Kirche+Leben Lexikon

Was ist eine Heilige Pforte?

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Die Heilige Pforte ist ein bestimmter Eingang einer Kathedralkirche, der nur zu Heiligen Jahren geöffnet ist. Die feierliche Öffnung und Schließung durch den zuständigen Bischof markieren Beginn und Abschluss eines Jubeljahres. Die Kathedrale von Santiago de Compostela erhielt 1122 von Papst Calixt II. das Privileg, „Heilige Jahre“ durchführen zu dürfen. Spätere Päpste bestätigten dies. Die „Puerta Santa“ oder „Puerta del Perdon“ (Gnadentor) des Gotteshauses darf nach dem „Codex Calixtinus“ nur in Schalt- und Jubiläumsjahren geöffnet werden. Diese sind, wenn der 25. Juli, der Todestag des heiligen Jakobus, auf einen Sonntag fällt.

In der Silvesternacht hat Santiagos Erzbischof Julian Barrio Barrio die Heilige Pforte von außen mit drei Hammerschlägen öffnen. Diese Zeremonie wurde im 15. Jahrhundert gemäß der Einführung des Rituals zur Öffnung der Heiligen Pforte in der römischen Peters-Basilika übernommen. Barrio durchschritt als erster die „Porta Santa“ durchschreiten. Danach stand sie allen Gläubigen offen, die zum heiligen Jakobus pilgern.

Mit dem Durchschreiten wird der Übergang von der Schuld zur Gnade symbolisiert. Der Brauch erinnert an die frühchristliche Praxis, wonach Neu-Christen die Kirchenschwelle erst nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen und schwere Sünder sie erst nach Sühne ihrer Schuld überschreiten durften.

Das letzte compostelanische Heilige Jahr fand 1999 statt. Neben den 115 regulären Heiligen Jahren seit dem zwölften Jahrhundert gab es auch zwei außerordentliche. Das eine rief 1885 Papst Leo XII. wegen der „apostolischen Beglaubigung“ der lange verschwundenen sterblichen Überreste des heiligen Jakobus aus. Das zweite fand 1938 statt, da wegen des Spanischen Bürgerkriegs die Feier um ein Jahr verschoben wurde.