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Medien spekulieren über „Manipulation“ durch Kardinal Robert Sarah

Debatte: Benedikt XVI. kein Co-Autor des Zölibats-Buchs?

In verschiedenen Medien ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Benedikt XVI. wirklich Co-Autor des neuen Buchs von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat ist. Manche Quellen behaupten das, Sarah bestreitet vehement.

In verschiedenen Medien ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Benedikt XVI. wirklich Co-Autor des neuen Buchs von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat ist. Der emeritierte Papst habe „nicht vierhändig ein Buch mit Kardinal Sarah geschrieben“, zitierte die Zeitung „Corriere della Sera“ am späten Montagabend eine nicht näher benannte Quelle aus dem Umfeld des 2013 zurückgetretenen Papstes.

Vielmehr habe Benedikt XVI. „vor einigen Monaten eine Aufzeichnung über das Priestertum verfasst“. Sarah habe ihn gebeten, diese sehen zu dürfen. Der Emeritus habe Sarah den Text gegeben, „weil er wusste, dass er ein Buch zum Thema Priestertum“ schreiben wollte. Er habe aber „nie den Buch-Einband gesehen“ oder einer Mitherausgeberschaft zugestimmt, so der Bericht im „Corriere“. Ähnlich äußerte sich der Vatikan-Korrespondent des US-Magazins „America“, Gerald O'Connell, auf Twitter unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld von Benedikt XVI.

Zeitung: Ratzinger war nicht beteiligt

Der Einband des Buches „Des profondeurs de nos coeurs“ (Aus den Tiefen unserer Herzen), das am Mittwoch in Frankreich erscheint, zeigt Sarah und Benedikt XVI. im Foto und nennt ihre Namen als Autoren. Die Zeitung „Le Figaro“ hatte am Montag Auszüge publiziert sowie ein Interview mit Kardinal Sarah.

Die spanische Zeitung „ABC“ schrieb am späten Montagabend, Sarahs Buch sei „eine redaktionelle und mediale Manipulation, an der der emeritierte Papst laut Quellen, die Joseph Ratzinger sehr nahe stehen, nicht beteiligt war“. Der Vatikan-Korrespondent von „ABC“ vermutete, Benedikt XVI. sei durch Kardinal Sarah, einen „der wichtigsten sichtbaren Gegner von Franziskus“ manipuliert worden.

Sarah legt Briefe Benedikts vor

Sarah selbst wehrte sich gegen die Vorwürfe. Einem eigenen Tweet fügte er Fotos dreier Briefe von Benedikt XVI. bei. Im letzten vom 26. November schriebt der emeritierte Papst demnach unter anderem: „Von meiner Seite aus kann der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form veröffentlicht werden.“

Auch der US-Verlag „Ignatius Press“, in dem die englische Übersetzung des Buchs erscheinen soll, wehrt sich laut einem Bericht des privaten Mediennetzwerks CNA/EWTN gegen den Vorwurf, Benedikt habe an dem Werk nicht mitgeschrieben.

Der Hintergrund

Das Buch mit Texten von Sarah, Benedikt XVI. und Herausgeber Nicolas Diat spricht sich laut Vorabdruck im „Figaro“ vehement für die Beibehaltung der Zölibatsverpflichtung katholischer Priester aus und warnt vor einer Aufweichung. Von vielen Kommentatoren wird dies als klarer Affront auch des ehemaligen Papstes gegen den aktuellen Amtsinhaber Franziskus gedeutet.

Begründet wird dieser Gegensatz mit dem von Franziskus angekündigten und bald erwarteten nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode. Deren Teilnehmer hatten sich zum Abschluss mehrheitlich für eine begrenzte Lockerung des Zölibats ausgesprochen, um gegebenenfalls auch verheiratete ständige Diakone zu Priestern weihen zu können. Damit wolle man vor allem der Notlage begegnen, dass viele Gemeinden am Amazonas aufgrund des Priestermangels sonst nur sehr selten die heilige Messe feiern können.

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