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Christoph Grosch aus Kleve nach Chat mit Jugendlichen abgesetzt

Pfarrer und Dechant Christoph Grosch verzichtet auf sein Amt als Pfarrer der Pfarrei „Zur Heiligen Familie“ in Kleve-Materborn. Dies teilte die Bischöfliche Pressestelle Münster mit. Grosch hat Bischof Felix Genn am 9. Januar um seine Entpflichtung gebeten. Der Bischof hat diesem Wunsch entsprochen und den 48-Jährigen mit Ablauf des 12. Januar von seinen Aufgaben entpflichtet.

Die Pfarrverwaltung in Kleve-Materborn übernimmt vorübergehend Propst Johannes Mecking. Die Aufgaben als Dechant übernimmt zunächst Pfarrer Stefan Notz aus der Pfarrei St. Willibrord in Kleve.

Am 13. und 14. Januar wurde in den Sonntagsgottesdiensten in der Pfarrei informiert. Die Pressestelle teilte mit, das Bistum habe „Ende Dezember von einem unangemessenen Kommunikationsverhalten Groschs mit einem Jugendlichen Kenntnis erhalten und unmittelbar Gespräche zur Klärung des Sachverhaltes geführt“.

Frage von Nähe und Distanz

Die Kommunikation mit dem Jugendlichen über den Nachrichtendienst „WhatsApp“ ist nach Auffassung des Bistums nicht mit der Rolle als Pfarrer  zu vereinbaren. „In dem Fall geht es um die Frage von Nähe und Distanz“, erläuterte der Pressesprecher des Bistums, Stephan Kronenburg, gegenüber „Kirche+Leben“.

Der Jugendliche hatte sich einem Seelsorger anvertraut, der Münster informierte. Daraufhin wurden Gespräche mit Grosch, dem Jugendlichen, seinen Eltern und Mitgliedern der Gemeinde geführt. Die Vorfälle hätten nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun, sagte Kronenburg. Der ehemalige Materborner Pfarrer soll keine „strafrechtlich relevante Handlungen“ begangen haben.

Kommunikation über WhatsApp

Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ hat der Priester über den Handy-Kurznachrichtendienst WhatsApp fast zwei Jahre lang mit dem heute 16-Jährigen intensiv kommuniziert. Teils seien mehr als 100 Nachrichten am Tag ausgetauscht worden. Der Chatverlauf umfasse mehr als 3.000-Din-A4-Seiten.

Das Bistum wurde nach eigenen Angaben am 29. Dezember mit dem Fall konfrontiert und habe daraufhin gehandelt. Der Missbrauchsbeauftragte habe fast täglich mit der Familie und dem sie begleitenden Seelsorger Gespräche geführt. Zudem seinem dem Jugendlichen professionelle Hilfsangebote gemacht worden, die er auch nutze. Weil es keinen Hinweis auf strafrechtlich relevantes Verhalten gebe, wolle das Bistum keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten.

Bistum weist Vorwurf der Verschleierung zurück

Das Bistum Münster wendet sich gegen die Darstellung der „Rheinischen Post“, wonach sie den Priester mit der Begründung eines Burnouts habe entpflichten wollen. „Das Bistum Münster hat zu keinem Zeitpunkt versucht, etwas zu verschleiern“, heißt es in einer Erklärung. Die Diözese bedaure zutiefst, dass der Jugendliche durch das Verhalten des früheren Pfarrers habe leiden müssen.

Grosch war seit 2003 Leitender Pfarrer der Pfarrei „Zur Heiligen Familie“ in Kleve-Materborn. Er wurde 1969 in Kamp-Lintfort geboren und 1996 zum Priester geweiht. Er  war auch als Dekanats-Jugendseelsorger tätig. Als beratendes Mitglied gehörte Grosch dem Stadtrat von Kleve an.

(Am 22. Januar aktualisiert durch die Darstellung der KNA.)