapitän zur See, von seinem Dienst in der niedersächsischen Hafenbehörde. Eine Auszeit für eine intensive Erfahrung, keine Frage. Und doch: Ihnen fehlte etwas.

Monika Pape erklärt: „Was wir dabei vermisst haben, das waren spirituelle Impulse, wie wir sie von früheren Touren kannten. Dass jemand Fragen und Anregungen gibt.“ So wie es die 48-Jährige und ihr 59-jähriger Mann ein paar Jahre zuvor bei einer Fahrt nach Italien kennengelernt hatten.

Der gewisse Unterschied

Vierzehn Tage im Frühling, das Forum St. Peter in Oldenburg hatte dazu eingeladen. Egbert Schlotmann, damals Pfarrer am Forum, gab als Begleiter täglich Impulse zum Nachdenken.

„Dabei haben wir den Unterschied gespürt zwischen Wandern und Pilgern“, sagt Monika Pape. Immer noch sprüht sie vor Begeisterung, wenn sie davon berichtet. Von den Gedanken an Franziskus und sein Leben im Kopf – und der Natur vor Augen.

Begleiter-Ausbildung in der Schweiz

Ein Bekannter aus der Schweiz, den das Paar auf dem Jakobsweg kennengelernt hatte, machte Monika und Hinrich Pape dann im vergangenen Jahr auf ein Seminar einer evangelischen Gemeinde in Zürich aufmerksam: eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Pilgerbegleiter an drei Wochenenden.

Monika Pape war sofort Feuer und Flamme. Das interessierte sie! „Vielleicht können wir damit lernen, selbst künftig Menschen zu begleiten und Impulse zu setzen“, dachte sie sich und absolvierte gemeinsam mit ihrem Mann die Kurse.

Abseits ausgetretener Pfade unterwegs

Seither sammeln die beiden Praxiserfahrungen in der neuen Rolle als Begleiter. Nicht etwa auf ausgetretenen Pilgertouren in Südeuropa, sondern vor Ort im Oldenburger Land. In diesem Jahr unter anderem mit Tages­etappen auf dem Teil des Jakobsweges, der von Bremen kommend über Wildeshausen, Visbek, Vechta, Lohne, Kroge und Steinfeld weiter in Richtung Osnabrück führt. Hinrich und Monika Pape bieten die Touren in Zusammenarbeit mit dem Forum St. Peter an.

Monika und Hinrich Pape | Foto: Michael Rottmann
Monika und Hinrich Pape | Foto: Michael Rottmann

Dort hatten sie im Januar von ihren Pilger-Erfahrungen berichtet und ihre Idee vorgestellt: sich gemeinsam in kleinen Gruppen zu Pilgertagen aufzumachen. „Dabei sind wohl mehrere Zuhörer vom Pilgervirus  infiziert worden“, sagt Monika Pape lächelnd. „Einige haben sich gleich für mehrere Teilstrecken angemeldet.“ Ihre erste Tour startete in Wildeshausen. Das Angebot soll persönlich bleiben. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt. Die meisten Termine sind ausgebucht. „Wir führen eine Warteliste“, sagt Monika Pape. „Das zeigt uns, dass begleitetes Pilgern ein gutes Angebot ist.“

Praktisch und lebensnah

Eines, das überwiegend Frauen anspreche. „Aber es laufen durchaus auch Männer mit“, betont Hinrich Pape. Die Altersspanne der Teilnehmer bewege sich zwischen 30 und 70 Jahren.

Jede Etappe steht unter einem Thema. Die Teilnehmer wissen, auf was sie sich einlassen. „Viele wollen sich ganz bewusst unterwegs mit ihrem Glauben auseinandersetzen“, sagt Monika Pape. „Aber scheinbar eben weniger theologisch-theoretisch, sondern mit ganz praktischen, lebensnahen Fragen. Und mit dem Blick auf eigene Erfahrungen.“

Geteiltes Glück ist doppeltes Glück

Im Frühjahr lautete das Motto: Lebensfreude – geteiltes Glück ist doppeltes Glück. Monika Pape schwärmt: „Das passte supertoll zur Pfingstgeschichte. Davon haben wir den Teilnehmern auch erzählt. Zum Beispiel von der Verzweiflung der Jünger, und wie irgendwann die Freude aufkam.“ Da sei es nicht so schwer gewesen, daran anzuknüpfen und zu fragen: „Was bedeutet euch denn Freud in eurem Leben?“ Und die Teilnehmer unterwegs ins Nachdenken und Reden zu bringen.

Monika und Hinrich Pape verstehen sich als Begleiter im Wortsinn. Sie bereiten auch die Besinnung vor, mit der sich die Teilnehmer meist in einem Gotteshaus am Weg auf die Tour einstimmen, und geben unterwegs Impulse. Außerdem stehen sie unterwegs als Gesprächspartner zur Verfügung. „Zuviel darf es aber nicht sein,“ lautet Hinrich Papes Erfahrung.

Manchmal wundern sie sich über die Reaktionen

Auch wenn sie wissen, um was es Ihnen bei ihrem Angebot geht – manchmal stellen sie die Reaktionen der Teilnehmer vor Rätsel. Monika Pape denkt an die flüchtige Begegnung mit einer Teilnehmerin einige Wochen nach einer Tour.

Die Frau sei ganz begeistert gewesen. „Ich habe mich schon wieder angemeldet. Das hat schon so viel bewirkt bei mir“, habe sie gesagt. „Was haben wir denn getan? Was machen wir denn da bloß?“, habe sich Monika Pape danach gefragt.

In Zukunft würden die beiden gern mal eine etwas längere Tour anbieten, vielleicht über ein Wochenende, vielleicht eine Woche in Frankreich. Aber weit weg müsse es nicht unbedingt sein. „Pilgern geht hier in der Ecke genauso gut“, sagt Hinrich Pape. Er hat den Vergleich.

 

Die Pilgertage
Mit bis zu 15 Teilnehmern machen sich Monika und Hinrich Pape bei ihren Tages-Etappen auf dem oldenburgischen Teil des Jakobswegs auf den Weg. Die Anmeldungen laufen über das Forum St. Peter in Oldenburg, Telefon 04 41/3 90 30 60. Die Tage beginnen mit einem Pilgersegen oder einer kleinen Einführung zum Motto des Pilgertages. Vier bis fünf Stunden ist die Gruppe unterwegs. Zwischendurch gibt es ein Mittagessen. Monika und Hinrich Pape laufen alle Strecken vorher ab. Weitere Informationen dazu unter „www.forum-st-peter-de“.