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Pater Daniel Hörnemann OSB über biblische Vorstellungsgespräche

Auslegung der Lesungen vom 2. Sonntag im Jahreskreis (A)

Gleich dreimal erzählen die Lesungen dieses Sonntags von Menschen mit einem besonderen Auftrag. Ihre Mission war nicht immer einfach. Was ist mein Plan fürs Leben? Was hat Gott mit mir vor?

Gleich dreimal erzählen die Lesungen dieses Sonntags von Menschen mit einem besonderen Auftrag. Ihre Mission war nicht immer einfach. Was ist mein Plan fürs Leben? Was hat Gott mit mir vor?

Erröten, stammeln, stottern: Wer nicht weiß, wie er sich selbst richtig vorstellt oder jemand anderen bekannt macht, kann schnell ins Schwitzen geraten. Es ist ein Akt der Höflichkeit, einander darüber zu informieren, mit wem man es zu tun hat. Es geht darum, Fremdheit zu überwinden und Kommunikation zu ermöglichen. Bei einem Vorstellungsgespräch kommen zudem die Erfassung fachlicher Qualifikationen und sozialer Kompetenzen ins Spiel.

Die Texte des Sonntags bringen gleich drei Vorstellungen zur Sprache. In der Jesaja-Lesung stellt sich der „Knecht“ vor. Im Ersten Korintherbrief präsentiert sich Paulus. Im Johannes-Evangelium macht uns Johannes der Täufer erstmalig mit Jesus bekannt.

Geheimnisvoller „Gottesknecht“

Der Gottesknecht bei Jesaja bleibt geheimnisvoll, sein persönliches Schicksal liegt im Dunkeln. Ist er mit dem Propheten identisch? War er eine Einzelpersönlichkeit oder ist das ganze Volk Israel damit gemeint? Jedenfalls gehört er zum Gottesvolk und ist gleichzeitig von Gott zu ihm gesandt.

Seine Berufung zielt auf den Einsatz für und gegen Israel. Er soll das verstreute Volk sammeln und heimführen nach Jerusalem. Darüber hinaus soll er ein Licht für alle Völker werden und Gottes Heil bis an das Ende der Welt sichtbar machen (Jes 49,6). Was für eine Aufgabe und Herausforderung! Sie ist wohl nur durchzutragen im Bewusstsein, sich voll und ganz auf Gott verlassen zu können.

Vergebliche Mühe

Er spielt bereits von Geburt an eine Rolle im Leben des Berufenen. Dennoch erschien dem Gottesknecht sein Einsatz fraglich, seine Mühe vergebens. In einer Welt, die von Krieg, Terror, Gewalt, Menschenverachtung und Ausbeutung geprägt ist, bekommt er starken Gegenwind. Dem Rest Israels in seine Dunkelheit ein Licht zu bringen, ist schon schwer genug. Obendrein soll er auch noch ein Licht für die Gottlosen der ganzen Welt sein. Wer käme da nicht an den Rand seiner Möglichkeiten?

Niemand kann einem anderen seinen Lebensauftrag abnehmen. „Die schwersten Wege werden alleine gegangen, die Enttäuschung, der Verlust, das Opfer, sind einsam. – Es muss gegangen sein. – Und doch, wenn du lange gegangen bist, bleibt das Wunder nicht aus, weil das Wunder immer geschieht, und weil wir ohne die Gnade nicht leben können“, schreibt die Dichterin Hilde Domin. Vielleicht erweist es sich dann am Ende: „Mein Gott war meine Stärke“ (Jes 49,5).

Das Sonntags-Evangelium zum Hören.

Von Gott berufen

Paulus war ebenfalls ein von Gott Berufener. Er schreibt an die christliche Gemeinde in Korinth, Streitigkeiten waren der Anlass für seinen Brief. Paulus, der Gemeindegründer, seine Autorität und der Inhalt seiner Verkündigung waren in Frage gestellt. Vor diesem Hintergrund präsentiert sich Paulus als „durch Gottes Willen berufener Apostel Jesu Christi“. Er hat sich nicht selbst berufen. Die Adressaten seines Briefs spricht er ebenfalls in ihrer Würde als von Gott durch Christus Berufene und Geheiligte an.

Auch wenn es einen Streit auszufechten gilt, drückt Paulus am Briefanfang mehr als nur floskelhaftes Wohlwollen aus, vielmehr seine Wertschätzung und Hochachtung. Sein Stil ist geradezu vorbildhaft für den Umgang von Konfliktpartnern miteinander in Kirche und Gemeinden.

Johannes und das Lamm

Johannes legt von Jesus Zeugnis ab. Er sieht seine Aufgabe darin, „Israel mit ihm bekannt zu machen“ (Joh 1,31). Von sich selbst bekennt er, weder der Messias noch Elija oder ein anderer Prophet zu sein. In der Anerkennung des Größeren beweist er eigene Größe.

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus NoltePater Daniel Hörnemann ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus Nolte

Im Johannes-Evangelium wird Jesus bildhaft vorgestellt als das „Lamm Gottes“, eine Aussage, die sein Leiden und seinen Tod am Kreuz vorwegnimmt. Dann als der, auf den „der Geist Gottes herabkommt“, bei dem dieser Geist bleibt und aus dem heraus er taufen wird. Schließlich als „Sohn Gottes“ und Messias. Seine bislang verborgenen Eigenschaften werden nun bekannt gemacht.

Was hat Gott mit uns vor?

Johannes spürt, dass alle Vorhersagen der Propheten in Jesus erfüllt sind. Seine besondere Sendung ist es, den Messias, den er persönlich erfahren darf, Israel bekannt zu machen. Gottes Heil soll „das Ende der Erde“ (Jes 49,6), alle Zeiten und uns heute erreichen.

Welchen Auftrag haben wir in dieser Welt? Was hat Gott mit uns vor? Wir können zu denen gehören, die den Namen Jesu Christi, des Herrn, anrufen (1 Kor 1,2). Nur das, wovon wir eine eigene Vorstellung im Glauben haben, vielleicht nur eine Ahnung, können wir anderen Menschen bekannt machen. In jeder Begegnung liegt da eine große Chance.

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