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Pater Daniel Hörnemann OSB über Dynamit für Limonade-Christen

Auslegung der Lesungen vom 4. Sonntag im Jahreskreis (A)

Der Prophet Zefanja redet Tacheles. Er verurteilt jene, die dick und fett geworden sind auf Kosten anderer. Und Jesus preist die selig, die arm sind. Klare Botschaften auch heute.

Sein Grab befindet sich im Münsteraner Park Sentmaring. Man nannte ihn das „Maschinengewehr Gottes“: Pater Johannes Leppich. Der cholerisch-charismatische Jesuit hatte das Talent, bis zu 40.000 Menschen in Fußballstadien und auf öffentlichen Plätzen zu versammeln. Sie kamen in Scharen, obwohl sie mit Publikumsbeschimpfung rechnen mussten. Sie hörten den gern, der nie ein Blatt vor den Mund nahm.

Er schlug keine pastoralen Töne an und verkündete keine frohe Botschaft. Er wetterte gegen feiste Bischöfe, Priester und Ordensleute sowie gegen „Limonaden-Christen“, gegen Bequemlichkeit, Prinzipienlosigkeit und Glaubensfeigheit. Er war ein umstrittener Wanderprediger und trieb dabei die Sprache des Menschen von der Straße auf die Spitze. Gegen eine „Kirche der Krämerseelen“ und ein „verfettetes Christentum“ setzte Johannes Leppich seinen Wahlspruch: „Das Evangelium ist nun mal kein Schlafpulver, sondern Dynamit.“

Dick und fett geworden auf Kosten anderer

Er verkündete „Christus auf der Reeperbahn“, er hatte die Not der Menschen in Gefängnissen und Flüchtlingslagern selbst miterlebt, und er geißelte die Missstände der Wohlfahrtsgesellschaft. Die schmächtige Gestalt im schwarzen Ordenskleid wirkte wie ein moderner Prophet. War er so etwas wie ein Zefanja der Fünfzigerjahre?

Die alttestamentliche Gestalt des 7. Jahrhunderts v. Chr. steht ihm in der Wortwahl in nichts nach. Zefanja wird häufig als der „Mann mit der Laterne“ abgebildet, was auf seine Gerichtsrede über Juda zurückgeht: „In jener Zeit durchsuche ich (Gott selbst ist gemeint) Jerusalem mit der Laterne und rechne ab mit den Herren, die dick und fett geworden sind auf Kosten anderer, nur herumlungern und denken: Der Herr tut weder Gutes noch Böses“ (vgl. Zef 1,12).

Gott erwählt, was „nichts ist“

Zefanja spricht nur eine vage Hoffnung aus. Eine Zukunft, wenn überhaupt, liegt einzig und allein bei Gott. Wenn die Menschen sich bekehren, mag das „vielleicht“ (Zef 2,3) ihre Rettung bedeuten. „Armut“ und „Demut“ meinen bei dem Propheten das Wissen darum, dass das Heil nur von Gott her kommt. Nur wer sich vor Gott als Bedürftiger weiß, mag zu dem Rest Israels gehören, der seine Weisung und seinen Trost findet (Zef 3,13), zu dem „Schwachen in der Welt“, zu dem, „was nichts ist“ (1 Kor 1,27f), das Gott erwählt. Der Mensch kann sich nichts einbilden auf sein Wirken.

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann OSB ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“Pater Daniel Hörnemann OSB ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus Nolte

Nach den Weherufen durch Zefanja folgen die neun Seligpreisungen Jesu im Matthäus-Evangelium. Seligpreisungen waren den Zeitgenossen Jesu durchaus geläufig. Schon das Buch der Psalmen im Alten Testament beginnt so: „Selig der Mensch, der Freude hat an der Weisung des Herrn“ (Ps 1,1). Im Hintergrund der Verheißungen Jesu stehen alttestamentliche Texte wie Jesaja 61: „Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, – damit ich alle Trauernden tröste. Die Seligpreisungen verheißen dem Glück und Segen, der „seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn“ (Zef 3,12). Gott wird sie uns gewähren.

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