Interview mit Klaus Hammelbeck über die Seelsorge im Stift Tilbeck

Wie Menschen mit Beeinträchtigung trotz Corona die Kartage begehen

Das Seelsorgeteam im Stift Tilbeck, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Havixbeck (Kreis Coefeld), hält auch in der Krisenzeit in besonderer Form Kontakt zu den Bewohnern. Wie dies konkret im Alltag und zu Ostern geschieht, verdeutlicht der Leiter der dortigen Seelsorge, Pastoralreferent Klaus Hammelbeck, im Interview.

Auch im Stift Tilbeck gilt absolutes Besuchsverbot und in den Werkstätten eingeschränktes Arbeiten. Vor welchen Herausforderungen steht das Seelsorgeteam?

Die Herausforderungen für die Seelsorge in dieser Zeit sind die, Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Beschäftigten der Werkstätten und den Mitarbeitern zu halten und gleichzeitig diejenigen, die einer Risikogruppe angehören, zu schützen. Wir arbeiten derzeit intensiv über den Tilbecker Hauskanal und übertragen mit dieser Möglichkeit via Kamera aus unserer Kapelle Gottesdienste und Impulse.

Darüber hinaus schreiben wir zum Beispiel der großen Gruppe der Messdienerinnen und Messdiener - das sind ausschließlich Menschen mit Behinderungen - Briefe, die diese zum Teil selbstständig, zum Teil mit Unterstützung, schriftlich oder über einen Anruf beantworten. So erhalten wir Rückmeldungen über ihr aktuelles seelisches Befinden.

Video-Telefonie mit uns Seelsorgenden ist für alle Mitarbeiter wie für alle Bewohner und Beschäftigte möglich. Mit Unterstützung des Freundeskreises Stift Tilbeck schaffen wir Tablets für jede Wohngruppe an, die die Möglichkeiten der Kontaktpflege erweitern.

Welche Rolle spielt der Tilbecker Hauskanal für die Kommunikation?

Wir übertragen aus der Kapelle geistliche Lieder mit der Anregung, in den Gruppenräumen der Wohnhäuser mitzusingen. Die Bewohner haben die Möglichkeit, ihre Wünsche hinsichtlich einer Liedauswahl zu nennen. Am Sonntagmorgen wird ein Morgenimpuls, ein Morgengebet übertragen. Mit Blick auf die Menschen in Tilbeck sind uns Musik, Wort und kreative Umsetzung wichtig, wie zum Beispiel ein Anspiel und die Verdeutlichung biblischer Geschichten mit Egli-Figuren. Für die Menschen ohne Zugang zum Internet ist die Teilhabe über ein Tablet mit lokaler Speicherung oder eine Speicherung auf einem Stick möglich, der an den Fernseher angeschlossen wird.

Vor einigen Tagen haben Sie eine langjährige Bewohnerin von Stift Tilbeck auf dem hauseigenen Friedhof im kleinen Kreis beerdigt. Viele Tilbecker durften nicht daran teilnehmen. Wie konnten Sie den Abschied würdevoll gestalten?

Beisetzungen sind in dieser Zeit leider nur im kleinsten Kreis möglich. Um einer Ansteckungsgefahr vorzubeugen, beginnen wir mit einem Wortgottesdienst draußen vor der Kapelle und gehen im Anschluss daran zum Grab auf dem Friedhof. Mitarbeitende und Bewohner der Wohngruppe des Verstorbenen sind die ersten, die sich beteiligen können und dürfen.

Um Abschied zu nehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Einzelne Menschen oder kleine Gruppen gedenken der Verstorbenen in der Kapelle, sprechen weit voneinander entfernt sitzend ein Gebet und zünden dort eine Kerze an. Manche verabschieden sich vor der Beerdigung im Aufbahrungsraum unterhalb der Kapelle. Geplant ist, im Anschluss an diese Krisensituation einen größeren Gedenkgottesdienst zu feiern.

Wie gestalten Sie die Karwoche und besonders den Karfreitag?

Am Gründonnerstag feiern wir in unserer Kapelle die Heilige Messe, die wieder über den Hauskanal übertragen wird. Dazu können uns die Bewohner und Mitarbeitenden Porträtfotos zuzusenden, die wir ausdrucken und in die Bänke unserer Kapelle legen. Somit wissen die Menschen, die gern die Gottesdienste in Tilbeck mitfeiern, dass sie mit ihrem unverwechselbaren Gesichtsausdruck in gewisser Weise mit dabei sind.

Am Karfreitag wird der Kreuzweg so gestaltet, dass wir als Seelsorgeteam die Stationen an bestimmten Punkten vor Wohnanlagen halten. In diesem Jahr können sich unsere Bewohner aktiv nicht einbringen. Sie werden von den Gruppenräumen aus bei geöffnetem Fenster teilnehmen. Eine neu angeschaffte mobile Lautsprecheranlage wird Instrumentalmusik, Gesang, Texte verstehbar machen.

Welche Feiern zu Ostern bereiten Sie vor?

Am Ostersonntag feiern wir um 10 Uhr die Eucharistie, die übertragen wird. Zeitgleich werden in den Wohngruppen Osterkerzen entzündet, die sie in der Karwoche individuell gestaltet haben. Eine Mitarbeiterin der Tilbecker Werkstätten sammelt Fotos und stellt sie in Form einer Collage zusammen, die vervielfältigt allen Beteiligten zur Verfügung gestellt wird.