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Pater Daniel Hörnemann OSB: „Die Taufe verweigern?“

Auslegung der Sonntagslesungen an „Taufe des Herrn“ (A)

Mit dem Fest der „Taufe des Herrn“ endet die Weihnachtszeit - und im Matthäus-Evangelium beginnt damit das öffentliche Wirken von Jesus. Warum beginnt er bei Johannes im Jordan?

Mit dem Fest der „Taufe des Herrn“ endet die Weihnachtszeit - und im Matthäus-Evangelium beginnt damit das öffentliche Wirken von Jesus. Warum beginnt er bei Johannes im Jordan?

Jesus wurde nicht als Kleinkind ins Gotteshaus zur Taufe getragen, wie vielleicht noch die meisten von uns, sondern kommt etwa dreißig Jahre nach seiner Geburt als Erwachsener aus Galiläa an den Jordan, wo Johannes tauft. Jesus mischt sich unter die Menschen, die Gott suchen. Er stellt sich mit Sündern in eine lange Warteschlange. Er solidarisiert sich mit ihnen. Die Johannes-Taufe war ein Zeichen der Umkehr zu Gott, der neuen Hinwendung.

Doch der Täufer verweigert Jesus die Taufe. Johannes hält sich für unwürdig. Wenn überhaupt, dann müsste umgekehrt Jesus ihn taufen. Der erste Dialog mit Jesus bringt gleich eine Auseinandersetzung. Johannes muss erst im Gespräch überzeugt werden und gibt dann nach.

Die Antwort Jesu auf die Weigerung des Johannes, das erste Wort, das er im Matthäus-Evangelium (3,15) spricht, hat programmatische Bedeutung: „Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.“

Ganz von Gott angenommen

Wir? Das meint Jesus, Johannes und alle anderen Menschen. Ziel der Taufe ist die Erfüllung des Gotteswillens. Darin ist Jesus Urbild und Beispiel für seine Kirche. Es geht um eine grundlegende Veränderung im Verhältnis von Gott und Mensch. Dafür tritt Jesus ein wie der Gottesknecht des Jesaja (49,6), den Gott berufen hat, „der Bund zu sein für sein Volk und das Licht für die Völker“. In Jesus sandte er sein Wort des Friedens zu allen Menschen und seine heilende Kraft (vgl. Apg 10,38).

In seiner Taufe erhielt Jesus die klare Zusage, ganz von Gott angenommen zu sein, die persönliche Vision, den Himmel offen zu sehen, den Geist Gottes zu empfangen und die Vergewisserung, dass Gott mit ihm ist. Hier geschieht „Epiphanie“, die Wirklichkeit Gottes leuchtet für ihn auf. Jesu Leben und Wirken wird im Matthäus-Evangelium vom Gedanken der Taufe eingerahmt.

Beziehung braucht Dauer

Vor dem Beginn seines öffentlichen Auftretens lässt Jesus sich taufen, am Ende des Evangeliums fordert er seine Jünger auf (Mt 28,19f): „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie im Namen des dreieinigen Gottes. Lehrt sie all meine Worte!“ Für ihn selbst ist die Taufe Anfang und Ausgangspunkt seiner wachsenden Beziehung zu seinem Vater. In diese Beziehung will er alle Menschen mit hineinnehmen. Seine Grundbotschaft ist, dass alle Menschen Gotteskinder sind und werden können. Die Taufe ist fortan wie alle Sakramente ein Zeichen der Nähe und Zuneigung Gottes zum Menschen.

Das Evangelium zur „Taufe des Herrn“ zum Hören.

Die Taufe verweigern? Das dürfte bei der Sakramentenspendung die absolute Ausnahme sein. Die Weisung Jesu „Lass es nur zu!“ gilt auch heute, selbst wenn Geistliche insgeheim Bedenken haben mögen. Die meisten sind froh, wenn überhaupt noch jemand sein Kind zur Taufe bringt. Jeder Taufwunsch birgt eine Chance, für den Täufling ebenso wie für die Menschen in seiner Umgebung. Die besonderen Gelegenheiten im Leben des Menschen wie Geburt, Hochzeit und Tod verlangen fast von selbst nach feierlicher Begehung. Die Feiermomente allein reichen jedoch nicht. Eine lebendige Beziehung braucht Dauer.

„Religion ist kein Ereignis mehr“

„Die Religion unserer Tage fordert wenig vom Menschen. Sie bietet bereitwillig Trost – aber sie hat nicht den Mut zur Herausforderung; sie bietet bereitwillig Erbauung – aber sie hat nicht den Mut, Götzen zu stürzen und Gleichgültigkeit zu erschüttern. Die Crux ist, dass Religion zu ›Religion‹ geworden ist, zu Institution, Dogma, Ritus. Sie ist kein Ereignis mehr. Sich dazu zu bekennen, bedeutet weder Risiko noch Spannung. – Die Religion verfiel nicht, weil sie abgelehnt wurde, sondern weil sie unverbindlich, langweilig, herrschsüchtig und schwächlich geworden ist. Wenn Glaube durch Bekenntnisformeln ersetzt wird, ritueller Vollzug an die Stelle der Anbetung tritt, wenn die Krise von heute um vergangenen Glanzes willen ignoriert wird, wenn Glaube mehr ein Erbstück ist als eine lebendige Quelle, – dann hat ihre Botschaft allen Sinn verloren.“ So begann der jüdische Religionsphilosoph Abraham Joshua Heschel sein Werk „Die ungesicherte Freiheit“ (1985).

Gott sucht nach dem Menschen

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“.

Seine ans Judentum gerichtete Botschaft trifft auch uns Christen noch heute. Religion ist nicht zuallererst die Frage nach den Bedürfnissen des Menschen. „Sie ist eine Antwort auf die Frage: Wer braucht den Menschen? Sie ist das Bewusstsein, dass der Mensch ein Bedürfnis Gottes ist.“

„Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, die ich erwählt habe“ – so spricht ein Gott, dem etwas am Menschen liegt, für den das Leben eines jeden einzelnen Menschen ein Ereignis ist. Gott ist auf der Suche nach dem Menschen, er will uns entdecken und finden. Gelebte Religion ist dann die Rück-Bindung an den, der uns sucht, der immer schon eine Bindung mit uns eingehen will.

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